Konzentration auf das Kerngeschäft

Pfarrer sollen mehr Seelsorge betreiben.

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Pfarrer leiden nicht darunter, dass sie "zu viel" sondern weil sie "zu vieles" arbeiten. Sie sollten auch mal "Stop" sagen und sich auf das Kerngeschäft, die Seelsorge, beschränken.

Konzentration auf das Kerngeschäft
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) will ihre Pfarrer von Bürokratie entlasten
Etwa jeder achte Pfarrer auf dem Gebiet der EKM leidet unter einem Burn-out. Bischof Kramer plädiert für Veränderungen, "die Spaß machen". Sein Credo: Sich auf das Kerngeschäft Seelsorge konzentrieren.

Etwa jeder achte der über 900 Beschäftigen in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) leidet an einem Burn-out.  Das haben Greifswalder Wissenschaftler in einer Studie ermittelt. Es seien vor allem Verwaltungsaufgaben und berufsfremde Leistungen, die für übermäßigen Stress in den Pfarrhäusern sorgten, räumte EKM-Personaldezernent Michael Lehmann am Montagabend ein. Mancher Pfarrer fühle sich manchmal wie ein Hausmeister, sagte er beim traditionellen Kamingespräch der Kirchenleitung zum Jahresbeginn in Erfurt.

Sein Chef weiß um diese Sorgen. Die Pfarrer würden nicht darunter leiden, weil sie "zu viel" sondern weil sie "zu vieles" arbeiten, fasste Bischof Friedrich Kramer das Dilemma zusammen. Sein Credo lautet deshalb: Sich auf das Kerngeschäft besinnen. "Wir wollen eine besuchende, eine seelsorgende Kirche sein", forderte Kramer.

Doch wie soll das gehen, wenn ein Pfarrer an bis zu 20 Stellen predigen soll? Kramer, seit 127 Tagen im Amt, will keine Vorgaben machen, hat aber Vorschläge. Es müsse mehr Zusammenarbeit auf Ebene der Kirchenkreise geben, sagte der Bischof. Dazu bedarf es aus seiner Sicht einen Abbau von Bürokratie und Mut zu Neuem. Aber vor allem: "Veränderungen müssen Spaß machen", stellte er klar.

Ohne Ehenamtliche geht es nicht

So soll in drei Kirchenkreisen ein "Kirchmeistermodell" erprobt werden, das den Pfarrern einigen Papierkram abnimmt. Vor dem Hintergrund der langen Wege auf dem Land wolle man zudem über "multiprofessionelle Verkündigungsteams" und eine mobile Seelsorge nachdenken. "Es geht nicht nur darum, die Dinge richtig zu tun, sondern die richtigen Dinge zu tun", fasste der Bischof seine Erwartung zusammen. In erster Linie wären dann die Pfarrer wieder für Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Bestattungen da.

Ohne ehrenamtliches Engagement geht in den Gemeinden schon heute vieles nicht mehr. Umso mehr habe man sich im Landeskirchenamt über die Ergebnisse der gerade zu Ende gegangenen Gemeindekirchenratswahlen gefreut, sagte der für die Gemeinden zuständige Oberkirchenrat Christian Fuhrmann. Auf dem Gebiet der EKM hätten sich 10.881 Männer und Frauen zu Kirchenältesten wählen lassen. Sie entscheiden in den kommenden Jahren vor Ort über die Finanzen der Kirchgemeinden, ihre Bauvorhaben und die Einstellung von Mitarbeitern. Der Frauenanteil in diesen Gremien, traditionell hoch, liege nach dieser Wahl bei knapp 60 Prozent, sagte der Dezernent.

Zu den größten Sorgen der Kirchgemeinden dürften in diesem Jahr die Forstschäden zählen. Das dramatische Baumsterben betreffe auch den Kirchenwald, sagte die Präsidentin des Landeskirchenamtes, Brigitte Andrae. Konnten mit den Erträgen aus dem Holzverkauf in den vergangenen Jahren Pfarrstellen, der Erhalt kirchlicher Gebäude oder soziale Aufgaben finanziert werden, würden in den kommenden Jahren die Aufwendungen für Aufforstung und Waldpflege die Einnahmen übersteigen, prognostizierte Andrae. Hier sei die Kirche, wie die anderen Waldbesitzer im Land auch, auf die Hilfe der Politik angewiesen.

Ähnlich äußerte sich auch Bildungsdezernentin Martina Klein. Sie wies auf die Unterfinanzierung der Schulen in freier Trägerschaft in Thüringen hin. Statt der gesetzlich zugesagten Übernahme von 80 Prozent der Kosten eines Schülers an einer staatlichen Schule erreiche der tatsächliche vom Land gezahlte Wert an den jüngeren Klassenstufen der Gymnasien noch nicht einmal 50 Prozent. Klein regte für 2020 die Zahlung von zusätzlich 500 Euro pro Schüler an, das seien insgesamt 1,7 Millionen Euro.

Eine bereits zugesagte Hilfe habe das Land versagt, hieß es bedauernd aus der EKM-Kirchenleitung. So seien einer Kirchgemeinde die versprochen Lottomittel für den Guss neuer Glocken verwehrt worden. Der nötige Ersatz für Glocken mit Nazi-Symbolik, um die es im vergangenen Jahr eine breite gesellschaftliche Debatte gab, habe man dennoch in die Wege geleitet, erklärte Elke Bergt vom EKM-Baureferat.