Boykott der Fußball-WM: Sushi, WM-Film und Tanz

Pfarrer Stephan van Resen plant Parallelprogramm zur Fußball-WM

© epd-bild/Susanne Lohse

Pfarrer Stephan van Resen plant ein Parallelprogramm zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar.

Pfarrer protestiert gegen Katar
Boykott der Fußball-WM: Sushi, WM-Film und Tanz
"Das bessere Fußballfest" mit Gottesdienst und Alternativ-Events
Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Katar ist eine "vergiftete Veranstaltung" - dieser Überzeugung sind Stephan van Rensen und Michael Stolle von der Evangelischen Matthäus-Paul-Gerhardt-Gemeinde in Karlsruhe. Sie wollen mit Alternativveranstaltungen parallel zu WM-Spielen für eine Boykott des Fußball-Großevents werben.

Der Pfarrer und das Mitglied des Ältestenkreises der Kirchengemeinde stellten am Donnerstag ihre Protestidee zum WM-Boykott vor. Unter dem Motto "Das bessere Fußballfest" sollen Fußballbegeisterte den "Fußball feiern, aber nicht die WM in Katar", heißt es in der Projektskizze. Während der WM vom 20. November bis 18. Dezember sind im Stefanienbad Karlsruhe täglich wechselnde Veranstaltungen geplant. Sie beginnen mit einem Gottesdienst unter dem Titel "Wer regiert?" zur Zeit des Eröffnungsspiels um 20 Uhr.

Für die Gruppenspiele der Deutschen haben die Initiatoren thematisch passend einen Sushi-Kurs, einen spanischen Konzertabend sowie einen Naturfilm zu Costa Rica vorgesehen. Zu den Achtel- und Viertelfinalspielen seien Tanz-Nachmittage, ein Fußballquiz sowie Adventssingen geplant. Zum Halbfinale soll der Fußballfilm "Das Wunder von Bern" laufen und ein Tischkicker-Turnier stattfinden.

Zum Finale erhoffen sich van Rensen und Stolle, die boykottwilligen Fußball-Fans mit der kompletten Aufzeichnung des WM-Finalspiels von 1974 zu begeistern. Damals hatte Deutschland gegen die Niederlande mit 2:1 gewonnen. Den Siegtreffer erzielte Gerd Müller.

Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an den Wüstenstaat Katar steht seit Jahren in der Kritik. Boykott-Aufrufe gibt es vonseiten der Kirchen und zahlreicher Gruppierungen, die sich unter dem Netzwerknamen "Nicht unsere WM!" organisieren. Sie prangern die Missachtung von Menschenrechten in Katar an und kritisieren die fehlende Nachhaltigkeit bei der Austragung der Spiele.

 

Die Spiele finden während der Adventszeit statt, weil im Sommer in Katar die Temperaturen mit bis zu 50 Grad Celsius zu hoch für Sportwettkämpfe sind. Die Stadien sollen auch im Winter klimatisiert werden. Ex-Nationalspieler Philipp Lahm hatte zuletzt seinen Verzicht angekündigt, persönlich nach Katar zu reisen.

Beim Bau der Stadien waren nach Recherchen von amnesty International mehr als 15.000 Arbeitsmigranten gestorben. Journalisten hatten herausgefunden, dass anscheinend mehrere Stimmen von FIFA-Funktionären gekauft wurden, um für Katar abzustimmen. In Katar gibt es keine Fußballtradition - auch dies ist ein Kritikpunkt.

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