Hydrant und Bibel suchen ihre Besitzer

Das Heimatmuseum  Kornburg  gab es seit 1958 in der alten Pfarrscheune, die diese alte Postkarte zeigt.

© Heimatmuseum Kornburg

Das Heimatmuseum Kornburg gab es seit 1958 in der alten Pfarrscheune, die diese alte Postkarte zeigt.

Hydrant und Bibel suchen ihre Besitzer
In der Nürnberger Kirchengemeinde Kornburg endet die Ära des Heimatmuseums
Wie fast alle Heimatmuseen wollte das Heimatmuseum in Kornburg zeigen, wie die Vorfahren arbeiteten, aßen, beteten und lernten. Aber nun ist sein Ende gekommen. 

Könnten die Händler der TV-Sendung "Bares für Rares" in der Pfarrscheune im Nürnberger Stadtteil Kornburg nach Schätzen suchen - ihnen würden die Augen übergehen. Alte handgeschriebene Urkunden, Ölgemälde, Puppen und alte Schulbänke, Persil-Schachteln aus den 1930er Jahren, Abendmahlskelche, aber auch historische landwirtschaftliche Geräte und Feuerwehrhelme sind hier versammelt. Das Kornburger Heimatmuseum aber ist seit langem geschlossen. 

Der Kirchenvorstand der Gemeinde, die zum Dekanat Schwabach gehört, hat nun nach mehr als 60 Jahren das Ende der Einrichtung beschlossen. Über 600.000 Euro würde ein zeitgemäßer Umbau kosten, die Elektrik ist genauso veraltet wie das Museumskonzept, sagt Gemeindepfarrer Thomas Braun. Nach vielen Gesprächen mit Fachleuten aus anderen Museen und der Museumsberatung habe man keinen anderen Ausweg mehr gesehen.  

Weil also kein Besucher mehr kommt, plaudern in der Pfarrscheune vielleicht der knallrote Hydrant und die alte Kanzel-Sanduhr über die Zeiten, in denen es sie hierher verschlagen hat. In der Epoche ab 1953, als Pfarrer Gottlieb Geiß (1902 bis 1981) in Kornburg Pfarrer war und zu Fuß über die Dörfer ging und dort die verstreuten Gemeindemitglieder besuchte. Aber Pfarrer Geiß hatte nicht nur Sinn für die Theologie, sondern auch für Sammlerstücke. 

Leidenschaft für interessante Sammlerstücke

Mit einer gespendeten alten Tracht begann er 1953 seine Sammlung, für die er in den Bauernhöfen und Häusern nach alten Dingen fragte, um sich den Traum vom "Heimatmuseum" zu verwirklichen. Ein Fleischhackstock kam so zur Sammlung, viele Trachten und Möbel. Und ein ganz kurioses Stück: die geflochtene "Abtropfbahre", mit der Leichenträger die Suizidanten transportierten, die bei Kleinschwarzenlohe von der Sorgerbrücke in den Ludwigskanal gesprungen waren. Das Heimatmuseum eröffnete er 1958. Mit seiner Versetzung in den Ruhestand 1967 wurde es zunächst wieder geschlossen, steht in einer Chronik. 

Dann aber trat das Ehepaar Traudl und Manfred Schmidt auf den Plan, die dem Nachfolger-Pfarrer die Erlaubnis abrang, das Museum wieder eröffnen zu dürfen, wie sich Traudl Schmidt noch gut erinnert. "Es war alles verdreckt", blickt Traudl Schmidt auf die anstrengende Zeit zurück, in der sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann und den Nachbarsleuten Schade begann, den Dachboden der Pfarrscheune auszubauen und die alten Stücke neu anzuordnen. 

Was soll mit den Stücken geschehen?

Ab 1975 öffneten sie das Museum immer von Frühjahr bis Herbst jeden Sonntag, später einmal im Monat. Eintritt kostete der Besuch nicht, Spenden aber nahm man gern, um die Einrichtung in Schuss zu halten. Über die Leihgaben führten sie genau Buch, erzählt die 80-jährige Traudl Schmidt. Sie hofft, dass sich im Pfarramt diese Aufzeichnungen noch finden.

Denn nun muss sich die Kirchengemeinde Gedanken machen, was mit den Dingen passiert, die sich über die Jahrzehnte angesammelt haben. Das Inventar von der Milchkanne über das Grammophon bis zur Spielzeugeisenbahn und dem Gold- und Silberhammer soll an die Leihgeber oder ihre Erben zurückgehen, wenn diese ihren Besitz nachweisen können. 

 

Das genaue Prozedere lässt die Gemeinde gerade prüfen, erläutert Pfarrer Braun. Voraussichtlich werden frühere Besitzer drei Jahre Zeit haben, ihre Ansprüche auf Leihgaben anzumelden. Was seinen alten Besitzer nicht mehr findet, könnte verkauft werden, einen schönen Abendmahlskelch wird man wieder verwenden, die Kanzelsanduhr komme eventuell auch wieder in die Kornburger St. Nikolauskirche, sagt Braun. "Viele meinen, dass sie dazu da war, die Gemeinde vor zu langen Predigten zu schützen". Es sei aber umgekehrt gewesen, sagt Braun. Der Pfarrer sollte seine Predigt nicht hudeln. Früher hat man solche Geschichten bei Besuchen im Heimatmuseum erfahren.