Sie finden sich im Saum von Vorhängen, alten Dosen, Briefumschlägen, vergammelten Reisetaschen und Altkleidern: alte D-Mark-Münzen und D-Mark-Scheine, oftmals "Schlafmünzen" genannt. Auch im vergangenen Jahr hat die Bundesbank davon wieder etliche in Euro umgetauscht. "Üblicherweise kommen die Kundinnen und Kunden nach Wohnungsauflösungen der Oma oder der Eltern und bringen dann tendenziell kleine Beträge in die Filialen", sagt Sprecher Uwe Deichert.
"Manchmal sind dann aber auch größere Beträge dabei, wenn die Verstorbenen etwas Geld zu Hause gehortet haben." Deichert hat auch schon davon gehört, dass alte Geldscheine unter verwelkten Geranien, Tabletten-Röhrchen oder in einem kaputten Sofa gefunden wurden. Zunehmend beobachte die Bundesbank das Auflösen von Münzsammlungen, die zu D-Mark-Zeiten angelegt wurden, sagt der Sprecher. Anscheinend hätten die Sammlerinnen und Sammler erkannt, dass der Wert der Münzen nicht gestiegen sei.
5-Deutsche-Mark-Münze bei Sammlern begehrt
Allerdings sei die von 1951 bis 1974 geprägte 5-D-Mark-Münze aufgrund des Designs und des Silbergehalts bei Sammlern nach wie vor begehrt und wertvoller als der Nennwert. Bundesweit haben 2025 bis Ende November mehr als 80.000 Menschen rund 42 Millionen D-Mark bei der Bundesbank abgegeben. Im gesamten Jahr 2024 waren es über 53 Millionen bei 98.000 "Umtauschaktionen". Noch werden 24 Jahre nach der Währungsumstellung am 1. Januar 2002 über 12 Milliarden D-Mark weltweit irgendwo gehortet. 5,6 Milliarden davon sind Banknoten, 6,5 Milliarden sind Münzen.
Für viele mit wirtschaftlichem Aufstieg verbunden
Warum das Geld bisher nicht umgetauscht wurde, habe vielerlei Gründe, meint Bundesbank-Sprecher Deichert: "Es werden sicher noch viele D-Mark irgendwo im Ausland liegen. Und so einige haben das Geld vielleicht bewusst zu Hause gesammelt. Als Erinnerung." Die D-Mark ist für viele immerhin stark verbunden mit einem wirtschaftlichen Aufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg.
Eine andere Erklärung kann aber auch sein, dass man hierzulande die baren Münzen und Scheine noch sehr schätzt. "In Deutschland gibt es eine starke Verankerung in Bargeld", sagt der Wirtschaftspsychologe Stefan Trautmann vom Heidelberger Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften. Das sei anders als in vielen anderen Ländern. Man horte durchaus noch Bargeld. "So kann es vorkommen, dass vielleicht Summen vergessen werden."
"Schlafmünzen" weiterhin eintauschbar
Diese "Schlafmünzen" können aber auch zukünftig noch eingetauscht werden. Und es gibt laut Bundesbank keine Pläne, den Umtausch einzustellen. Das ist EU-weit nicht mehr überall der Fall. In Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien wurde der Umtausch nationaler Währungen in den Euro laut Europäischer Zentralbank bereits beendet.
Die Niederlande haben den Umtausch von Gilden-Münzen bereits Anfang 2007 beendet, für Scheine ist Ende 2031 Schluss. Bei der Bundesbank werden die alten DM-Scheine geschreddert und die DM-Münzen eingeschmolzen. Getauscht werden sie nach wie vor kostenlos zum amtlichen Kurs: Für 1,95583 DM gibt es einen Euro.


