Kirche gibt historisches Pfarrhaus auf

Historisches Pfarrhaus in Karlshuld

© epd-bild/Hammerl

Das unter Denkmalschutz stehende Pfarrhaus im bayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen soll nicht mehr kirchlich genutzt werden.

Kirche gibt historisches Pfarrhaus auf
Die Würfel in Karlshuld sind gefallen: Es wird keine weitere kirchliche Nutzung des unter Denkmalschutz stehenden Pfarrhauses im bayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen geben.
27.11.2020
Gabriele Ingenthron
epd

Wie Pfarrer Johannes Späth auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes erläuterte, wurde dies Ende November bei einem Treffen mit dem Landeskirchenamt definitiv ausgeschlossen: Die zuständige Abteilung in der Kirchenbehörde werde für die Sanierung des über 90 Jahre alten Gebäudes keine Finanzmittel zur Verfügung stellen. Eine "bittere Enttäuschung", resümierte Späth.

"Wir hätten das Haus gerne weiter genutzt und hatten gehofft, mit unserem Konzept das Ruder noch einmal herumreißen zu können. Das ist leider nicht gelungen, erläuterte der Pfarrer. Die Initiative "Rettet das Pfarrhaus" hatte sich für eine weitere kirchliche Nutzung des Objekts eingesetzt und 667 Unterschriften dafür gesammelt. Zusammen mit dem Kirchenvorstand legten sie ein Konzept vor, nach dem im Anschluss an eine Sanierung der Verbleib des Pfarramts im Erdgeschoss gesichert wäre. In den beiden Obergeschossen sollten Mietwohnungen entstehen, aus deren Einnahmen die Sanierungskosten zu refinanzieren wären.

Kirchenamt favorisiert Neubau

Doch genau diese Mischung, die neben der kirchlichen auch eine privatwirtschaftliche Nutzung vorsähe, sei von der Kirchenbehörde in München abgelehnt worden, weil man damit "schlechte Erfahrungen" gemacht habe. Zudem äußerte die zuständige Abteilung im Landeskirchenamt Bedenken wegen der "unwägbaren Sanierungskosten". Das alte Pfarrhaus ist eines von drei historischen Gebäuden im Donaumoos und steht auf unsicherem Grund. Es hätte unter Umständen nachfundamentiert werden müssen. Dieses Risiko wollte man nicht eingehen.

Die Initiative "Rettet das Pfarrhaus" hatte zuletzt vorgeschlagen, durch Gründung einer privaten Stiftung die Sanierung des Pfarrhauses selbst in Angriff zu nehmen. "Es ist mir unbegreiflich, dass die Landeskirche von vornherein ausschließt, das Gebäude weiter zu nutzen", sagte Manfred Müller, ehemaliger Kirchenvorsteher und Sprecher der Initiative . "Sogar dann, wenn eine Privatperson oder eine Stiftung das alte Pfarrhaus auf eigene Kosten sanieren und an die Kirche vermieten würde."

Aktuell favorisiert das Landeskirchenamt eine Neubau-Variante, die bei den Gemeindemitgliedern nicht gut ankommen dürfte: Denn der Parkplatz vor der Christuskirche müsste einem modernen Modulbau weichen, der sich so gar nicht in das historische Ensemble einfüge - von den entstehenden Parkplatzproblemen und dem fehlenden Platz für Gemeindefeste oder Konzerte mal ganz abgesehen. Und selbst wenn sich ein anderer Platz im Donaumoos finden ließe, "könnte es immer noch sein, dass der Untergrund nicht tragfähig ist", sagte Pfarrer Späth.

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