Eine Million Euro für Kriegsflüchtlinge

Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN

© EKHN/Neetz

Als "unsäglich" kritisiert Kirchenpräsident Volker Jung die Äußerungen des Patriarchen Kyrill I.

Landeskirche hilft
Eine Million Euro für Kriegsflüchtlinge
Eine Million Euro will die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für Geflüchtete aus der Ukraine bereitstellen. Der Synode beschloss ein entsprechendes Hilfspaket. Kirchenpräsident Jung kritisierte die jüngsten Äußerungen des Moskauer Patriarchen Kyrill I.

Mit dem Geld werde der seit 2015 bestehende Flüchtlingsfonds aufgestockt, entschied die digital tagende Kirchensynode am 12. März. Es soll unter anderem in die Beratung und Begleitung von Geflüchteten in Kirche und Diakonie fließen. Zudem sollen kirchliche Partnerorganisationen etwa in Polen oder Tschechien und die Diakonie Katstrophenhilfe unterstützt werden.

Vor der Entscheidung hatte Bischof Jerzy Samiec aus der evangelischen polnischen Partnerkirche über die Hilfsmaßnahmen seiner Kirche berichtet. Sie holt unter anderem Geflüchtete aus den Grenzgebieten ab und hilft bei der Lieferung dringend benötigter Güter wie Lebensmittel und Medikamenten.

Trotz aller Unterstützung fühlten sich die Ukrainer von den Europäern verlassen, sagte Samiec. Sie erwarteten eine stärkere militärische Unterstützung und die Sperrung ihres Luftraums. "Wenn Putin in der Ukraine siegt, wird er auch die baltischen Länder oder Polen angreifen", warnte er.

Angebot an Länder

Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung bedankte sich bei allen, die bei der Aufnahme von Vertriebenen helfen. Kirchliche und diakonische Stellen seien in die Beratung Geflüchteter einbezogen. Zurzeit werde auch geprüft, ob sich Hilfesuchende in kirchlichen Gebäuden unterbringen ließen.

Jung bat die Landesregierungen in Hessen und Rheinland-Pfalz sowie die Landkreise und Kommunen: "Kommen Sie auf uns zu, wenn Sie Bedarf sehen und die Möglichkeit, dass wir mit kirchlichen Räumen helfen können."

Nach Worten von Jung sind angesichts des Kriegs in der Ukraine Christinnen und Christen gefordert "zu beten, zu bekennen und zu handeln". Deshalb habe er kein Verständnis für die derzeitige Haltung von Kyrill I., des Oberhauptes der russisch-orthodoxen Kirche. In seiner Predigt am vergangenen Sonntag habe er den Angriffskrieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin gerechtfertigt und dazu eine "unsägliche Argumentation benutzt, die gegen queere Menschen gerichtet ist".

Kyrill hatte davon gesprochen, dass der Angriff auf die Ukraine auch dazu diene, Russland vor Menschen zu schützen, deren sexuelle Orientierung nicht den Werten seines Glaubens entspreche. Die weltweite ökumenische Bewegung fußt nach Ansicht Jungs dagegen auf dem Gedanken, "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!"

"Es schmerzt sehr, dass Patriarch Kyrill in Moskau dies offenbar nicht so sieht", sagte Jung. "Ich möchte ihm zurufen: Bruder Kyrill, kehren Sie um. Wir warten auf Ihr Nein zu diesem Krieg!" Zugleich sei er in Gedanken bei den orthodoxen Geschwistern in Russland, die "in dieser für uns schwer vorstellbaren Situation der Diktatur" gegen Lügen und Missbrauch von christlichen Werten protestierten.

Der Präses der Kirchensynode, Ulrich Oelschläger, zeigte sich beeindruckt von dem "entschlossenen Widerstand" der Ukrainer. Besonders berührt hätten ihn das Konzert des ukrainischen philharmonischen Orchesters auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, das die Europahymne spielte, Beethovens Vertonung von Friedrich Schillers Ode an die Freude. Dies könne auch Hoffnung vermitteln, denn in dem Text heiße es auch "Dort überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen".

Mehr zu Ukraine-Russland-Krise
Wladimir Putin, Präsident von Russland
Anna* kommt aus Russland und ist Studentin. Sie hat einen engen Bezug zu Europa. Umso mehr hat sie der russische Angriff auf die Ukraine erschüttert. Auf evangelisch.de berichtet sie regelmäßig von ihren Eindrücken und Erlebnissen.
Bischof Karl-Hinrich Manzke
Landesbischof Karl-Hinrich Manzke sieht die evangelische Friedensethik durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor neuen Herausforderungen. Sie werde unterlaufen durch die "schändliche Übergriffigkeit Russlands".