TV-Tipp: "Spuren des Bösen: Zauberberg"

Altmodischer Fernseher vor einer Wand

Foto: Getty Images/iStockphoto/vicnt

TV-Tipp: "Spuren des Bösen: Zauberberg"
7.4., 3sat, 20.15 Uhr
Der Titel ist ein wenig irreführend: Der Film knüpft nicht etwa an den gleichnamigen Bildungsroman Thomas Manns an, sondern bezieht sich auf den auch Zauberberg genannten Hirschenkogel zwischen Niederösterreich und der Steiermark. Der romantische Name steht allerdings in krassem Kontrast zu der wie stets bei "Spuren des Bösen" ausgesprochen düsteren Geschichte.

Der dritte Fall (eine Wiederholung aus dem Jahr 2013) für den von Heino Ferch stets extrem kontrolliert, mimisch fast regungslos und auch emotional äußerst sparsamen verkörperten Psychologen Richard Brock ist entsprechend freudlos, aber ähnlich sehenswert wie die beiden früheren ebenfalls von Andreas Prochaska inszenierten Episoden. Das Drehbuch stammt erneut von Martin Ambrosch.

Diesmal wird der Psychologe mit einem einstigen Patienten konfrontiert: Am Fuß des Hirschenkogels ist ein Mädchen entführt worden. Die örtliche Polizei ist überzeugt, dass Max Rieger (Cornelius Obonya) der Täter ist. Der Mann hat vor 25 Jahren einen Jungen vor einen Bus gestoßen, war lange in einer geschlossenen Klinik und ist nicht zuletzt aufgrund eines entsprechenden Gutachten Brocks vor einiger Zeit freigelassen worden. Schon seit längerem lebt er unerkannt in dem kleinen Ort, und da die Einheimischen dem Psychologen naturgemäß eine Mitschuld an der Tat geben, begegnen sie ihm mit unverhohlener Feindseligkeit. Brock jedoch ist überzeugt, dass Rieger nichts mit der Tat zu tun hat; es muss eine andere Erklärung geben.

Schon allein die Figur des Kindermörders ist faszinierend, zumal Cornelius Obonya den Mann ungewöhnlich facettenreich verkörpert: Für Rieger sind Kinder wie Dämonen, durch die er sich bedroht fühlt; er hat panische Angst vor ihnen. Nach Brocks Ansicht würde er keinesfalls ein kleines Mädchen entführen. Als sich schließlich rausstellt, dass Rieger gewissermaßen selbst einen kleinen Dämon gezeugt hat, wirft das ein völlig neues Licht auf den bis dahin gänzlich undurchsichtigen Fall.

Sehenswert ist "Zauberberg" nicht zuletzt wegen der ungemein sorgfältigen Bildgestaltung David Slamas. Die agile Kamera bleibt gerade Brock stets auf den Fersen, ohne dabei je unruhig oder gar hektisch zu wirken. Das visuelle Konzept hat einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Wirkung des Films, weil Prochaska in vielen Szenen Schnitte durch die Bewegung der Kamera ersetzt. Gleichzeitig wirkt die Optik nie bemüht kunstvoll; viele Einstellungen sind im Gegenteil betont beiläufig in Szene gesetzt. Das hat unter anderem zur Folge, dass man diverse Details selbst entdecken kann, ohne dass Prochaska mit einer Nahaufnahme extra darauf eingeht. Das gilt zum Beispiel für den Teddy an einem Unfallort, an dem vor genau einem Jahr ein Mädchen gestorben ist: Als Brock die Stelle zum zweiten Mal passiert, ist das Kuscheltier verschwunden. Psychologisch ist der Film ohnehin reizvoll, die Auflösung ist originell und der Schluss schockierend.

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