Ethikrat legt im Frühjahr Stellungnahme zu Gen-Eingriffen am Menschen vor

"Designer-Baby" in China

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Offenbar gibt es bereits technisch die Möglichkeit, einigermaßen sauber ein Gen mit der "Genschere" herauszuschneiden und so ein "Designer-Baby" zu gestalten.

Ethikrat legt im Frühjahr Stellungnahme zu Gen-Eingriffen am Menschen vor
Die Geburt des angeblich ersten genmanipulierten Babys in China hat hohe Wellen geschlagen. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Stammzellenforschung, Jürgen Heschele, fordert mehr Forschung in diesem Bereich - der Ethiker Andreas Lob-Hübepohl sieht es skeptisch.

Nach der Geburt der ersten genmanipulierten Babys in China will der Deutsche Ethikrat nach Angaben seines Mitglieds Andreas Lob-Hübepohl im Frühjahr eine öffentliche Stellungnahme vorlegen. Der Rat arbeite derzeit an einem Papier zu Eingriffen in die menschliche Keimbahn, sagte der Professor für Theologische Ethik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin am Montagabend auf einer Podiumsdiskussion in Köln. Nach Angaben der Geschäftsstelle des Ethikrats wird diese Stellungnahme frühestens im Mai vorgelegt. Im November hatte der chinesische Forscher Jiankui He behauptet, er habe mit Hilfe der sogenannten Gen-Schere das Erbgut von Embryonen so verändert, dass sie nicht an Aids erkranken könnten.

Dass "Designerbabys" bald Wirklichkeit werden könnten, verneinte Jürgen Hescheler, Direktor des Instituts für Neurophysiologie an der Universität zu Köln. "Das wird es auf absehbare Zeit nicht geben." Zwar gebe es jetzt offenbar technisch die Möglichkeit, einigermaßen sauber ein Gen mit der "Genschere" herauszuschneiden. "Aber welche Folgen hat das für die dritte, die vierte Generation? Das weiß man nicht, und das ist unverantwortlich." Es brauche erheblich mehr Forschung, wofür er aber den deutschen Wissenschaftsstandort als zu eingeschränkt ansehe. Er wünsche er sich hier eine weniger strikte Gesetzgebung, sagte der Gründer und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Stammzellenforschung.

Lob-Hübepohl dagegen stellte sich klar hinter das deutsche Embryonenschutzgesetz. Zwar räumte auch er ein, dass es keine einfachen Antworten auf die Fragen gebe, ob Krankheiten wie Mukoviszidose oder Formen der Alzheimer-Demenz nicht auch mit genetischen Therapien bekämpft werden dürften. Im Fall der beiden Babys aus China sei es dagegen so gewesen, dass die Genmanipulationen auf den Wunsch der Eltern zurückgegangen seien. "Die Eltern entscheiden aber nicht für sich. Sie akzeptieren das Risiko. Aber sie müssen die Folgen nicht tragen. Die Folgen trägt das Kind. Das hat keiner gefragt."

Einig waren sich beide darin, dass nationale und internationale Richtlinien im Umgang mit Genmanipulationen erarbeitet werden müssen. Wenn solche Richtlinien nicht zustande kämen, sei weiter mit Überraschungen wie denen aus China zu rechnen.