TV-Tipp: "Rosenthal"

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27. Januar, 3sat, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Rosenthal"
Der Dalli-Dalli-Moderator Hans Rosenthal war Jude, doch das wussten viele nicht. Wie sah sein Leben aus, im und nach dem Nationalsozialismus? Danach folgt ein Fim über Margot Friedländer, der kurz vor ihrem Tod produziert wurde.

Als die meisten westdeutschen Haushalte nur drei Fernsehprogramme empfangen konnten, hatten TV-Shows wie "Dalli Dalli" donnerstags regelmäßig bis zu 20 Millionen Zuschauer. Hans Rosenthal war einer der größten Stars jener Jahre. Dass er Jude war, wussten die meisten Menschen nicht.

Ihm selbst waren seine Wurzen natürlich sehr wohl bewusst. In seiner 1980 erschienenen Autobiografie "Zwei Leben in Deutschland" beschreibt er, wie er nach der Deportation seines kleinen Bruders ins Konzentrationslager die letzten Kriegsjahre allein dank der Unterstützung durch drei nichtjüdische Berlinerinnen in einer Kleingartenanlage überlebte.

Am 2. April wäre Rosenthal hundert Jahre alt geworden. Dass das "Zweite" den Anlass nutzt, um einen seiner beliebtesten Moderatoren zu würdigen, ist respektabel, zumal die Handlung dem ZDF nicht gerade zur Ehre gereicht, aber der Mehrwert des schlicht "Rosenthal" betitelten Films ist ungleich bedeutender.

Autor Gernot Krää, der bei seinem Drehbuch von Rosenthals Kindern unterstützt wurde, sowie Regisseur Oliver Haffner, der die Idee zu diesem Projekt hatte, stellen ein konkretes Datum in den Mittelpunkt. Am 9. November 1978 möchte das ZDF ein Jubiläum feiern: An diesem Tag wird die 75. Ausgabe von "Dalli Dalli" übertragen. Ausgerechnet in jenem Jahr will die Bundesregierung erstmals öffentlich an die Pogrome vom 9. November 1938 erinnern. Bundeskanzler Helmut Schmidt wird in einer Feierstunde in der Kölner Synagoge auftreten, Rosenthal soll als Ehrengast teilnehmen.

Shows waren damals Live-Sendungen, die Termine lange im Voraus geplant, und Vertrag ist Vertrag; aber der Moderator will nicht so tun, als ob dies ein Tag wie jeder andere wäre. In dramaturgisch klug integrierten Rückblenden lassen Krää und Haffner Rosenthals Jugenderinnerungen einfließen, aber davon abgesehen konzentriert sich der Film auf das Jahr 1978, und natürlich steht und fällt so ein Projekt mit dem Hauptdarsteller.

Wie sich Florian Lukas die Persönlichkeit des Moderators einverleibt hat, ist bemerkenswert und preiswürdig. Sprechweise und Habitus wirken verblüffend authentisch. Trotzdem ist sein Rosenthal weit mehr als eine Imitation: Der mit Anfang fünfzig immer noch jugendlich wirkende und vielfach ausgezeichnete Schauspieler lässt bei allem Frohsinn, den der Moderator auch bei den Begegnungen mit seinen Fans ausstrahlt, stets eine gewisse Melancholie und Tiefgründigkeit durchschimmern. 

Auf diese Weise entspricht das Drama geradezu vorbildlich Rosenthals Vermächtnis. Seine Autobiografie ist eine Mahnung zur Versöhnung. Im Film formuliert seine langjährige Show-Assistentin Monika Sundermann (Teresa Rizos) das Credo ihres Chefs, und es wird kein Zufall sein, dass diese Schlüsselsätze exakt zur Hälfte des Films fallen. Vor vierzig Jahren, hat er ihr anvertraut, hätten ihn die "Dalli-Dalli-Freunde", die ihn heute bejubeln, ohne zu zögern denunziert. Seine Gegenstrategie bestehe darin, die Leute "durch Höflichkeit, durch Respekt und Menschlichkeit auf einen anderen Kurs zu bringen"; sie liebten ihn, weil er ihnen Freude am Leben schenke.

Der von Hans-Jochen Wagner als bräsiger Lerchenbergfürst verkörperte Show-Chef des ZDF, der Rosenthal für seine tolle Arbeit "an der Unterhaltungsfront" lobt, steht für die Haltung jener Jahre: "Die Menschen wollen Spaß haben und nach vorn schauen, nicht mehr zurück." Geschickt gibt Krää jedoch auch jenen eine Stimme, die das anders sahen: Eine engagierte junge Mitarbeiterin (Maya Sara Unger) der Jüdischen Allgemeinen hält die Gedenkfeier für eine Alibi-Veranstaltung, sie fordert vom sichtlich beeindruckten Rosenthal, die wenigen prominenten Juden müssten endlich "ihren Mund aufmachen". Ihre Großmutter hat stets einen gepackten Koffer griffbereit. Die alte Frau hat das KZ überlebt, "aber die Angst ist geblieben." 

Im Anschluss zeigt 3sat um 21.45 Uhr "Ich bin! Margot Friedländer". Im Frühjahr 2025 ist die Holocaust-Überlebende gestorben. Zum Glück hat Raymond Ley kurz zuvor diesen Film gedreht, so dass ihr Vermächtnis erhalten bleibt. Bei allem Respekt für die einfallsreichen und auch handwerklich sehr gelungenen Verknüpfungen der verschiedenen Zeitebenen, für die große Kinomusik und für die Bildgestaltung: Es ist nicht zuletzt die Mitwirkung der damals bereits über hundert Jahre alten, geistig aber immer noch eindrucksvoll vitalen Friedländer, die diesen Film zu einem herausragenden Werk macht.

Das Doku-Drama erzählt von Margots 15 Monaten im Berliner Untergrund, bis sie schließlich 1944 doch noch nach Theresienstadt deportiert wurde. Die junge Frau, die mit Anfang zwanzig sehr plötzlich lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen, wird überaus eindrucksvoll von Julia Anna Grob verkörpert. In zum Teil winzigen Nebenrollen wirken Axel Prahl, Iris Berben und Herbert Knaup mit.