Adventskranz backen? So geht's!

Kuchen, der aussieht wie Adventskerzen
Katrin Hummel
Adventskranz, mal anders: Fast täuschend echt sehen die Kerzen aus. Aber statt aus Wachs bestehen diese hier aus leckerem Kuchenteig.
Rezept zur Vorweihnachtszeit
Adventskranz backen? So geht's!
In unserer neuen Serie "Kreuz & Krümel" bereitet evangelisch.de-Autorin Katrin Hummel evangelische Rezepte zu besonderen Anlässen zu. In Vorbereitung auf den ersten Advent hat sie diesmal Kerzen gebacken.

Na, habt ihr schon einen Adventskranz besorgt? Bindet ihr ihn mit frischem Tannengrün selbst? Oder habt ihr einen, den ihr immer wieder verwenden könnt und bei dem man nur die Kerzen tauscht? Ich habe meinen Adventskranz auch schon. Aber ich wette, so einen habt ihr noch nie gesehen. Denn in diesem Jahr habe ich mir einfach einen Adventskranz gebacken! 

Aber warum haben wir überhaupt Adventskränze? Das ist eine Tradition, die auf den evangelischen Theologen und Sozialpädagogen Johann Hinrich Wichern zurückgeht. Er lebte im 19. Jahrhundert in Hamburg und war entsetzt darüber, unter welchen Bedingungen viele Kinder damals leben mussten und gründete 1833 das Rauhes Haus, eine Art Wohngemeinschaft für Waisenkinder, in der sie nicht nur lebten und lernten, sondern auch nach ihren Talenten und Vorlieben in Handwerksberufen ausgebildet wurden. 

Diese Kinder waren es auch, die ihn 1839 zum Adventskranz inspirierten, denn wie Kinder auch damals schon waren, fragten sie wohl mehr als einmal: Wie lange dauert es noch bis Weihnachten? Um das Warten also etwas erträglicher zu machen und die Zeit auch sichtbar zu verkürzen, nahm er sich kurzerhand ein altes Wagenrad, steckte vier große weiße Kerzen für die Adventssonntage und 20 kleinere, rote Kerzen für die Werktage daran und hängte es an die Decke des Betsaals des Rauhen Hauses. Und nun wussten auch die Kleinsten: Je mehr Kerzen leuchten, desto näher rückt die Ankunft Jesu, des Lichts der Welt. 

Als der Brauch später auch in gewöhnliche Wohnzimmer wanderte, stellte man allerdings schnell fest, dass so ein Wagenrad mit 24 Kerzen vielleicht doch ein wenig – nun ja – unhandlich ist. Also behielt man nur die vier großen Sonntagskerzen bei. Und das Tannengrün, das steht seit jeher für ewiges Leben und Hoffnung mitten im Winter und wurde etwa seit 1860 für das Binden des Adventskranzes verwendet. 

Mein Kranz braucht in diesem Jahr allerdings weder Tannengrün noch Bindfaden, sondern Butter, Milch und Mehl. Denn ich backe Adventskerzen einfach selber. Und das ist leichter als gedacht. Hier kommt also mein Rezept!

Zutaten für den Kuchen:

300 g Margarine
250 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Prise Salz
6 Eier
350 g Mehl 
1 Päckchen Backpulver
1 Teelöffel Zimt
150 ml Milch oder Orangensaft

Sonstige Zutaten:

2 Becher Sahne
1 Päckchen Vanille-Dessertcreme, z.B. Dr. Oetker Paradiescreme Vanille Geschmack
300 g weiße Kuvertüre
1 Teelöffel Kokosöl

4 Strohhalme
4 Kerzendochte
Alternativ: 4 dünne Geburtstagskerzen

Zubereitung: 

1. Für den Kuchen zunächst Butter mit Zucker, Vanillezucker und Salz schaumig schlagen. Die Eier einzeln unterrühren. Das Mehl mit Backpulver und Zimt mischen und abwechselnd mit der Milch unterrühren. Den Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen und im vorgeheizten Ofen 20 – 25 Minuten bei 180 Grad Ober-/Unterhitze backen. Den Kuchen nach dem Backen komplett auskühlen lassen. 

2. Die Dessertcreme mit den zwei Bechern Sahne für drei Minuten aufschlagen. Wer es gerne fruchtig mag, kann auch 150 g Kirschen oder andere Früchte pürieren und unter die Creme heben. Dann ändert sich natürlich auch die Farbe der Creme. Aber es müssen ja auch nicht immer nur weiße Kerzen werden. 

3. Aus dem Kuchen 14 oder 18 Kreise ausstechen, je nachdem wie hoch eure Kerzen sein sollen. Wenn euer Kuchen keine ganzen Kreise mehr hergibt, könnt ihr aus den Resten auch einfach noch ein paar Kreise zusammensetzen. 

4. Die Kreise dünn mit Creme bestreichen und aufeinander stapeln. Bei 14 Kreisen habt ihr dann  vier Kerzen aus 2, 3, 4 und 5 Kreisen; bei 18 Kreisen vier Kerzen aus 3, 4, 5 und 6 Kreisen. Jetzt den Strohhalm jeweils mittig durch einen Stapel stechen und oben bündig abschneiden. Den Docht durch den Strohhalm stecken und kürzen. Nun die Stapel dünn mit der restlichen Creme einstreichen. Die Kuchen für eine halbe Stunde kühlen. 

Alternativ zu den Kerzendochten könnt ihr auch einfach dünne Geburtstagskerzen in den Kuchen stecken. 

Die Creme reicht für alle Kerzen, ist aber bewusst eher knapp gehalten: So bleiben die Kerzen stabil und die ganze Sache wird nicht zu süß. Wer gerne dicker einstreicht, verdoppelt die Menge einfach und genießt den Rest als Dessert.

5. In der Zwischenzeit die Kuvertüre samt dem Kokosöl entweder vorbildlich im Wasserbad schmelzen oder – wie ich – bei niedriger Hitze und unter ständigem Rühren in der Pfanne. Die flüssige Schokolade 5 Minuten abkühlen lassen und dann mit einem Teelöffel über die Tortenstapel tropfen lassen. Zwischendurch die Torten immer wieder für einige Zeit kühlen, damit eine schöne Wachs-Struktur entstehen kann. Die Schokolade dann gegebenenfalls noch einmal leicht erwärmen. 

Tja, für Wichern war der Adventskranz damals nur eine pädagogische Notlösung und dass seine Erfindung heute in verschiedensten Formen und Farben in Kirchen, Wohnzimmern, Schulen oder Einkaufszentren steht, hätte er wohl nicht gedacht. Aber im Inneren sind wir eben doch alle ungeduldige Kinder, die Weihnachten auch nicht erwarten können und sich über das warme Licht in der Stube ebenso freuen. 

Mein süßer Adventskranz hält leider nicht bis Weihnachten, aber das Warten auf Weihnachten versüßt er trotzdem. Wenn auch nur an einem der vier Adventssonntage – außer natürlich, ihr backt jede Woche einen neuen oder immer nur eine Kerze. Und das ist dann eure ganz eigene Tradition. 

Geht gesegnet und gesättigt in diesen Advent. 

Katrin Hummel hat einen Adventskranz gebacken und zeigt Euch, wie's geht.