TV-Tipp: "Das Netz – Prometheus"

Fernseher vor gelbem Hintergrund.

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17. November, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Das Netz – Prometheus"
Der Titan Prometheus hat den Menschen einst gegen den Willen von Göttervater Zeus das Feuer gebracht; dafür musste er bitter büßen. In der griechischen Mythologie gibt es jedoch noch eine weniger bekannte Variante der Sage, und ihr verdankt diese Serie ihren Titel. Der Krimi und Medical-Thriller behandelt eine Variante des Prometheus-Mythos: Der Titan hat einen Schöpfungsfehler begangen, den eine Biochemikerin korrigieren will. 

Der Titan Prometheus hat den Menschen einst gegen den Willen von Göttervater Zeus das Feuer gebracht; dafür musste er bitter büßen. In der griechischen Mythologie gibt es jedoch noch eine weniger bekannte Variante der Sage, und ihr verdankt diese Serie ihren Titel. Zunächst erzählen Martin Ambrosch (Buch) sowie Andreas und Daniel Prochaska (Regie) allerdings eine ganz andere Geschichte. Der Österreicher Georg Trotter (Tobias Moretti), ehemals Fußballprofi in England, wo er heute als chirurgische Koryphäe gilt, ist auf einer Mission, die ihm den unfreundlich gemeinten Spitznamen "Bluthund" eingebracht hat: Er träumt von einem Fußball ohne Doping. Seit einem Autounfall, bei dem vor zehn Jahren sein kleiner Sohn gestorben ist, liegt jedoch ein Schatten über seinem Leben. Gattin Diana (Angel Coulby) ist seither querschnittsgelähmt; aus der investigativen Journalistin ist eine verbitterte Zynikerin geworden.

Beider Leben ändert sich durch zwei Ereignisse: Eines Tages taucht ein früherer Mitspieler Georgs auf und behauptet, der Unfall sei kein Zufall gewesen; wenig später wird er umgebracht. Zur gleichen Zeit erhält der Arzt eine Offerte, die er kaum abschlagen kann. Ein alter Freund (Benjamin Sadler) bietet ihm einen Traumjob an: Georg soll in Bad Gastein, dem Jungbrunnen unter den österreichischen Kurorten, die ärztliche Leitung einer Sportklinik übernehmen. Sie gilt als die modernste der Welt, alle europäischen Topclubs schicken ihre verletzten Spieler hierher. Die Strippenzieher des Weltfußballs geben sich ebenfalls die Klinke in die Hand. Langsam beginnt der Chirurg zu ahnen, dass es hinter der hochmodernen Fassade nicht nur um Kreuzbandrisse, sondern auch um einen uralten Menschheitstraum geht, und davon handelt die Variante des Prometheus-Mythos: Der Titan hat einen Schöpfungsfehler begangen, den eine Biochemikerin korrigieren will. 

Diese Science-Fiction-Ebene allein böte schon Stoff genug für eine fesselnde Serie, aber das Drehbuch Ambroschs, der gemeinsam mit Prochaska senior die formidable ZDF/ORF-Serie "Spuren des Bösen" (2012-21) geschaffen hat, sorgt für doppelte Spannung, denn während Georg bereits in Bad Gastein ist, erwacht in Diana der alte journalistische Ehrgeiz. Jeremy (John Keogh), der frühere Mitspieler ihres Mannes, war vor zehn Jahren Trainer einer U18-Mannschaft, auf der anscheinend ein Fluch lastet: Einige Mitglieder sind bereits verstorben, andere sind unheilbar krank. Diana beginnt zu recherchieren, aber alle, mit denen sie Kontakt aufnimmt, werden kurz drauf ermordet; sie selbst soll ebenfalls zum Schweigen gebracht werden. 

"Prometheus" ist das österreichische Pendant zur deutsch-schweizerischen Produktion "Spiel am Abgrund", beide laufen unter der Dachmarke "Das Netz" und überschneiden sich; die Pläne des Weltfußballpräsidenten (Raymond Thiry) für eine "World League" spielen auch hier eine wesentliche Rolle. Die Serien funktionieren zwar auch unabhängig voneinander, aber es hat natürlich einen besonderen Reiz, wenn dortige Nebenfiguren hier stärker in den Vordergrund treten.

"Prometheus" nimmt allerdings einen deutlich längeren Anlauf und erreicht auch nicht die inhaltliche Dichte. Dadurch wirkt die Serie insgesamt ruhiger erzählt, weil sich Vater und Sohn Prochaska mehr Zeit für die einzelnen Szenen nehmen können. Gerade die englische Ebene hätten die Österreicher allerdings stärker straffen können. Die Ausflüge ins Privatleben der Polizistin (Amanda Abbington), die in der Mordserie ermittelt, tragen nicht viel zur Wahrheitsfindung bei; aufgrund der überwiegend einheimischen Mitwirkenden wirkt "Prometheus" in diesen Passagen ohnehin wie ein britischer Import. Zumindest gewöhnungsbedürftig ist auch Agata Buzek als Biochemikerin, dank deren Forschungen die Spieler auf wundersame Weise genesen: Sie verkörpert die Wissenschaftlerin wie einen Androiden. 

An der Gesamtqualität der fesselnden Mischung aus Krimi und Medical-Thriller ändert das nichts; die Bildgestaltung (Matthias Pötsch) ist ohnehin vorzüglich. Tobias Moretti und Benjamin Siedler bilden als Mit- und Gegenspieler ein ausgezeichnetes Team. Die prominente Besetzung einiger Nebenfiguren schürt zudem clever die Neugier, denn es ist klar, dass Peter Lohmeyer und Ina Weisse als Inhaber eines Pharmakonzerns mehr als bloß Zaungäste dieser Geschichte sind. Besonders faszinierend ist August Wittgenstein als wortkarger Killer mit traurigem Blick, dessen Weg regelrecht mit Leichen gepflastert ist, zumal völlig offen ist, in wessen Auftrag der Mann handelt. Das "Erste" zeigt heute die Folgen eins bis vier, der Rest folgt am Samstag. Die Serie steht komplett in der ARD-Mediathek.

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