Zehn Jahre nach dem Beschluss zur Einführung von Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zieht Bischof Christian Stäblein eine positive Bilanz. Die Entscheidung sei "ein wichtiger und überfälliger Schritt" gewesen, sagt Stäblein der Berliner Wochenzeitung "Die Kirche".
"Die Bibel gibt uns deutlich und klar den Auftrag, Menschen in ihrer Vielfalt, Unterschiedlichkeit und Individualität anzunehmen." Die Synode der Landeskirche hatte am 9. April 2016 die Gleichstellung von Gottesdiensten zur Segnung von Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft mit Traugottesdiensten von Mann und Frau beschlossen.
Stäblein sagt, der frühere Umgang mit gleichgeschlechtlich liebenden Mitarbeitenden in der Kirche bis hin zur Entfernung aus dem Dienst sei "eine sehr schmerzhafte Geschichte" und "eine Geschichte des Versagens". Die Gleichstellung homosexueller Paare sei auf Engagierte zurückzuführen, die schließlich auch Haltungsänderungen in der gesamten Institution Kirche bewirkt hätten.
Dabei sei auch deutlich gemacht worden, dass Aussagen zu Homosexualität in der Bibel etwas anderes meinten als die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen zwei Menschen heute, nämlich Machtmissbrauch und Formen sexualisierter Gewalt, betont der Bischof. Nach jahrelanger Debatte sei dann der Beschluss von 2016 gefasst worden.
Die Regelung "Trauung für alle" trat zum Juli 2016 in Kraft. Die Landeskirche war - nach Hessen-Nassau und dem Rheinland - damit die bundesweit dritte Mitgliedskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die diesen Schritt gegangen ist.
Im November 2025 hatte eine Pfarrerin aus Berlin vier in einer gemeinsamen Beziehung lebenden Männern auf einem Pop-Up-Hochzeits-Festival den kirchlichen Segen gegeben. Bei der Feier, die Pfarrerin Lena Müller in Kreuzberg durchführte, handelte es sich dabei nicht um eine kirchliche Trauung oder Hochzeit.
Die Pfarrerin wurde danach in den sozialen Medien massiv angefeindet. In einem Statement erklärte die EKBO: "Wir sind entsetzt über so viele Angriffe und Hass auf Pfarrerin Lena Müller. Wir stehen gegen diese Angriffe und verurteilen sie aufs Schärfste. Wir weisen Hass und Verleumdung zurück und behalten uns rechtliche Schritte dagegen vor. Wir stehen an der Seite derer, die Anfeindungen erleben".



