Rheinland-Pfalz startet Modellversuch zum konfessionell-kooperativen Religionsunterricht

Modellversuch zum konfessionell-kooperativen Religionsunterricht

© epd-bild/Werner Krüper

Drei Schulen in Rheinland-Pfalz wollen nach den Sommerferien eine besondere Form des Religionsunterrichts erproben: Im Dialog sollen Schülerinnen und Schülern etwas über ihren eigenen Glauben und den anderer Konfessionen lernen.

Rheinland-Pfalz startet Modellversuch zum konfessionell-kooperativen Religionsunterricht
Im Dialog sollen Schülerinnen und Schülern etwas über ihren eigenen Glauben und den anderer Konfessionen lernen. Dazu wollen drei Schulen in Rheinland-Pfalz nach den Sommerferien eine besondere Form des Religionsunterrichts erproben.

Für sie ist "KoKoRU" der Weg in eine gute Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts. "Wir brauchen den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht unbedingt", sagt Thomas Niederberger, der Leiter des Amts für Religionsunterricht der pfälzischen Landeskirche in Speyer. Dieser sei "die logische Konsequenz" großer Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft, ergänzt der Religionspädagoge Michael Landgraf aus Neustadt an der Weinstraße.

Nach den Sommerferien soll ein Modellversuch in Rheinland-Pfalz mit zwei Schulen in Mainz und einer im Bistum Limburg starten. Dort soll eine weitere Form des konfessionellen Religionsunterrichts erprobt werden: Evangelische, katholische, orthodoxe und auf Wunsch auch muslimische Schülerinnen und Schüler erleben im gemeinsamen Religionsunterricht eine authentische Begegnung mit anderen Konfessionen.

Im Dialog können sie sich dabei ihrer eigenen religiösen Tradition besser bewusst werden. Unterrichtet werden die Schülerinnen und Schüler von evangelischen und katholischen Fachlehrern, die sich abwechseln. Für den "KoKoRU" können sich Schulen bewerben. Die weiterhin geltenden evangelischen und katholischen Lehrpläne müssen sich aufeinander beziehen und fließen in die Unterrichtsplanung ein.

Dieser kooperative Religionsunterricht biete in einer modernen Gesellschaft die Chance, das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zu erproben, würdigt Kirchenrat Niederberger. Bei manchen Protestanten und Katholiken gebe es aber auch Vorbehalte gegen die Kooperation der Kirchen im Religionsunterricht, sagt er.

Gerade Menschen, die ihrer eigenen Konfession besonders treu seien, hätten manchmal "Angst, dass ihnen etwas weggenommen wird", sagt Niederberger. Im Gegenteil ziele "KoKoRU" darauf ab, dass Kinder und Jugendliche den eigenen Glauben stärken könnten, indem sie andere Glaubenstraditionen kennenlernten. Zudem diene dieser Religionsunterricht der Selbstvergewisserung der Lehrerschaft - auch wenn durch Fortbildungen Mehrarbeit auf sie zukomme.

Noch gebe es in der Pfalz und Saarpfalz keine Schulen, die den "KoKoRU" anbieten, ergänzt Landgraf. Er will dafür bei den Schulen in der Region werben und ist gemeinsam mit seiner Kollegin Tatjana Blumenstein vom Bistum Speyer für die Fortbildung von Religionslehrer:innen zuständig. "KoKoRU" könne auch dem Trend entgegenwirken, dass sich der Religionsunterricht immer mehr zu einer "Ethik für alle" auflöse, ist er überzeugt. Manche Schulen erteilten diesen gerade auch in Corona-Zeiten aus organisatorischen Gründen im Klassenverband, ohne auf die rechtlichen Vorgaben zu achten.

Viele Kinder und Jugendliche, auch ohne Religionszugehörigkeit, gingen übrigens gerne in den Religionsunterricht, betont Landgraf, der auch Leiter des pfälzischen Bibelmuseums in Neustadt an der Weinstraße ist. Für die Kirche sei dieser eine wichtige Bastion in einer immer kirchenferneren Gesellschaft. "Hier ist der Trend entgegengesetzt", sagt Landgraf, "es geht nicht immer nur abwärts."

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