Wie die badische Landeskirche die Schöpfung bewahren will

Schöpfung bewahren will

© Ebba Thoresson/Unsplash

Die badische Landeskirche hat sich Ziele gesetzt, wie sie die Schöpfung bewahren will.

Wie die badische Landeskirche die Schöpfung bewahren will
Industrieländern wie Deutschland kommt beim Klimaschutz eine besondere Verantwortung zu. Sie verursachen die meisten CO2-Emissionen. Die Kirchen rufen zu mehr Klimagerechtigkeit auf – und sind dabei selbst vom Klimaschutz betroffen.
22.05.2021
Susanne Lohse
epd

Auf die Evangelische Landeskirche in Baden kommt in den nächsten Jahren eine Sanierungswelle zu. Sie erarbeite derzeit ein Klimaschutzkonzept, das der gesamten Landeskirche mit ihren Gebäuden zu Klimaneutralität verhelfen soll, teilte der Evangelische Oberkirchenrat in Karlsruhe mit. Die Inhalte des Konzepts und Umsetzungsvorschläge werden dieses Jahr Gegenstand der Diskussion mit der Synode sein.

Grundlage ist eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) und des Öko-Instituts in Freiburg. Diese hatten errechnet, dass die Landeskirche jährlich rund 53.000 Tonnen CO2 (Stand 2019) emittiert. Um bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden, müssten die Maßnahmen zur Gebäudesanierung in den kommenden zwei Jahrzehnten jährlich verdoppelt werden. Die Gesamtkosten sind - Fördergelder eingerechnet - mit rund 1,5 Milliarden Euro beziffert.

Über neue Nutzungsmöglichkeiten nachdenken

Betroffen seien rund 2.130 Gebäude, von denen zwei Drittel saniert werden müssten, sagte der Leiter des Büros für Umwelt und Energie der badischen Landeskirche, André Witthöft-Mühlmann, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei handele es sich um Sakralgebäude, Pfarrhäuser, Kindergärten, Gemeindehäuser und andere Einrichtungen wie Tagungsstätten.

Für die notwendige Wärmewende seien Investitionen vor allem bei der Heizung und der Dämmung von Gebäuden notwendig. Neben der Modernisierung von Gebäuden müsste über neue Nutzungsmöglichkeiten kirchlicher Häuser nachgedacht werden, so der Umweltbeauftragte. Ökumenische Gemeindezentren seien gewissermaßen bereits heute eine "frühe Klimaschutzmaßnahme". Aber auch eine nachhaltige Mobilität und Beschaffung müssten adressiert werden.

Steuereinnahmen fallen, Fixkosten bleiben

Das Ziel, Klimaneutralität zu schaffen, betrifft alle Landeskirchen. Die Nordkirche hat seit 2015 ein Klimaschutzgesetz. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz beschloss ihr Klimaschutzgesetz zum 1. Januar 2021. Eine Schwierigkeit auf dem Weg zur Klimaneutralität ist die Entwicklung der Zahl der Kirchenmitglieder und damit verbunden die Einnahmen über die Kirchensteuer.

In der "Projektion 2060 - Kirche im Umbruch" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) haben Wissenschaftler eine Halbierung der Kirchensteuereinnahmen bis 2060 im Vergleich zu heute errechnet. Die Fixkosten für Personal und Gebäude blieben jedoch, so Fabian Peters vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg.

Prioritäten setzen

Einschnitte werden somit unumgänglich sein. "Die Zahl der aktiven Mitarbeitenden wird bis zum Jahr 2060 erheblich sinken müssen sowie auch die Zahl der Kirchengebäude, von denen übrigens ein großer Teil unter Denkmalschutz steht. Aber nicht alle Aufwände lassen sich kontinuierlich reduzieren", schreibt Peters.

Es gehe darum, Prioritäten zu setzen, sagt André Witthöft-Mühlmann. Geld, das in den Klimaschutz fließe, fehle an anderer Stelle. Die Diskussion um Einsparungen müsse geführt werden. Ziel sei es, bis 2022 einen Fahrplan für Klimaneutralität in der evangelischen Landeskirche in Baden zu erstellen.