Für den Frieden auf dem Rad durch Ostafrika

Tomas Samson mit seinem Fahrrad an einem Obststand in Kenia
epd-bild/Jeremiah Onyango
Tomas Samson mit seinem Fahrrad an einem Obststand in Kenia. Der 35-jährige Eritreer ist unterwegs, auf seinem Fahrrad durch Ostafrika.
Eritreer erkundet Ostafrika
Für den Frieden auf dem Rad durch Ostafrika
Er radelt durch Halbwüsten und zeltet bei kenianischen Viehhütern: Der Eritreer Tomas Samson erkundet Ostafrika mit seinem Mountainbike. In einer von Konflikten geprägten Region will er für Frieden und Verständigung werben.

Wenn es Tomas Samson an einem Ort gefällt, dann bleibt er ein paar Tage, manchmal auch länger. Der 35-jährige Eritreer ist unterwegs auf seinem Fahrrad durch Ostafrika. Rund 2.000 Kilometer hat er schon hinter sich. Doch das ist nur eine Nebensache, denn Samson radelt für Frieden und Verständigung. "Bei dieser Reise geht es nicht um Distanz, sondern um Verbindungen, voneinander Lernen", sagt er.

Dabei hat zu Beginn vor allem Samson gelernt: Er hat vieles nicht in der Hand. Unterwegs wurde er erst krank, dann musste er die Route ändern, weil es im Grenzgebiet mit Südsudan gewaltsame Auseinandersetzungen gab. Gestartet ist Samson, der mit seinem voll bepackten Mountainbike schwer zu übersehen ist, in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Unterwegs hat er Waldgebiete durchquert, ebenso wie Halbwüsten.

Mit vielen Menschen hat er keine gemeinsame Sprache geteilt, aber: "Wenn du die Herzen der Menschen berührst, reagieren sie auf eine Weise, die du nie erwartet hättest", sagt Samson. Einige Tage schlug er in einem Dorf im Norden von Kenia sein Zelt auf, wo sich der Alltag um Viehherden dreht. Dort hat eine Frau seine kleine Kalebasse, aus der er seinen Kaffee trinkt und die unterwegs an seinem Rucksack baumelt, mit Kauri-Muscheln verziert.

Hunderte Menschen hat er auf seiner Reise schon getroffen, sich ausgetauscht, kleine Momente geteilt. Ein Rat, den ihm ein Junge gegeben hat, ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: "Egal was du machen willst, egal wie groß das Ziel, fang jetzt damit an."

20.000 Follower auf TikTok

In Videos, die Samson auf TikTok, Instagram und Youtube teilt, zeigt er alltägliche Begegnungen, die seine Reise prägen. Auf TikTok folgen ihm mehr als 20.000 Menschen - vor allem aus weltweit verstreuten eritreischen Diaspora. Samson will zeigen, wie kulturell vielfältig Ostafrika ist, und dass traditionelle Lebensweisen ihre eigene Weisheit haben, besonders im Zusammenleben mit der Natur. Er will bei den Menschen, die online seine Reise verfolgen, Neugier wecken. Viele Menschen hätten kaum Interesse, Ostafrika zu erkunden, weil sie an Kriege und Dürre denken und nicht an die Menschen.

Seit fast einem halben Jahr ist Tomas Samson unterwegs mit dem Fahrrad quer durch Ostafrika. Seine Mission dabei: Frieden fördern, Hoffnung verbreiten und sich für Nachhaltigkeit einsetzen.

 

Samsons Heimatland Eritrea, ein kleines Land am Horn von Afrika, wird seit der Unabhängigkeit von Äthiopien 1993 von Staatschef Isaias Afewerki regiert. Es ist abgeschottet von der Welt, der Großteil der Bevölkerung hat keinen Zugang zum Internet. Journalisten werden selten ins Land gelassen. Alle Männer und Frauen müssen einen Militärdienst von mindestens eineinhalb Jahren absolvieren, oft wird dieser verlängert. Samson hat danach im Informationsministerium Videos geschnitten.

Kultur und Krieg in Äthiopien

2018 reiste er mit seiner damaligen Band nach Äthiopien. Und beschloss, dass er dort leben will. In Addis Abeba baute er sich ein buntes Leben auf, organisierte Fahrradtouren und kulturelle Abende - während in anderen Teilen des Landes, etwa im nördlichen Tigray, brutale Kriege und Konflikte ausgetragen wurden.

Samson beschloss loszuziehen, um sich selbst Hoffnung zu machen und sein eigenes Bild und das der anderen zu verändern. "Wir können Frieden täglich praktizieren, indem wir die Menschen, die wir treffen, nicht zu Feinden machen", sagt er.

Nächstes Ziel: Ruanda

Das Fahrrad ist für ihn ein friedliches Verkehrsmittel. "Null Kohlenstoffemissionen", sagt er - dazu nah an der Natur und an den Menschen. An Reisetagen legt er 60 bis 80 Kilometer zurück, in Ausnahmefällen auch mal 150. "Egal, was um einen herum passiert, man ist auf dem Fahrrad ganz im Moment." Alles, was er braucht, hat er auf seinem Fahrrad dabei. Im besten Fall will er auch den Ort finden, an dem er als Nächstes leben will.

In der kenianischen Hauptstadt Nairobi hat er ein paar Wochen Pause gemacht. Jetzt geht es weiter. Bald schon will Samson in Ruanda sein, ebenfalls ein Land, das in der angrenzenden Demokratischen Republik Kongo in einen Krieg verwickelt ist. Wie die Reise und der Zeitplan am Ende wirklich aussehen, "das weiß nur Gott", sagt Samson. Doch eins ist sicher: Er wird unterwegs weiter mit Menschen ins Gespräch kommen und im Kleinen die Vision vom großen friedlichen Miteinander leben.