TV-Tipp: "Tatort: Verschwörung"

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TV-Tipp: "Tatort: Verschwörung"
Sonntag, 9. Mai, ARD, 20.15 Uhr
Weil das "Tatort"-Duo aus Wien immer wieder mal am ganz großen Rad dreht, bekommt es regelmäßig auch großen Ärger. Diesmal hat es Eisner (Harald Krassnitzer) offenbar endgültig zu weit getrieben: "Verschwörung", sein 51. Fall, beginnt mit dem Gang zum Arbeitsamt.

Mühsam schleppt sich der Oberstleutnant die Treppen hinauf. Es ist heiß, der Schweiß läuft ihm übers Gesicht, und die Aussichten auf einen angemessenen neuen Job sind in seinem Alter auch nicht gerade rosig. Wie es mit dem besten Mann vom österreichischen BKA so weit kommen konnte und warum ausgerechnet die Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt dem Fall unfreiwillig eine entscheidende Wende gibt, erzählen Ivo Schneider (Buch) und Claudia Jüptner-Jonstorff (Regie) bei ihrer "Tatort"-Premiere in einer langen Rückblende.

Eine Woche zuvor ist ein Referatsleiter aus dem Innenministerium tot in einem Steinbruch gefunden worden. Die Sache scheint klar: Willi Wagner hat beim Joggen im angrenzenden Wald einen Herzinfarkt erlitten und ist dann abgestürzt. Eisners Gespür sagt etwas anderes: Der erfahrene Ermittler glaubt nicht an eine natürliche Todesursache, und je mehr Steine ihm aus dem Ministerium in den Weg gelegt werden, desto hartnäckiger verbeißt er sich in den Fall; daran können weder eine Versetzung aufs Abstellgleis noch eine Kündigung etwas ändern.

Natürlich ist die Geschichte interessant, zumal es immer einen besonderen Reiz hat, wenn sich aufrechte TV-Kommissare nicht beirren lassen und allen Widrigkeiten trotzen. Zu einem überdurchschnittlich guten Krimi wird "Verschwörung" jedoch durch die Komplexität der Handlung. Schneider, Autor des bedrückenden ORF/MDR- Missbrauchsdramas "Die Mutprobe" (2011) sowie des ORF-Landkrimis "Kreuz des Südens" (2015), den 3sat am 18. Mai zeigt, bettet die Handlung in einen größeren Rahmen und ergänzt sie durch kleine Ereignisse am Rande.

Eigentlich wollte sich Eisner eine zwölfmonatige Auszeit nehmen, um in Den Haag beim Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung mitzuwirken. Dieser nächste Karriereabschnitt wird kurzerhand vom Innenministerium durchkreuzt: Irgendjemand hat offenbar ein gesteigertes Interesse daran, dass die Nachforschungen im Fall des toten Beamten umgehend eingestellt werden; daher die Versetzung in eine Kellerabteilung. Kollegin Fellner (Adele Neuhauser) ermittelt unverdrossen alleine weiter und muss am Ende prompt um ihr Leben fürchten.

Weil der "Tatort" aus Wien stets auch einen gewissen Schmunzelfaktor hat, gibt es einige von Jüptner-Jonstorff fidel inszenierte Nebenschauplätze, die meist auf Kosten von Fellner für Heiterkeit sorgen: Der Majorin unterlaufen allerlei Missgeschicke, in deren Verlauf sie unter anderem ein halbes Mietshaus unter Wasser setzt. Die kleinen Humoresken haben zur Folge, dass die Krimi-Ebene durch den Kontrast noch bedrohlicher wirkt.

Für die Gestaltung des Auftakts hat sich die Regisseurin beim Horrorfilm bedient: Kurz, nachdem Wagner beim Joggen Fellners Weg gekreuzt hat, scheint sich der Wald gegen ihn zu verschwören. Im Körper des Toten finden sich Spuren des Dopingmittels Ephedrin, das in allzu hoher Dosis zu Halluzinationen sowie zum Tode führen kann.

Eisner und Fellner stoßen recht bald auf einen Mann, der ein handfestes Rachemotiv hätte: Wagner und sein Nachbar Leytner (Matthias Franz Stein) waren privat und beruflich unzertrennliche Weggefährten und haben sogar ihre Häuser nebeneinander gebaut; bis Wagner den Freund eiskalt geopfert hat, als ein Immobilienskandal aufflog, an dem sie beide beteiligt waren. Leytner erweckt umgehend tiefes Unbehagen in Eisner, und das zu Recht: Der Mann ist nach wie vor bestens vernetzt und hat dank eines von ihm geleiteten sinistren Vereins, der sich "Sichere Zukunft" nennt, Verbindungen in die höchsten Kreise. Er würde den Oberstleutnant gern als Mitglied gewinnen. Der lehnt selbstredend dankend ab; das ist der Beginn seines unaufhaltsamen Abstiegs.

Originell ist auch die Idee, dass beide, Eisner wie Fellner, dank zweier Hunde auf getrennten Wegen zur Lösung finden: Er leiht sich kurzerhand den Pudel der Kollegin Schande (Christina Scherrer ist nach wie vor eine Bereicherung des Teams), um unter einem Vorwand eine bestimmte Tierarztpraxis aufsuchen zu können, sie findet mit Hilfe von Leytners Vierbeiner das entscheidende Puzzlestück. Die Freude der Majorin währt jedoch nur kurz, denn unmittelbar drauf droht Wagners Schicksal auch sie zu ereilen. Die gute Bildgestaltung (Andy Löv) und ein entspannter Jazz (Iva Zabkar) runden "Verschwörung" zu einem wieder mal mehr als nur sehenswerten Krimi aus Wien ab.

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