Der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thorsten Latzel, warnt vor möglichen "Kollateralschäden" eines Boykotts der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada. US-Präsident Donald Trump sei unberechenbar, sagte der rheinische Präses am Sonntag in der Sendung "Himmel & Erde" der NRW-Lokalradios. "Ein Boykott könnte etwas auslösen, gerade auch im Blick etwa auf die NATO, was Folgewirkungen haben könnte, die wir nicht abschätzen können." Außerdem funktioniere ein Boykott nur, wenn man sich international abspreche und dies nicht ein einzelner Staat "auf dem Rücken der Athleten" mache.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte Ende Januar erklärt, ein Boykott der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada sei derzeit kein Thema. Hintergrund für die Diskussion über ein Fernbleiben bei dem sportlichen Großereignis ist der Umgang der USA mit Einwanderern und Demonstrierenden sowie die Drohungen des US-Präsidenten Donald Trumps, Grönland und Kanada zu annektieren.
"Ich halte die Entwicklung in den Vereinigten Staaten für hochproblematisch", betonte der leitende Theologe der zweitgrößten evangelischen Landeskirche. "Was wir mit ICE erleben, dass es Einschränkungen von Freiheitsrechten in verschiedenster Hinsicht gibt, dass die Demokratie gezielt angegriffen wird, und zwar vom eigenen Staatsoberhaupt, das ist alles richtig problematisch."
WM-Fans sollten an Demonstrationen teilnehmen
Latzel riet Besucherinnen und Besuchern der Weltmeisterschaft in den USA, demokratische Kräfte wie zivile Organisationen zu besuchen oder zu Demonstrationen zu gehen. "Setzen Sie ein öffentliches Zeichen", betonte er. "Auch in den Stadien kann man das machen." Er gehe von einer hohen Sensibilität der Weltbevölkerung aus. Bilder von einer "riesigen Demonstration" wären ein "starkes Zeichen". Die kommende Fußball-WM findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli statt.


