Gespitzte Öhrchen

Tierheimleiterin Claudia Maid mit Katze auf dem Arm
© epd-video/Julian Held
Tierheimleiterin Claudia Maid lässt ihre scheuen Gäste gerne betreuen.
Vorlesen für scheue Kätzchen
Gespitzte Öhrchen
Wenn die Samtpfoten im Tierheim schon Schlimmes erlebt haben, lassen sie sich oft nicht leicht vermitteln. Sie sind zu scheu. Deswegen werden sie nun im Tierheim Butzbach mit einem besonderen Service verwöhnt.

Im Katzen-Gehege im Tierheim in Butzbach sitzt Marlene Dort auf dem Fußboden und liest mit ruhiger Stimme den "Wunschpunsch" von Michael Ende vor. In diesem Gehege leben vier Katzen, sie sind aber so scheu, dass sie nicht herauskommen. Damit sich das ändert, kommt Katzenvorleserin Dort ein bis zwei Mal pro Woche, ehrenamtlich. Die 40-jährige Berufsschullehrerin liest seit gut zwei Monaten jeweils rund eine Stunde lang in unterschiedlichen Katzen-Gehegen im Tierheim vor.

Wie Dort lesen im Tierheim Butzbach Ehrenamtliche seit Mai den Katzen vor. Gründe dafür sind laut Leiterin Claudia Maid, dass Katzen mit Fallen gefangen wurden, keine Menschen kennen würden und dann hier im Tierheim eingesperrt und nicht in ihrem gewohnten Zuhause seien. So würden sie kein Vertrauen zu Menschen aufbauen. Was das Ziel des Vorlese-Projekts ist. Aktuell habe sie 23 Katzen und Kater, die schwer zu vermitteln seien, erklärt Maid.

Im Tierheim im hessischen Butzbach kommen regelmäßig Ehrenamtliche vorbei, um traumatisierten Katzen vorzulesen. Dadurch sollen sich die scheuen Tiere an Menschen gewöhnen - und können dann besser vermittelt werden.

Marlene Dort sei beim ersten Mal sehr aufgeregt vor dem Vorlesen gewesen, erzählt sie. Es sei sehr komisch gewesen, Katzen etwas vorzulesen, auch weil hier Mitarbeitende herumliefen und sich unterhielten, während sie vorgelesen habe. Aber sie habe sich schnell daran gewöhnt und sei mit einem angenehmen Gefühl, beruhigt und freudig nach Hause gegangen. Das sei nach jedem Vorlesen so.

Ihre Zuhörer sind still, sie kommen nicht aus ihren Verstecken heraus, spitzen lediglich ein Öhrchen in der sicheren Höhle des Kratzbaums. Ansonsten gibt es kaum eine sichtbare Reaktion der häufig traumatisierten Tiere. Manchmal würden die Katzen aufsehen, und das Vorlesen sei eine gute Gewöhnung für sie, um mit einem Menschen zu interagieren, erklärt Dort. Sie verbuche es als Erfolg, wenn die Tiere einigermaßen entspannt seien, während sie vorlese und sich nicht noch mehr zurückzögen.

Tierheimleiterin Maid nennt diese Einstellung wichtig, denn die Vorleser müssten sehr geduldig sein. Katzen trauten sich vielleicht erst nach dem fünften bis zehnten Mal, während des Vorlesens auf die Toilette zu gehen oder etwas zu fressen.

Aktuell lesen sechs Menschen regelmäßig den Tieren vor. Das Tierheim Butzbach freue sich über weitere Ehrenamtliche, betont Maid.

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<p>Eichhörnchen sind Nagetiere, die in ganz Europa vorkommen. Ihr Körperbau ist perfekt: Mit kräftigen und wendigen Hinterbeinen können sie bis zu fünf Meter springen und mit scharfen Krallen an den Vorderpfoten geschickt klettern. Ihr buschiger Schwanz dient der Balance. Samt Schwanz werden Eichhörnchen bis zu 40 Zentimeter lang. Sie wiegen bis zu 400 Gramm und können sieben Jahre alt werden. Ihr Fell ist fuchsrot bis schwarz, ihr Bauch stets weiß.</p>

<p>Ihre Ernährung: Früchte, Nüsse, Knospen und Samen sowie Beeren, Pilze, Zweige oder Rinde. Sie plündern auch mal ein Vogelnest. Im Herbst legen sie sich einen Vorrat für den Winter an und verstecken dabei Futter in Erddepots. Im Januar und im Sommer ist Paarungszeit mit wilden Verfolgungsjagden durch die Bäume. Ansonsten leben die tagaktiven Tiere als Einzelgänger. Ein Weibchen bringt zwei- bis dreimal im Jahr bis zu fünf Junge zur Welt, die es alleine aufzieht. Das Männchen wird dann vertrieben.</p>

<p>Ihre Nester bauen die Eichhörnchen in mindestens sechs Metern Höhe in den Baumwipfeln. Weil der Wald von den Menschen immer stärker bewirtschaftet wird, schrumpft der Lebensraum zusammen. Daher haben sich die Tiere auch in Städten, Gärten und Parks angesiedelt.&nbsp;</p>

<p><strong>Was tun, wenn man verletzte Eichhörnchen findet?</strong></p>

<p>Sitzt im Wald, Park oder Garten ein Eichhörnchen, das verletzt oder hilflos wirkt, raten Experten dringend davon ab, das Tier mit nach Hause zu nehmen. Verletzte Eichhörnchen gehörten in die Hand von erfahrenen Helfer:innen in Rettungsstationen, so Tiermedizinerin <a href="https://tierarztpraxis-dickmann.com/" target="_blank">Christine Dickmann</a> vom <a href="http://www.eichhoernchen-notruf.com" target="_blank">bundesweiten Verein "Eichhörnchen Notruf"</a> mit Sitz in Hamburg. Diese Ehrenamtlichen sind besonders geschult und verfügen über eine Sachkunde-Nachweis vom Veterinäramt.&nbsp;Oft betroffen sind Jungtiere, die nach Baumfällarbeiten oder Stürmen aus dem Nest gefallen sind.&nbsp;</p>

<p>Sinnvoll: verwaiste Jungtiere wärmen und in ein Handtuch wickeln, damit sie nicht auskühlen. Bei ausgewachsenen Eichhörnchen schützt ein Tuch vor Bissen. Experten betonen, dass Eichhörnchen keine Tollwut übertragen.&nbsp;Wenn nach zwei, drei Stunden nichts passiert sei, sollten die Finder zügig einen Eichhörnchen-Notruf anrufen&nbsp; Es gibt aber noch weitere Eichhörnchen-Rettungsvereine.&nbsp;</p>

<p><strong>Bundesweites Service-Telefon</strong> des Eichhörnchen-Notrufs: 0700/20020012, von März bis September täglich besetzt von 10 bis 12 und 17 bis 19 Uhr</p>

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