TV-Tipp: "Der Amsterdam-Krimi: Tod im Hafenbecken"

Altmodischer Fernseher vor einer Wand

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Der Amsterdam-Krimi: Tod im Hafenbecken"
4.6., ARD, 20.15 Uhr
Der Titel des im Herbst 2018 ausgestrahlten zweiten "Amsterdam-Krimis" mit Hannes Jaenicke, "Auferstanden von den Toten", würde auch als Motto für den Auftakt von Teil drei passen.

Obwohl Alex Pollack vom LKA Düsseldorf bei seinem Ausflug nach Holland einen Drogenhändler und dessen einflussreichen Boss zur Strecke gebracht hat, versetzt ihn sein Vorgesetzter in die Keller-Abteilung Gerätewartung. Dort soll er seine Zeit bis zur Rente absitzen, und vermutlich wäre der Superbulle irgendwann verkümmert, wenn ihn Bram de Groot (Fedja van Huêt) nicht um Hilfe gebeten hätte. Der Amsterdamer Kollege macht sich Vorwürfe, weil er eine Bitte nicht ernst genommen hat: Julian Scheer (Anatole Taubman) war ein prominenter investigativer Journalist aus Deutschland und in Holland einer großen Sache auf der Spur.

Er hat de Groot, den Leiter der Mordkommission, um Personenschutz gebeten, doch der hat das abgelehnt; jetzt ist Scheer tot. Der Enthüllungsreporter hatte rausgefunden, dass deutsche Konzerne mit Hilfe einer Amsterdamer Steuerkanzlei riesige Summen ins Ausland schaffen. Pollacks und De Groots Ermittlungen werden jedoch immer wieder von der Abteilung Wirtschaftskriminalität (FID) sabotiert. Als das Duo endlich einen Zugang zu Scheers raffiniert gesichertem Laptop gefunden hat, wird das Gerät prompt von Beamten des FID beschlagnahmt.

Wie schon bei den ersten beiden Filmen ist die Geschichte von "Tod im Hafenbecken" im Grunde überschaubar. Trotzdem hat der Film eine komplexe Handlung, weil sich Peter Koller, der auch die anderen Drehbücher geschrieben hat, viel Zeit für die technischen Details nimmt; allein das Knacken der komplizierten Verschlüsseldung ist buchstäblich ein Kapitel für sich. Eine wichtige Rolle spielt zudem Scheers Freundin Femke (Hannah Hoekstra), die früher für die Kanzlei gearbeitet hat und nun ebenfalls Morddrohungen bekommt. Um den Mörder zu finden, lassen sich de Groot und Pollack auf ein ebenso raffiniertes wie riskantes Doppelspiel ein.

Nach Michael Kreindl und Peter Ladkani ist Peter Stauch bereits der dritte Regisseur des "Amsterdam-Krimis". Sein Film mag kein Hochglanz-Thriller wie der Reihenauftakt "Tod in der Prinzengracht" sein, wirkt aber immer noch sehr aufwändig und ist vor allem durchgängig spannend. Stauch hat zwar auch den ausgezeichneten Abschluss der Reihe "Mord in bester Gesellschaft" gedreht ("Winters letzter Fall", 2017), aber ansonsten in den letzten Jahren viel Zeit mit der ARD-Freitagsfilmreihe "Die Inselärztin" verbracht. Die Dramen mit Felicitas Woll waren durchaus sehenswert; trotzdem ist es überraschend, dass die ARD-Tochter Degeto ihm die knallharten Krimis aus Holland anvertraut hat. Handwerklich hat "Tod im Hafenbecken" allerdings hohes Niveau. Noch besser als die Bildgestaltung (Markus Schott) mit ihrem Wechsel von unterkühlten, fast in Schwarzweiß gefilmten Rückblenden und Szenen mit behaglich warmem Licht ist die elektronische Thriller-Musik von Andreas Helmle, der auch in den ersten beiden Episoden für permanente Spannung gesorgt hat.

Qualitätsbasis aller guten Filme ist in der Regel jedoch ein gutes Drehbuch. Alte Krimihasen werden zwar nicht auf das eine oder andere Täuschungsmanöver Kollers nicht reinfallen, aber mit seinen vielen trickreichen Wendungen sorgt er nicht nur immer wieder für Überraschungen, sondern auch für ständig neue Spannungsbögen. Der Österreicher wollte keinen "'Kommissare finden eine Leiche am Strand und plaudern sich zum Täter durch'-Krimi" schreiben, wie er es im Pressematerial formuliert; davon kann in der Tat keine Rede sein. Ähnlich groß ist der Anteil von Hannes Jaenicke, und das nicht nur, weil er den Anstoß zu dieser Geschichte gegeben hat. Es mag immer noch Kritiker geben, die seine darstellerische Bandbreite für limitiert halten, aber er ist einer der letzten echten Kerle im deutschen Fernsehen und auch mit mittlerweile sechzig Jahren derart gut in Form, dass er seine Stunts immer noch selbst absolvieren kann; Pollack ist als Figur wie für ihn geschaffen.

Jaenicke beschreibt den Kommissar als Nihilisten und Zyniker, der an nichts mehr glaubt, zumal seine Geliebte (Alice Dwyer) auf und davon ist; geschickt integrierte Rückblenden erinnern an die Romanze. Deshalb kann er auch besser als sein holländischer Partner damit leben, dass die FID die Vorgänge unter den Teppich kehren will. De Groot hingegen will die Vertuschung nicht tatenlos hinnehmen; und davon handelt die Fortsetzung, "Das verschwundene Kind".

 

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