Sächsische Synode eröffnet Frühjahrstagung

Erzbischof Dietrich Brauer

© epd-bild/Gerhard Baeuerle

Als Gast wird das Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, Erzbischof Dietrich Brauer, bei der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen erwartet.

Dreitägige Beratungen
Sächsische Synode eröffnet Frühjahrstagung
Die Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ist am Freitag zu ihrer Frühjahrstagung in Dresden zusammengekommen. Themen der Beratungen bis Sonntag sind unter anderem die weltweite Ökumene und der Angriffskrieg in der Ukraine.

Als Gast wird das Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, Erzbischof Dietrich Brauer, erwartet. Die 80 Synodalen wollen vor dem Hintergrund des Krieges über die Herausforderungen für die Kirchen sprechen.

Die Tagung begann am Freitag mit der Arbeit in den Ausschüssen. Öffentliche Beratungen sind für Samstag und Sonntag geplant. Die Synode erwartet unter anderem den Bericht des Diakonischen Werkes Sachsen und will über zwei neue Kirchengesetze beraten. Eines regelt die Wahl des Landesbischofs und des Präsidenten des Landeskirchenamtes, das andere befasst sich mit der Rücklagenbildung im landeskirchlichen Finanzplan. Themen der Beratungen bis Sonntag sind zudem die weltweite Ökumene sowie der Umgang mit sexualisierter Gewalt, wie die Synodalpräsidentin Bettina Westfeld ankündigte.

Sachsens Landesbischof Tobias Bilz sieht die Kirchen in der Verantwortung, ihre Räume für Geflüchtete zu öffnen. Viele sächsische Kirchgemeinden hätten sich sofort auf den Weg gemacht und böten Unterstützung für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine an, sagte Bilz am Freitag am Rande der Tagung der Landessynode in Dresden. In jedem der 16 Kirchenbezirke der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens gebe es konkrete Initiativen vor Ort. Dafür sei er sehr dankbar, sagte Bilz.

Neben der zentralen Frage, wo Menschen unterkommen können, gelte es auch, Möglichkeiten für den persönlichen Austausch zu entwickeln. Kirche sollte dafür Räume und Gelegenheiten bieten, sagte Bilz. 

Bedauern über Scheitern der Impfpflicht

Auch Sachsens Diakoniechef Dietrich Bauer wird einen Bericht geben. Auf einer Pressekonferenz am Freitag bedauerte er das Scheitern einer allgemeinen Impfpflicht im Bundestag. Er befürchtet, dass die Diskussion um die einrichtungsbezogene Impfpflicht wieder Fahrt aufnehmen wird. Bei dem Thema gehe es auch um die Gerechtigkeitsfrage, sagte Bauer. Es sei problematisch, wenn Pflegemitarbeitende sich impfen lassen sollen und die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtungen nicht.

"Es bringt die Einrichtungen in besondere Begründungsschwierigkeiten", sagte Bauer. Wenn die allgemeine Impfpflicht nicht kommt, stelle sich daher die Frage für die einrichtungsbezogene Impfpflicht neu. Es sei eine schwierige Situation entstanden, darüber müsse gesprochen werden. Bauer zufolge haben bisher aber nur vereinzelt Mitarbeitende deswegen die diakonischen Pflegeeinrichtungen in Sachsen verlassen.

In seinem Bericht vor der Synode will Bauer auch auf das Thema assistierter Suizid eingehen. Das allgemeine Recht auf diese Art aktiver Sterbehilfe gelte es zu respektieren, sagte der Diakoniechef. Aber wo es stattfinden soll, sei eine andere Frage. Niemand sei dazu gezwungen. In den sächsischen diakonischen Einrichtungen soll Bauer zufolge assistierter Suizid nicht praktiziert werden.

628.708 Protestant:innen in Landeskirche

Zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens gehören rund 628.000 Mitglieder. Die Synode als gesetzgebendes Organ tagt in der Regel zweimal im Jahr in Dresden. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens ist eine der 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zu ihr gehören 628.708 Protestant:innen in 338 Kirchgemeinden, Kirchgemeindebünden und Kirchspielen (Stand: 31. Dezember 2021), die von 600 Pfarrer:innen betreut werden. Die sächsische Landeskirche hat ihren Sitz in Dresden.

Geleitet wird sie vom Landesbischof als führenden Geistlichen, derzeit von Tobias Bilz. Die oberste Verwaltungsbehörde der Landeskirche ist das sächsische Landeskirchenamt. Der Kirchenleitung unter Vorsitz des Landesbischofs gehören insgesamt 18 Frauen und Männer an. Zu ihr gehören der Präsident des Landeskirchenamtes - aktuell Hans-Peter Vollbach - sowie sechs Mitglieder des Landeskirchenamtes, die Präsidentin der Landessynode - aktuell Bettina Westfeld - und weitere neun Synodale.

Das Gebiet der Landeskirche erstreckt sich nahezu über den gesamten Freistaat Sachsen. Eine Ausnahme bildet ein Teil Ostsachsens, der zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gehört.

Die sächsische Landeskirche ist in 16 Kirchenbezirke gegliedert, die jeweils von einer Superintendentin oder einem Superintendenten geleitet werden. Rund 1.600 evangelisch-lutherische Kirchen und Kapellen gibt es in Sachsen. 259 Kindergärten sowie 54 Schulen stehen in evangelischer Trägerschaft.

Die sächsische Landeskirche ist auch Mitglied der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), ein Zusammenschluss von sieben lutherischen Landeskirchen innerhalb der EKD.

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Die sächsische Landessynode

Evangelische Synoden sind die Parlamente der Landeskirchen. Sie beschließen Gesetze, verabschieden den Haushalt und wählen den Bischof oder die Bischöfin. Dabei vertreten sie die Interessen der Ortsgemeinden. Das Wort Synode (griech.: Zusammenkunft) bezeichnet ursprünglich eine Kirchenversammlung und leitet sich vom griechischen "synodos" ("gemeinsam auf dem Weg sein") her.

Zur Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens gehören 80 Mitglieder. 20 Pfarrer:innen sowie 40 Laien werden gewählt. 20 Synodale beruft die sächsische Kirchenleitung, wobei nicht mehr als die Hälfte Geistliche sein dürfen. Aktuelle Präsidentin der sächsischen Landessynode ist die Dresdner Historikerin Bettina Westfeld.

Die Landessynode ist das gesetzgebendes Organ der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Sie tagt in der Regel zweimal im Jahr in der Dresdner Dreikönigskirche - im Frühjahr und im Herbst. Traditionell steht auf der Herbsttagung der landeskirchliche Haushalt für das jeweilige Folgejahr im Fokus. Die Frühjahrsversammlung widmet sich oft einem speziellen Thema und wird deshalb auch "Themensynode" genannt.

Info: Die Tagung der sächsischen Landessynode findet bis zum 10. April in der Dresdner Dreikönigskirche statt. Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie findet sie hybrid statt. Die öffentlichen Sitzungen werden per Livestream auf dem YouTube-Kanal der Landeskirche übertragen.