Jack London und sein "Ruf der Wildnis"

Jack London als Kind (1885)
Unbekannter Fotograf/gemeinfrei/Wikimedia
Als Kind musste Jack London in einer Fabrik für zehn Cent Stundenlohn arbeiten und zum Familienunterhalt beitragen, später heuerte er unter anderem als Matrose und Robbenfänger an.
Vor 150 Jahren geboren
Jack London und sein "Ruf der Wildnis"
Sein "Ruf der Wildnis" ist sprichwörtlich geworden. Vor 150 Jahren wurde der US-amerikanische Autor und Abenteurer Jack London geboren.

Seine Romane "Der Ruf der Wildnis" und "Der Seewolf" haben ihn weltbekannt gemacht: Vor 150 Jahren, am 12. Januar 1876, wurde Jack London in San Francisco geboren. Sein Leben glich selbst einem Roman. Vieles von dem, was er in seinen Büchern beschreibt, kannte er aus eigener Anschauung.

Als Kind musste er in einer Fabrik für zehn Cent Stundenlohn arbeiten und zum Familienunterhalt beitragen, später heuerte er unter anderem als Matrose und Robbenfänger an. Sein Stiefvater John London war als Farmer gescheitert, seine Mutter Flora bezahlte die ehemalige Sklavin Virginia Prentiss als Ziehmutter. Sie prägte den Jungen ebenso wie Ina Coolbrith, Bibliothekarin in der Stadtbibliothek von Oakland, die er später seine "Göttin" nannte.

Sie förderte den wissensdurstigen Jugendlichen, der schon bald als Austern-Pirat durch die Bucht von San Francisco kreuzte. Unter dem Titel "Taifun vor der japanischen Küste" veröffentlichte London 1893 seinen ersten Text und gewann damit gleich einen Preis.

Protestmarsch von Arbeitslosen

Leben konnte er davon nicht, er schlug sich als Kohlenschlepper durch. 1894 schloss er sich einem Protestmarsch Arbeitsloser nach Washington an. Das Leben hatte ihn zum Sozialisten gemacht. Jack London las Karl Marx, aber auch Charles Darwin und den Sozialdarwinisten Herbert Spencer. Er sang das "Triumphlied vom Recht des Stärkeren", wie er selbst einmal bekannte, und wollte es Friedrich Nietzsches "Übermenschen" gleichtun.

1896 bestand Jack London die Aufnahmeprüfung an der Berkeley-Universität. Aber als er von den Goldfunden am Klondike River hörte, brach er im Sommer 1897 ins Yukon Territory im nordwestlichen Kanada auf. Hier packte ihn die Begeisterung für das, was für ihn die Wildnis war. "Ich entdeckte, dass ich nicht im Salon der Gesellschaft leben mochte", schrieb er später in seinem autobiografischen Buch "Abenteuer des Lebens". Aber nach einem entbehrungsreichen Winter erkrankte er und brach seine erfolglose Goldsuche ab.

"Mitleidlose Natur"

Heimgekehrt nach Kalifornien, ernährte er sich weiter durch Gelegenheitsjobs und nebenbei verarbeitete er seine Nordland-Erlebnisse in Kurzgeschichten. Mit dem Text "Odyssey to the North" gelang ihm der Durchbruch. Es folgte seine erste Kurzgeschichtensammlung "A Son of the Wolf". Exemplarisch für sein Denken ist darin: "The White Silence", das Schweigen einer mitleidlosen Natur, die den Menschen erkennen lehrt, "dass er ein Wurm und nicht mehr ist".

Sein sozialistisches Engagement hat er nicht vergessen: 1901 kandidierte Jack London erfolglos für das Bürgermeisteramt von Oakland. 1902 war er als Undercover-Reporter monatelang im Londoner East End unterwegs und schrieb später über das Leben der verelendeten Arbeiter und Obdachlosen in dem Armenviertel. "Menschen im Abgrund" nannte der das Buch, es soll sein Lieblingsbuch gewesen sein. "Jack hatte unendliches Mitleid. Er hat über das East End geweint wie Jesus über Jerusalem", schrieb sein Kollege Upton Sinclair.

Sein bis heute berühmteste Werk aber ist "Ruf der Wildnis": die Geschichte eines Haushundes namens Buck, der sich in Alaska als Schlittenhund behauptet und schließlich einem Wolfsrudel anschließt. Das entspricht dem sozialdarwinistischen Dogma, wonach überlebt, wer sich am besten an die Umgebung anpassen kann. "Das Buch hat ihn zum Millionär gemacht", sagt sein Biograf, der Amerikanist Alfred Hornung.

Erfolgreich mit "Seewolf" und "Wolfsblut"

Als sein Roman "Der Seewolf" erschien, war die erste Auflage von 40.000 Exemplaren gleich vergriffen. London war zu Lebzeiten der meistgelesene US-Autor. Der Seewolf wurde 1971 mit Raimund Harmstorf in der Rolle des brutalen Schiffskapitäns Wolf Larsen fürs Fernsehen verfilmt. Mit "Wolfsblut" erschien schon ein Jahr später die Geschichte eines verwaisten Jungwolfs, der sich zum Hund zivilisieren lässt, weil er ebenso anpassungsfähig ist wie Buck in "Der Ruf der Wildnis".

Ebenfalls 1907 publizierte London "Die Eiserne Ferse", einen Roman, in dem ein Sozialist gegen eine kapitalistische Oligarchie kämpft. London habe damit einen faschistischen Staat als Zukunft projiziert, erklärt Hornung im epd-Gespräch und ergänzte: "Mit Trump wird das heute wieder relevant." Gegen Ende seines Lebens zog er sich auf eine Ranch zurück, die er ökologisch bewirtschaftete.

Obwohl eigentlich ein reicher Mann, geriet er in Schulden. Sein zweites kostspieliges Anwesen, das "Wolfshaus", brannte ab. Auch sein Alkoholmissbrauch forderte Tribut. "König Alkohol" nannte er einen Roman, bevor ihn ein Nierenleiden und Rheumatismus zu starken Schmerzmitteln zwangen. Am 22. November 1916, im Alter von 40 Jahren, beging er Suizid. Begraben ist er neben seiner zweiten Frau Charmian auf seiner "Beauty Ranch". Jack London hat mehr als 50 Bücher hinterlassen.