EKD soll Beziehungen zur russischen Kirche stoppen

Wladimir Putin (l), Präsident von Russland und Patriarch Kyrill, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche (Archivbild).

© Sergei Chirikov/EPA/dpa

Der Moskauer Patriarch Kyrill (hinten) unterstützt den Kriegskurs des Präsidenten Wladimir Putin.

Offener Brief
EKD soll Beziehungen zur russischen Kirche stoppen
Wegen der Parteinahme für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine fordern Theologen und kirchennahe Politiker einen Stopp der Beziehungen zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der russisch-orthodoxen Kirche. Die EKD-Spitze widerspricht und will am Dialog festhalten.

Auch der Weltkirchenrat solle prüfen, wie die Mitgliedschaft der russisch-orthodoxen Kirche ausgesetzt werden könne, heißt es in einem Offenen Brief der evangelischen Theologin Ellen Ueberschär, langjährige Generalsekretärin des Evangelischen Kirchentags, und der Historikerin Katharina Kunter, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Zuerst hatte die "Welt" darüber berichtet.

Das Schreiben richtet sich an die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, und den Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen, Ioan Sauca. Die Autorinnen fordern zudem ein Moratorium für die bilateralen Beziehungen auf kirchenleitender Ebene zwischen EKD und der Moskauer Führungsspitze. Die EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber lehnt die Forderung ab.

Der Offene Brief besteht auch auf einer Aussage darüber, wie der Krieg gegen die Ukraine und das Gebaren des Moskauer Patriarchats auf der ÖRK-Vollversammlung vom 31. August bis 8. September in Karlsruhe thematisiert werden soll.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören laut "Welt" die frühere Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler (Grüne), die ehemalige Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), der DDR-Bürgerrechtler Markus Meckel (SPD) sowie Petra Bahr, Regionalbischöfin der Evangelischen Landeskirche Hannovers.

Keine Anzeichen für Veränderung

Die Autorinnen des Briefes beunruhigt insbesondere, dass Vertreter des Moskauer Patriarchats auf der Vollversammlung in Karlsruhe ihre Kriegspropaganda verbreiten könnten. Bislang ist unklar, ob eine russisch-orthodoxe Delegation an dem Treffen teilnimmt.

Das Moskauer Patriarchat legitimiere den Angriffskrieg auf die Ukraine und sichere die neo-imperialistische Vorstellung einer "russischen Welt" ideologisch ab, heißt es in dem Schreiben. "Mit ihrem Segen wird ein Angriffskrieg geführt und Menschenrechte im eigenen Land werden mit Füßen getreten."

Trotz intensiver Bemühungen seien keine Anzeichen der Änderung in den ideologischen Positionen des Moskauer Patriarchats zu erkennen, schreiben Ueberschär und Kunter. Kurschus und Sauca hätten Kyrill wegen seiner Haltung zum Krieg scharf kritisiert. "Wir unterstützen Sie darin nachdrücklich und ermutigen Sie zugleich, aus Ihrer Haltung Konsequenzen zu ziehen, hieß es.

EKD will Dialog aufrechterhalten

Die Auslandsbischöfin der EKD, Bosse-Huber, wertete die Aufforderung des Briefes als ein "Signal in die falsche Richtung". Die EKD und die Leitenden der Landeskirchen verurteilen Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine aufs Schärfste, sagte Bosse-Huber dem Evangelischen Pressedienst. Die Rechtfertigung dieses Kriegs durch Patriarch Kyrill sei eine "gotteslästerliche Ideologie". Das habe EKD-Ratsvorsitzende Kurschus mehrfach klar benannt. Mit einem Ausschluss aus dem weltweiten Ökumenischen Rat der Kirchen werde aber auch ein großer Teil der orthodoxen Christinnen und Christen ausgeschlossen.

Bosse-Huber warnte vor einer "pauschalen Wahrnehmung der russischen Orthodoxie und deren Einordnung in ein uniformes Feindbild". Sie nehme vielmehr "eine deutliche Mehrstimmigkeit" innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche war. Deshalb unterstützte die EKD die Bemühungen, Brücken des Dialogs aufrechtzuerhalten. "Sie können Wege eröffnen, die für einen Friedensprozess von großer Bedeutung sein werden", betonte Bosse-Huber. Die Berufung der Kirchen und der ökumenischen Bewegung sei es zudem, Frieden zu stiften.

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