Vom Konflikt im Nahen Osten sind auch Tausende Seeleute betroffen. Laut der Deutschen Seemannsmission (DSM) in Hamburg befinden sich in der Region rund um die Straße von Hormus derzeit mindestens 200 Frachtschiffe mit gut 4.000 Seeleuten an Bord. Zudem lägen sechs Kreuzfahrtschiffe mit etwa 3.000 Besatzungsmitgliedern in Häfen der Region vor Anker, darunter die "Mein Schiff 4" und die "Mein Schiff 5" der in Hamburg ansässigen Reederer Tui Cruises.
"Auf beiden Schiffen dürften jeweils mehr als 1.000 Besatzungsmitglieder sein", sagt Matthias Ristau, Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission (DSM), im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die DSM biete betroffenen Seeleuten an, den Chat "dsm.care" zu nutzen. "Das ist, was wir zurzeit tun können."
Neben den "Mein Schiff"-Kreuzfahrtschiffen befinden sich laut Ristau diverse weitere deutsche Schiffe in der Region. "Der Verband Deutscher Reeder sagte, es seien mindestens 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien betroffen." Die DSM habe das für einzelne Schiffe auf entsprechenden Webseiten überprüft. "Sie können davon ausgehen, dass die meisten Reedereien in Norddeutschland ihren Sitz haben", sagt Ristau.
Mindestens vier Schiffe wurden laut dem Generalsekretär von Geschossen getroffen. "Das zeigt, wie gefährlich es dort momentan ist." So sei ein Seemann getötet worden, als der Tanker "MKD Vyom" vor der Küste Omans getroffen wurde. Auch der Tanker "Skylight" sei nördlich des Hafens von Khasab im Oman Ziel eines Angriffs geworden. Dabei habe es unter den indischen und iranischen Seeleuten an Bord fünf Verletzte gegeben, sagt Ristau unter Verweis auf Medienberichte. Er mahnt: "Die Außenwände der Schiffe sind aus relativ dünnem Stahl." Ein großes Schiff sei "ein leichtes Ziel und es bietet keinen Schutz vor Raketen und Drohnen". Vielmehr lasse es sich leicht in Brand schießen und versenken.
Seelsorge per Chat
Zivile Seeleute anzugreifen, sei "durch nichts zu rechtfertigen", erklärt Ristau. Viele Seeleute in der Region und ihre Angehörigen zu Hause seien in Sorge. Die DSM habe bislang nur Kontakt zu Seeleuten, die in Dubai auf dem Flughafen gestrandet sind. "Sie wissen nicht, wie es weitergeht. Und sie haben Angst vor weiteren Angriffen." Inzwischen seien sie in einem Hotel untergebracht.
Aus ähnlichen Situationen - wie etwa Angriffen in ukrainischen Häfen und vor dem Jemen - wisse die DSM, dass Bedrohungen Seeleute sehr bewegten. "Sie fühlen sich ausgeliefert, da sie kaum etwas machen können und ihr Schiff gut sichtbar ist und keinen Schutz bietet", erläutert Ristau.
Mit dem "dsm.care"-Chat könne die DSM zumindest online seelsorgerliche Hilfe leisten. Der Chat richtet sich laut Seemannsmission an alle Seeleute von Fracht-, Passagier- und Kreuzfahrtschiffen. Als Gesprächspartner stehen Seemannsdiakoninnen, -diakone und andere im Umgang mit Seeleuten erfahrene Menschen zur Verfügung.
Daneben hält die DSM Kontakt zu anderen Seemannsmissionen in der Region. Einige von ihnen hätten in Bahrain und Dubai Mitarbeitende vor Ort, sagt Ristau. Allerdings: "Während der Angriffe und Ausgangssperren konnten unsere Kollegen nicht zu den Schiffen." Die DSM hoffe, dass die Kollegen bald wieder Seeleute vor Ort betreuen können.


