Heimplätze für pflegebedürftige Flüchtlinge

Ankunft der Kriegsflüchtlinge im Willkommenszelt am Berliner Hauptbahnhof

© epd-bild/Christian Ditsch

Im Willkommenszelt der Berliner Stadtmission am Berliner Hauptbahnhof werden täglich mehrere tausend aus der Ukraine geflüchtete Menschen versorgt. Es kommen auch viele Senioren und Menschen mit Behinderung an.

Diakonie
Heimplätze für pflegebedürftige Flüchtlinge
Unter den ukrainischen Kriegsflüchtlingen ist nach Einschätzung der Diakonie-Expertin Heike Prestin ein hoher Anteil an pflegebedürftigen Menschen. Sie müssten Heimplätze erhalten und in die Versicherung aufgenommen werden.

"Es kommen ganze Gruppen von Menschen mit Behinderung und viele Senioren an", sagte die Referatsleiterin für Altenhilfe, Pflege und Hospiz der Diakonie Deutschland dem Evangelischen Pressedienst. Prestin forderte, die Unterbringung der Menschen sicherzustellen. Dazu seien auch Plätze in Alten- und Pflegeheimen nötig.

Die diakonischen Landesverbände, Träger und Einrichtungen arbeiteten aktuell daran, ausreichend Heimplätze bereitzustellen. Die Nachfrage sei während der Corona-Pandemie zwar gesunken, es gebe in der Regel aber trotzdem mehr pflegebedürftige Menschen, die einen Heimplatz suchten, als zur Verfügung stehende Plätze.

"Es wird in den Einrichtungen versucht, vieles möglich zu machen", sagte Prestin. Momentan zögen einige Einrichtungen etwa ukrainische Kriegsflüchtlinge vor, statt den nächsten Kandidaten von der Warteliste anzurufen.

Doch sie stießen auch an Grenzen, fügte die Referatsleiterin hinzu. Alten- und Pflegeheime seien gesetzlich an Personalschlüssel gebunden - die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner müsse also in einer zulässigen Relation zur Zahl der beschäftigten Pflegekräfte stehen. Auch dürften Angehörige nicht in den Heimen übernachten, was sich viele Ukrainer für den Übergang wünschten. Die Diakonie sei deshalb aktuell mit den zuständigen Bundesministerien im Gespräch und fordere, die Regeln für einen bestimmten Zeitraum zu lockern.

Die Pflege-Expertin drang außerdem darauf, die ukrainischen Flüchtlinge in die Gesundheits- und Pflegeversicherung aufzunehmen, um auch die Unterbringung der Pflegebedürftigen in den Heimen langfristig sicherzustellen. Die Bundesregierung habe hierzu positive Signale gegeben, fügte Prestin hinzu. Momentan finanziere die Diakonie die Unterbringung der Kriegsflüchtlinge in den Heimen mit Geldern der Diakonie Katastrophenhilfe, der diakonischen Landesverbände und durch Spenden.

Probleme bei der Integration der pflegebedürftigen Ukrainer in den Heimen sieht Prestin nicht. "Wir haben in fast allen Einrichtungen inzwischen einen derartigen Mix an Nationalitäten, dass mangelnde Deutschkenntnisse eher kein Problem sind", sagte sie. Viele Pflegekräfte in Deutschland stammten aus Osteuropa und sprächen Russisch.

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