Religionsvertreter kritisieren Streichung des EU-Sonderbeauftragten

Weltreligionen kritisieren Streichung des EU-Sonderbaufrtagten für Religionsfreiheit im EU-Parlament

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Die Religionsfreiheit ist "ein europäischer Wert", daher kritisieren ranghöchste Religionsvertreter die geplante Streichung des Postens des EU-Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit.

Religionsvertreter kritisieren Streichung des EU-Sonderbeauftragten
Hochrangige Religionsvertreter haben die geplante Streichung des Postens des EU-Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit kritisiert.

Der Vorsitzende der Europäischen Rabbinerkonferenz, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, bewertete das Vorgehen der EU-Kommission als "falsches Signal" in einer Zeit, "in der Juden sowie andere religiöse Minderheiten online und offline vermehrt ins Fadenkreuz von Extremismus geraten und die freie Religionsausübung torpediert wird", sagte er der "Deutschen Welle" am Sonntag. Die Religionsfreiheit sei "ein europäischer Wert", sagte der Rabbiner. 

Der ranghöchste Katholik auf europäischer Ebene, Kardinal Jean-Claude Hollerich, verwies auf die gegenwärtige globale Entwicklung. Die Repression gegen gläubige Menschen habe "in einigen Fällen das Ausmaß von Völkermord an gefährdeten religiösen Minderheiten und Gruppen erreicht", sagte er der "Deutschen Welle". Hollerich ist Vorsitzender der EU-Bischofskommission COMECE. 

Augoustinos: "Mehr denn je notwendig"

Der höchste orthodoxe Geistliche in Deutschland, der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos, sagte, es sei "heute mehr denn je notwendig, dass wir in Brüssel diesen Beauftragten haben". Er sprach von mangelnder Sensibilität der Kommission für das Thema. Als aktuelles Beispiel für die Bedeutung des Themas verwies der Metropolit, der Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz ist, auf die Debatte um die Hagia Sophia in Istanbul. 

Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hofft auf ein Umdenken der EU-Kommission. Weil es sogar innerhalb der EU Versuche gebe, Religionsfreiheit einzuschränken, sei "es um so wichtiger, dass die Stimme eines solchen Beauftragten gerade jetzt nicht zum Erliegen kommt", sagte er.  

Die EU-Kommission hatte 2016 erstmals einen Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit berufen. Beauftragter wurde der Slowake Jan Figel. Mitte Juni war bekanntgeworden, dass die Kommission keinen weiteren "EU-Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit außerhalb der Europäischen Union" einsetzt. Zur Begründung hieß es, stattdessen sollen sich nun der Vizepräsident der Kommission, Margaritis Schinas, und der Sonderbeauftragte für Menschenrechte und Demokratie, Eamon Gilmore, auch um Religionsfreiheit außerhalb der EU kümmern. 

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