Diakoneo-Chef kann sich assistierten Suizid vorstellen

Debatte um Sterbehilfe

© epd-bild / Werner Krüper

Kirche und Diakonie müssten auch Menschen mit Sterbewunsch begleiten und diesen nicht grundsätzlich verhindern wollen, so Diakoneo-Vorstandsvorsitzende Mathias Hartmann.

Diakoneo-Chef kann sich assistierten Suizid vorstellen
In der Debatte um Sterbehilfe springt der Diakoneo-Vorstandsvorsitzende Mathias Hartmann den Befürwortern der Möglichkeit eines assistierten Suizids bei. Dies könne aber niemals ein "Regelangebot" sein, sondern sei eine individuelle Entscheidung nach intensiver Beratung.

Der Vorstandsvorsitzende und Rektor von Diakoneo, Mathias Hartmann, hat vor einer starken Polarisierung in der Debatte um den assistierten Suizid gewarnt. Entweder man sei ganz dagegen oder ganz dafür, fasst der Chef des fünftgrößten evangelischen Sozialunternehmens in Deutschland seine Wahrnehmung der Debatte zusammen. Seiner Meinung nach sei "die Debatte aber komplexer, sie braucht sensible und ausgewogene Positionen". Kirche und Diakonie müssten auch Menschen mit Sterbewunsch begleiten und diesen nicht grundsätzlich verhindern wollen.

Selbstbestimmungsrecht achten

Hartmann sagte, er könne sich vorstellen, dass in einem Diakoneo-Seniorenheim ein assistierter Suizid zugelassen werden kann, "weil das Leben und Sterben vielfältig ist". Kirche und Diakonie müssten nach seiner Ansicht das Selbstbestimmungsrecht der Menschen in allen Lebensphasen achten. Sich einfach auf eine Maximalposition zurückzuziehen, "hilft weder den Menschen noch ist es aus meiner Sicht theologisch vertretbar". Er sei Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, Reiner Anselm und Isolde Karle deshalb dankbar für ihren vieldiskutierten Artikel in der "Frankfurter Allgemeinen". Andere hatten die Gegenposition bezogen, etwa der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm oder Wolfgang Huber, einer seiner Amtsvorgänger.

Der Diakoneo-Chef stellte aber auch klar, dass der assistierte Suizid niemals ein "Regelangebot" in einer Diakoneo-Einrichtung sein könne. Ein assistierter Suizid sei immer eine "ganz individuelle Entscheidung eines Menschen", da brauche es viel Beratung und Aufklärung - und man werde den Betroffenen andere Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen versuchen. Hartmann sagte, die Politik müsse nun zügig klare Regeln verfassen. Kirche und Diakonie würden dann genau prüfen, ob diese Regeln wirklich sämtlichen "Druck von außen" auf die Betroffenen verhindern, sagte er.

Mathias Hartmann (Archivbild).

Hartmann stellte klar, dass es einen assistierten Suizid in einer Diakoneo-Einrichtung auch nur für jene Menschen geben könne, die ihr Selbstbestimmungsrecht selbst ausüben können. Dies sei zwar grundsätzlich auch bei einer geistigen Behinderung oder psychischen Erkrankung der Fall. Hier sei aber besondere Sorgfalt vonnöten, wenn es zu einem solchen Wunsch komme.

Der Unternehmensverbund Diakoneo war Mitte 2019 aus der Fusion der Diakonien Schwäbisch Hall und Neuendettelsau hervorgegangen. Als größtes evangelisches Sozialwerk in Süddeutschland beschäftigt Diakoneo rund 10.000 Mitarbeiter.

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