"Zweitzeugen" erinnert an Holocaust-Opfer

Die Holocaustüberlebende Margot Friedländer am 24.06.2024
epd-bild/Christian Ditsch
Margot Friedländer war eine deutsche Überlebende des Holocausts, die sich als Zeitzeugin engagierte. Sie ist im Mai 2025 gestorben.
Neue Kampagne
"Zweitzeugen" erinnert an Holocaust-Opfer
Nur noch wenige Holocaust-Überlebende können selbst über ihre Erfahrungen in der NS-Zeit berichten. Der Verein "Zweitzeugen" will die Erinnerungen daher anders erhalten: Prominente tragen die Geschichten von Überlebenden per Video weiter.

Am heutigen Holocaust-Gedenktag (27. Januar) hat der Verein Zweitzeugen eine Social-Media-Kampagne gestartet, um die Erinnerungen von Überlebenden des Holocausts zu bewahren und sie als Orientierung für Gegenwart und Zukunft weiterzugeben. Die Initiative wird unter anderem von Schauspielerin Iris Berben und Sportjournalist Marcel Reif unterstützt, wie der Verein am Dienstag in Essen mitteilte. Bei der Aktion "Ich bin Zweitzeug/in von …" übernehmen prominente Persönlichkeiten eine Patenschaft für die Lebensgeschichte eines Holocaust-Überlebenden und zeigen an dessen Stelle in Videobotschaften, wie gesellschaftliche Verantwortung aussehen kann.

"Zweitzeugenschaft" bedeute, die Erfahrungen der Zeitzeugen nicht als abgeschlossene Vergangenheit zu betrachten, sondern sie bewusst in das eigene Denken und Handeln zu integrieren, hieß es. Da immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen selbst berichten könnten, gewinne das Weitertragen ihrer Geschichten eine besondere gesellschaftliche Bedeutung.
Iris Berben erinnert an Margot Friedländer

Bei der Social-Media-Aktion erzählt Iris Berben die Geschichte der 2025 mit 103 Jahren gestorbenen Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer. Sie war eine der bekanntesten Zeitzeuginnen Deutschlands. Über Jahrzehnte hinweg sprach sie öffentlich über ihre Erfahrungen und prägte maßgeblich die Erinnerungsarbeit. Berben war Friedländer über viele Jahre persönlich verbunden.

"Die Geschichten der Überlebenden des Holocausts sind mehr als Zeugnisse einer grauenvollen Vergangenheit - sie sind Leitlinien für unser Handeln heute", sagte Berben. Die Kampagne mache deutlich, dass Erinnerung nicht im Rückblick verharre: "Wenn wir diese Geschichten weitertragen, übernehmen wir Verantwortung für unsere Gegenwart und für eine Gesellschaft, die auf Demokratie, Vielfalt und Menschlichkeit gründet."

Andere Unterstützer der Kampagne sind der Wissenschaftsjournalist Mirco Drotschmann, die ehemalige Profi-Fußballerin Tugba Tekkal und die Moderatorin Clarissa Correa da Silva. Seit Dienstag werden die Beiträge auf den digitalen Kanälen von Zweitzeugen veröffentlicht.