"Gründe für Kirchenaustritte gibt es viele"

Margot Käßmann

© epd-bild/ Jens Schulze

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, schreibt in ihrer Kolumne in der "Bild am Sonntag" über die Gründe der sinkenden Mitgliederzahlen in den Kirchen.

Käßmann über sinkende Zahlen
"Gründe für Kirchenaustritte gibt es viele"
Die evangelische Theologin Margot Käßmann sieht viele Gründe für sinkende Mitgliederzahlen in den christlichen Kirchen in Deutschland.

Traditionsabbruch in den Familien und die Missbrauchsskandale in den Kirchen seien zwei Gründe für sinkende Mitgliederzahlen in den christlichen Kirchen, schrieb die frühere Hannoversche Landesbischöfin in ihrer wöchentlichen Kolumne in der "Bild am Sonntag". Lange Zeit hätten die Kirchen gemeint, den Menschen vorgeben zu können, wie sie zu leben haben. "Da wurde Vertrauen verspielt", so die Theologin weiter.

Schon jetzt erlebe sie bei Taufen oder Beerdigungen, dass viele die Kirchenlieder nicht mehr kennten oder das Vaterunser nicht mehr mitsprechen könnten. "Kinder wissen nichts mehr von biblischen Geschichten", schrieb die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Und doch seien die Kirchen kein Auslaufmodell. "Sie werden gebraucht, um Menschen Halt, Kraft und Trost zu geben. Die Botschaft von der Liebe Gottes wird gebraucht, um Menschen aufzurichten", so Käßmann. Im Jahr 2021 war erstmals weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung Mitglied der evangelischen oder katholischen Kirche. Beide Kirchen verzeichneten eine Rekordzahl an Kirchenaustritten.

Mehr zu EKD
Kapitänsbinde Aufschrift "One Love"
Ein mutiges Signal hätten sich Kirchenvertreter vom Deutschen Fußball-Bund in Sachen "One Love"-Binde gewünscht. Doch die EKD-Spitze mahnt zur Vorsicht: Auch Deutschland sei bis vor kurzem nicht gerade schwulenfreundlich gewesen.
Rüstungsgegner bei Friedensdemo mit Friedenstaubenballon
Wie ist die Position der evangelischen Kirche zu Krieg und Frieden und wie passt sie sich der neuen politischen Lage nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine an? Unser Ethik-Experte Dr. Alexander Maßmann nimmt Stellung.