Erste Züchtung synthetischer Maus-Embryonen

Wiener Theologe Ulrich Körtner

© Ulrich Koertner/Hans Hochstoeger

Der Ethik-Experte Ulrich Körtner reagierte auf einen neuen Durchbruch der Stammzellforschung. Er fordert eine gesellschaftliche Debatte um zu klären, wie mit den neuen Forschungsergebnissen umgegangen werden soll.

Theologe fordert ethische Debatte
Erste Züchtung synthetischer Maus-Embryonen
Mit Blick auf die erstmals gelungene Züchtung synthetischer Maus-Embryonen fordert der renommierte evangelische Theologe Ulrich Körtner eine breite gesellschaftliche Debatte. "Die Zeit drängt", sagte der Wiener Universitätsprofessor dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Es sei "zu klären, welchen ontologischen, rechtlichen und moralischen Status synthetische Embryonen im Vergleich zu herkömmlichen, aus Ei- und Samenzellen erzeugten Embryonen haben". Vor allen Detailfragen stehe die Frage im Raum, "wie wir uns selbst als Menschen verstehen und künftig verstehen wollen".

Der Ethik-Experte reagierte auf einen neuen Durchbruch der Stammzellforschung. Wie das Magazin "Nature" am Donnerstag berichtete, ist es Forschern aus Israel, Großbritannien und Kalifornien erstmals gelungen, Maus-Embryonen aus Stammzellen zu züchten, also ohne Ei- und Samenzellen. Synthetische Embryonen könnten etwa in der Arzneimittelforschung als Alternativen zu Tierversuchen eingesetzt werden, erläuterte Körtner. Weitere mögliche Anwendungsfelder seien die Herstellung von Geweben für Organtransplantationen oder die Fortpflanzungsmedizin.

"Ob die Ergebnisse der vorliegenden Studien irgendwann auch auf den Menschen übertragen werden, ist keine Frage", sagte Körtner. "Die Frage lautet lediglich, wann dies geschehen wird, in welchem Umfang und in welchem rechtlichen Rahmen." Dabei sei schon bei herkömmlichen menschlichen Embryonen strittig, ob ihnen Menschenwürde zukomme oder nicht. "Müsste, wer diese Frage bejaht, das Gleiche auch von synthetischen Embryonen sagen?"

Aber auch die Erzeugung tierischer synthetischer Embryonen werfe ethische Fragen auf. Einerseits ließe sich dadurch die Zahl der Tierversuche senken. Andererseits gebe es auch in der Tierethik kritische Positionen gegenüber der Erzeugung von Chimären oder von transgenen Tieren. Die Kontroverse habe sich erst am Beginn des Jahres neu an der Transplantation eines Schweineherzens in den USA entzündet.

Bestehende Gesetze reichten kaum aus, um die Forschung an synthetischen menschlichen Embryonen zu regulieren. Strittig sei etwa, ob das deutsche Embryonenschutzgesetz synthetische menschliche Embryonen erfasse. Neuer Klärungsbedarf bestehe auch mit Blick auf die Regelung vieler Länder, wonach an künstlich erzeugten menschlichen Embryonen nicht länger als 14 Tage geforscht werden darf. Angesichts der neuen Stammzell-Studien seien bereits Stimmen zu hören, welche die Aufhebung der 14-Tage-Grenze fordern. "Wenn an synthetischen menschlichen Embryonen länger als 14 Tage geforscht werden dürfte, weshalb dann nicht auch an herkömmlichen Embryonen?", fragte Körtner.

Mehr zu Ethik
Auf der Intensivstation blickt ein Mitarbeiter auf einen Überwachungsmonitor
Vor zwei Wochen hat der Bundestag ein neues "Triage-Gesetz" für den Fall eines medizinischen Notstands beschlossen. Es ist nun verboten, eine begonnene Behandlung abzubrechen. Eine richtige Entscheidung, findet Alexander Maßmann.
Für einige junge Menschen kommt Krieg nicht in Frage, sie verweigern den Dienst.
Kriegdienstverweigerer aus Russland, Belarus und der Ukraine sprechen über ihre Motive.