TV-Tipp: "Laim und der letzte Schuldige"

 Altmodischer Fernseher vor einer Wand

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Laim und der letzte Schuldige"
18.5., ZDF, 20.15 Uhr
Bei anderen ist es oft bloß eine Attitüde, aber Lukas Laim ist wirklich so cool, wie er sich gibt: ein reicher Schnösel, der schon mit Platinkreditkarte auf die Welt gekommen ist.

Auch im dritten gemeinsamen "Laim"-Film betten Regisseur Michael Schneider und Kameramann Andreas Zickgraf die Ermittlungen in kühle und sehr "stylishe" Bilder, die perfekt dem Auftreten des von Max Simonischek verkörperten Kommissars entsprechen. Das Drehbuch zu "Laim und der letzte Schuldige" stammt wie schon beim bereits 2012 ausgestrahlten ersten Film ("Die Tote ohne Alibi") von Christoph Darnstädt, der unter anderem auch Schöpfer der ARD-Reihe "Der Kroatien-Krimi" ist.

Ähnlich wie beim letzten Fall ("Laim und die Zeichen des Todes", 2017) – es ging um gestohlene oder für lächerliche Preise erworbene jüdische Immobilien aus der Zeit des Nationalsozialismus – ermittelt der Münchener Polizist auch diesmal in keinem gewöhnlichen Mordfall. Schon der Auftakt ist spektakulär. Star-Tenor Ammersfeld (Dieter Fischer) lässt sich nach einem Auftritt in der Bayerischen Staatsoper feiern, aber die Freude währt nicht lange: LKA-Beamtin Sandra Rutkowski (Sophie von Kessel) hat einen anonymen Hinweis bekommen, bricht die Tür zur Garderobe auf und findet im Kleiderschrank des Sängers einen nackten kleinen Jungen. Als sie den verhafteten Tenor aus der Oper führt, wird er erschossen.

Wie die Samstagskrimireihe "Herr und Frau Bulle" brauchten auch die Laim-Filme drei Anläufe, um die richtige Mischung zu finden. "Laim und die Zeichen des Todes" litt unter einer gewissen Emotionslosigkeit, die zwar perfekt der Verpackung entsprach, aber genauso distanziert inszeniert war wie die Hauptfigur. Daran konnte auch die personelle Ergänzung durch eine jüdische Kollegin nichts ändern. Die Kombination war zwar reizvoll, zumal der Playboy prompt ein Verhältnis anzettelte, aber Lavinia Wilsons Rolle war letztlich zu klein, um sich nachhaltig neben Simonischek behaupten zu können. Dennoch ist es schade, dass sie im dritten Film nicht mehr mitwirkt. Sophie von Kessel ist allerdings mehr als nur ein Ersatz, zumal Darnstädt die Figur ebenbürtiger konzipiert hat: Die gern auch mal giftige Sandra Rutkowski gibt sich zwar ähnlich unnahbar wie der Kollege von der Mordkommission, freut sich aber, als Laim sie in Schutz nimmt, weil sie trotz Suspendierung weiter ermittelt. Kein Wunder, dass sich die beiden schließlich auch ohne Worte verstehen. 

Beruflich ergänzt sich das Duo ohnehin gut: Sie ermittelt im Bereich organisierter Pädophilie und kennt die Hintergründe, er kann den großen Tieren auf Augenhöhe begegnen, weil deren Kreise auch die seinen sind. Beim gefeierten Auftritt Ammersfelds war er ebenfalls zugegen, zumal seine Tante (Marie Anne Fliegel) Mäzenin der Oper ist; natürlich macht Simonischek, der den stets in Schwarz gekleideten Helden mit der finsteren Dreitagebart-Aura eines Existenzialisten umgibt, auch im Smoking eine tadellose Figur. Als die Spur in ein Internat führt, das kulturell von der Stiftung des Tenors gefördert wird, nimmt Rutkowski amüsiert zur Kenntnis, dass Laim selbstverständlich Salem-Schüler war. Die beiden finden heraus, dass der Sänger bei seinen Gastspielen in München stets mit Knaben versorgt worden ist, aber jedes Mal, wenn sie einen weiteren Mittäter überführen könnten, ist der bereits ermordet worden. Irgendjemand ist schneller und beseitigt konsequent alle Zeugen – oder nimmt Rache. 

Es gibt also gleich eine ganze Reihe von Einschaltgründen für "Laim und der letzte Schuldige": die beiden Hauptdarsteller, Zickgrafs elegante und besondere Bildgestaltung, die präsente und prägnante Musik von Dirk Leupolz (ebenfalls zum dritten Mal dabei), die gute Geschichte und schließlich die Qualität von Drehbuch und Inszenierung. Dazu gehört auch, dass der Film nicht nur mit den Tätern, sondern auch mit Helfern, Wegguckern und Schönrednern abrechnet, dies jedoch nicht ständig vor sich herträgt. Zwischendurch wird es trotz des düsteren Themas dank einiger amüsanter Auftritte von Laims Kollegen Simhandl (Gerhard Wittmann) sogar mal heiter.

 Ähnlich reizvoll wie der Kontrast zwischen dem Ermittlerduo sind die Gegensätze zwischen Stadt und Land: Während München dank Zickgrafs Bildgestaltung gerade in den Nachtaufnahmen sehr mondän und weltstädtisch wirkt, ist das Licht in den Klosterschulszenen deutlich freundlicher. Die Ausflüge erzählen von der Freundschaft zwischen einem Hausmeister (Roeland Wiesnekker) und einem von den Mitschülern gemobbten Jungen, den der Mann unter seine Fittiche genommen hat. Mehrfach sitzen die beiden in den wenigen idyllischen Momenten des Films nachts am See und schauen dabei zu, wie sich die Sterne im Wasser spiegeln. Clever verzögern Darnstädt und Schneider die Erkenntnis, dass diese Szenen keineswegs zwangsläufig zur gleichen Zeit wie die Ermittlungen spielen müssen. Viel entscheidender ist jedoch, dass bis zum Schluss offen bleibt, ob der Hausmeister zu den Guten oder zu den Bösen gehört.

Krönender Abschluss des Films ist das spannende Finale an jenem Ort, an dem die Handlung auch begonnen hat. Die Blicke hinter die Kulissen der Staatsoper sind ohnehin interessant. Die Bühne ist ein würdiger Schauplatz für einen eindrucksvollen Monolog Laims, dem Zickgraf schließlich mit einer Aufnahme im Gegenlicht ein heroisches Denkmal setzt. Dass Schneider seinen Helden im Epilog wieder ein bisschen erdet, kann dem Kommissar und einer wünschenswerten weiteren Zusammenarbeit mit der LKA-Kollegin nur gut tun.

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