TV-Tipp: "Wilsberg: Mundtot"

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11. Mai, Neo, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Wilsberg: Mundtot"
Vermutlich gibt es eine ganze Menge "Wilsberg"-Fans, die an den Krimis aus Münster nicht zuletzt den trockenen Humor von Steuerprüfer Ekki Talkötter schätzen.

Mit "Mundtot", einer Wiederholung aus dem Jahr 2014, kommen sie auf ihre Kosten, weil der Titelheld viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, um Zeit für die Mördersuche zu haben. Ekki (Oliver Korittke) ist dafür umso stärker betroffen: Immer wieder ist er bei der hübschen Kollegin Yvonne abgeblitzt; und jetzt liegt sie tot im Innenhof des Finanzamts. Für die Polizei ist das ein klarer Fall von Freitod, aber für Ekki steht außer Frage, dass die Kollegin einer großen Sache auf der Spur war und deshalb sterben musste.

Es ist ohnehin einiges faul im Finanzamt Münster: Wer bei den falschen Leuten allzu viel Hingabe zeigt, wird vom Chef zum Amtsarzt geschickt und unter fadenscheinigen Gründen in die Poststelle abgeschoben. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs: Offenbar stecken alle wichtigen Männer und Frauen der Stadt unter einer Decke, und allein der wackere Ekki wagt es, den Sumpf trocken zu legen. Dass Wilsberg (Leonard Lansink) ihm diesmal keine große Hilfe ist, hat gleichfalls finanzielle Gründe: Der ständig klamme Antiquar ist diesmal noch pleiter als sonst und hat 5.000 Euro Schulden bei einer Internet-Bank, deren Inkasso-Beauftragter deshalb alle seine Bücher pfändet. Daraufhin klaut Wilsberg zwar den Lieferwagen, aber das löst das Problem naturgemäß nur kurzfristig. Zu allem Überfluss entpuppt sich Alex (Ina Paule Klink) auch noch als Anwältin der Gegenseite. 

Mit der Korruption im öffentlichen Dienst greift das Drehbuch (Georg Piller, Tilmann Warnke) ein durchaus heißes Eisen auf. Martin Enlen bleibt natürlich dem kriminalkomödiantischen Vorzeichen der Reihe treu, aber mit etwas anderen Nuancen hätte die Geschichte auch einen veritablen Thrillerstoff abgegeben. Damit es dazu keinesfalls kommt, gibt es immer wieder Slapstick-Einlagen, die eigentlich gar nicht nötig wären. Außerdem sind einige Figuren klischeehaft auf die Spitze getrieben, was auch Folgen für die Darsteller hat; Udo Schenk zum Beispiel muss Ekkis Chef ähnlich eindimensional anlegen wie Dutzende anderer Bösewichter, die er im Lauf der Zeit in so vielen Reihen und Serien verkörpert hat. Immerhin ist die Gegenseite gut besetzt, wobei der Reiz dieser Rollen darin besteht, dass das Ausmaß ihrer Verstrickungen bis zum Schluss offen bleibt. Fest steht nur, dass von der Unternehmerin (Kirsten Block) über den Bankchef (Hubertus Hartmann) bis zum Leiter der Oberfinanzdirektion (Rainer Bock) alle nach der gleichen Devise handeln: Eine Hand wäscht die andere. Davon profitiert auch die Polizei: Unregelmäßigkeiten bei der Ausstattung des Sportvereins mit Fitnessgeräten werden auf dem kleinen Dienstweg bereinigt. 

Kriminalistisch lebt die 42. "Wilsberg"-Episode nicht zuletzt von der Frage, was denn die zweifelsfreie Ermordung der Finanzbeamtin (übrigens sehr schade, dass Eva-Maria Reichert so früh verschwinden muss) mit den diversen Gefälligkeiten und Bestechungen zu tun hat; aber noch mehr profitiert der Film davon, dass Oliver Korittke seinen Ekki mal von einer anderen Seite zeigen kann. Ein Duckmäuser ist der wackere Steuerprüfer ohnehin nicht, aber meist bevorzugt er ja die List, um seine Ziele zu erreichen. Diesmal jedoch zeigt er Zähne und zettelt einen offenen Widerstand an. Die schönsten Szenen des Films sind trotzdem die skurrilen Momente, wenn sich Wilberg bei der Amtsärztin (Leslie Malton) als Ekki ausgibt, was später dazu führt, dass die Dame ausgerechnet Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky) dienstunfähig schreibt. Die beiden Gespräche fallen auch optisch aus dem Rahmen, weil die Bildgestaltung (Philipp Timme) ansonsten recht unauffällig ist. Und wer hätte gedacht, dass man dank Thomas Loibls feinem Spiel mal Mitgefühl für einen Geldeintreiber empfinden würde, weil dem zunehmend verzweifelten Inkasso-Mann immer wieder die Pfändungsmasse durch die Lappen geht. 

Im Anschluss (21.45 Uhr) zeigt Neo den 43. Film, "Das Geld der Anderen": Während Wilsberg ein jugendliches Diebesduo sucht, das ihn um 10.000 Euro erleichtert hat, prüft Ekki eine Baufirma mit mutmaßlich doppelter Buchführung. Weil er dem Chef (Bernhard Stegemann) und seinem Buchhalter (Thomas Arnold) zu nah auf die Pelle rückt, fädeln die beiden ein Komplott ein und lassen es so aussehen, als habe ein anderes Unternehmen Ekki bestochen, um einen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Wilsberg hat derweil ganz andere Sorgen: Erst wird einer der beiden Räuber umgebracht, weshalb er prompt unter Mordverdacht steht, dann stolpert er in der Nachbarwohnung der Diebe über einen gewaltsam zu Tode gekommenen Rentner. 

Wie es Autor Jürgen Kehrer gelingt, die verschiedenen Handlungsstränge schließlich glaubwürdig zu einer einheitlichen Geschichte zu verknüpfen, ist durchaus beeindruckend. Die Inszenierung (Dominic Müller) ist dagegen eher unauffällig; die Spannung resultiert wie so oft bei "Wilsberg" aus jenen Szenen, in denen der antiquarische Privatdetektiv verbotenerweise irgendwo eingedrungen ist und beinahe erwischt wird. Aber es macht wie immer großen Spaß, den Schauspielern zuzuschauen, und das gilt keineswegs bloß für das Stamm. Auch die Gastdarsteller sind sehenswert, allen voran Vladimir Burlakov als jugendlicher Räuber mit der fatalen Neigung, in brenzligen Situationen in Ohnmacht zu fallen. 

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