Grütters wirbt für "11 Gebote" der Kirchen für Netzkommunikation

Smartphone mit Social Media Apps

© Yui Mok/PA Wire/dpa

Ein Blick auf ein Smartphone mit den verschiedenen Social Media Apps, wie Facebook, Instagram, YouTube und WhatsApp. Die Kirchen wollen nun mit "11 Geboten" für mehr Anstand im Netz sorgen.

Grütters wirbt für "11 Gebote" der Kirchen für Netzkommunikation
Das Internet macht Kommunikation nicht nur leichter. Es sorgt auch für Eskalation und Polarisierung. Die Kirchen wollen nun mit "11 Geboten" für mehr Anstand im Netz sorgen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters war bei der Präsentation dabei.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat für eine demokratische Streitkultur im Netz geworben. Ein lebendiger Diskurs, "eine Streitkultur, die diesen Namen verdient", sei das Fundament einer starken Demokratie, sagte Grütters am Dienstagabend in der Katholischen Akademie in Berlin.

 

Zum Abschluss der im Livestream übertragenen Veranstaltungsreihe "#anstanddigital" und der Vorstellung von "11 Geboten" für Haltung und Respekt im Netz sagte die CDU-Politikerin, Verunglimpfungen und Beleidigungen seien in sozialen Netzwerken, Blogs und Internetforen vielfach an der Tagesordnung. Die Gebote sollten helfen zu verhindern, "dass Gereiztheit auf Gleichgültigkeit, dass Respektlosigkeit auf Resignation stößt und die Grenzen des Sagbaren sich dabei immer weiter verschieben".

Die "11 Gebote" sind das Ergebnis eines mehrmonatigen Debattenprozesses, initiiert durch den Direktor der Katholischen Akademie, Joachim Hake, und den Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen. Die Gebote lauten unter anderem "Empörungen unterscheiden", "Nicht richten", "Sachlich werden" und "Das Gegenüber im Netz respektieren". Im Rahmen der Diskussionsreihe erörterten unter anderem Journalisten, Schriftsteller, Ethik- und Social-Media-Experten sowie interessierte Bürger, wie eine Verständigung über Umgangsformen in der digitalen Debattenkultur aussehen kann.

Der Journalist und Netzaktivist Markus Beckedahl begrüßte am Dienstagabend die "11 Gebote" als einen "gelungenen Aufschlag". Er wünsche sich schon lange mehr Engagement der Kirchen im digitalen Prozess. Die Kommunikation im Netz müsse noch gelernt werden. Die Schriftstellerin Nora Bossong betonte, die "11 Gebote" handelten vom "Fundament unserer Demokratie".

Akademie-Direktor Hake sagte, es gehe es um grundlegende Anstandsgebote und -regeln für eine demokratische und digitale Kultur: "Es geht nicht um bloße Etikette, Benimmregeln oder Manieren." Die Gebote seien dabei nicht "in Stein gemeißelt", aber forderten Beachtung und Aufmerksamkeit und lebten von freiwilliger Umsetzung.

Mehr zu Hate Speech
Die evangelische Theologin Margot Käßmann sieht den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch zunehmende verbale Aggressivität belastet. "Wenn ich eine brüllend pöbelnde Menge sehe, habe ich das Gefühl: Die sind desintegriert.
Das Gesetz gegen Hass im Netz
Noch steht eine neue Regierung nicht. Das seit 1. Januar in vollem Umfang geltende Gesetz gegen Hass im Netz könnte sie bald beschäftigen. Kritik kommt aus der Opposition und jetzt auch aus der Unesco-Kommission. Brüssel macht sich eigene Gedanken.