Kirchliche "Erfolgsrezepte" bekannt machen

Labyrinth auf Kirchenboden

© Pexels / Ron lach

Es gibt keine klaren Ziele für den Zukunftsprozess, den die Landeskirche Hannovers initiiert hat und der bis Ende 2024 dauern soll. Der Theologe und Ökonom Hanns-Stephan Haas spricht über Ziele und Hoffnungen.

Kirche der Zukunft
Kirchliche "Erfolgsrezepte" bekannt machen
Die Landeskirche Hannovers hat einen Zukunftsprozess initiiert, der bis Ende 2024 dauern soll. Der Theologe und Ökonom Hanns-Stephan Haas spricht über Ziele und Hoffnungen, die mit dem Großprojekt verbunden sind.

Herr Haas, nach einer Vielzahl größerer Projekte, die der Kirche neue Zukunftswege erschließen wollten - etwa zur Zukunft des Pfarrberufs oder zu neuen kirchlichen Formaten und Orten - fragt man sich: Wozu braucht die hannoversche Landeskirche einen weiteren Zukunftsprozess?

Hanns-Stephan Haas: Weil wir diesmal noch weiterdenken und die bisherigen Projekte in den Zukunftsprozess einbinden wollen - mit dem Ziel, ein umfassenderes, konkreteres und ideenreicheres Bild unserer Kirche und ihrer Möglichkeiten zu gewinnen. Es geht schließlich um große Herausforderungen: Mitgliederschwund, Pfarrermangel, riesige und kostspielige Gebäudebestände und die Notwendigkeit, künftig stärker zu haushalten, Kräfte besser zu bündeln und Expertisen gezielter einzusetzen.

Hanns-Stephan Haas leitet das Team für den Zukunftsprozess.

Angesichts dessen ruft alles nach einem Prozess, der einerseits wirklich in jeden Winkel unserer Kirche schaut und andererseits möglichst viele Menschen aus all ihren Bereichen einbezieht. Insofern ist es nicht "ein weiterer Zukunftsprozess", sondern der Versuch einer Gesamtschau, die mehr zusammenbindet als je zuvor.

Gibt es klare Ziele für den Zukunftsprozess?

Haas: Nein, ganz bewusst nicht. Natürlich wollen wir am Ende möglichst klar sehen, wo unsere Landeskirche steht, wo sie sich, etwa durch zu schwerfällige Strukturen, ausbremst, wie sie noch sorgsamer mit ihren Ressourcen umgehen und wo sie bislang womöglich unerkannte Chancen ergreifen kann. Vorab haarklein zu definieren, was am Ende herauskommen soll, würde dem Prozess seine Offenheit nehmen, eine ehrliche Bestandsaufnahme erschweren und womöglich viele gute Ideen im Keim ersticken.

"Forschungsteams werden auf 'Expedition'gehen in außerkirchliche Lebenswelten"

Allerdings hat unsere Landessynode einige Kriterien benannt, die dem Prozess Richtung und Vision geben. Dazu gehört, dass wir nicht nur in unserer kirchlichen Blase bleiben, sondern uns von Erfahrungen aus vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen und Institutionen anregen lassen.

Wie genau soll das funktionieren?

Haas: Wir bilden sogenannte Forschungsteams. Die werden auf "Expedition" gehen, in außerkirchlichen Lebens- und Arbeitswelten hospitieren und schauen, inwieweit unsere Herausforderungen zum Beispiel mit denen von Gewerkschaften, Einrichtungen der öffentlichen Hand oder privatwirtschaftlichen Unternehmen vergleichbar sind - und vor allem: ob es für ähnliche Probleme anderswo bessere Lösungen gibt als bei uns.

Was ist für Sie ganz persönlich ein Thema, das der Zukunftsprozess anpacken sollte?

Haas: Wir haben in unserer Kirche auf allen Ebenen unglaublich engagierte und kompetente Menschen und viele großartige Projekte, die zeigen, dass wir eben nicht nur krisengebeutelt sind. Das reicht von der Arbeit in unseren diakonischen Einrichtungen bis hin zu tollen gemeindlichen und sozialräumlichen Angeboten, die ganz viele Menschen erreichen und das Gemeinwesen reicher machen. Diese geballte Expertise und Kreativität sollten wir viel intensiver miteinander teilen, damit Erfolgsmodelle weite Kreise ziehen und andere Initiativen befruchten können. Da versandet noch zu viel. Was ich mir wünsche, ist eine bessere Vernetzung aller kirchlichen Akteure - und schnelle und schlanke Wege, um gute Ideen und "Erfolgsrezepte" möglichst vielen Menschen in der Kirche zugänglich zu machen.

"Aussichtsreiche Projekte und spannende Ideen, von denen die ganze Kirche profitieren kann"

Was sind die nächsten Etappen des Zukunftsprozesses?

Haas: Bis zum Spätsommer wollen wir eine Online-Plattform starten, die für alle Beteiligten ein zentraler Anlaufpunkt sein wird und eben eine solche niedrigschwellige Möglichkeit der Vernetzung und des Austauschs von Erfahrungen und guten Ideen bietet. Zudem werden die Expeditionsteams ihre Arbeit aufnehmen. In einem weiteren Schritt sollen die Kirchenkreise, in denen ja ein Gutteil der operativen Verantwortung liegt, eng in das Projekt eingebunden werden. Konkret geht es darum, zu schauen, wo überall aussichtsreiche Projekte und spannende Ideen sind, von denen die ganze Kirche lernen kann.

Besteht bei einem so breit angelegten Projekt nicht die Gefahr, dass sehr viele Menschen sehr viel miteinander diskutieren - am Ende aber nichts Konkretes passiert?

Haas: Sie benennen ein Grundproblem: Die Kirche hat kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. In diesem Fall bin ich aber äußerst zuversichtlich, denn der Zukunftsprozess ist bereits konkretes Handeln: Allein schon, dass er uns helfen wird, alle kirchlichen Akteure enger miteinander zu vernetzen und Erfolg versprechende Ideen und Projekte besser miteinander zu teilen, ist bereits ein großer Gewinn.

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