TV-Tipp: "Ein starkes Team: Abgetaucht" (ZDF)

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TV-Tipp: "Ein starkes Team: Abgetaucht" (ZDF)
4.1., ZDF, 20.15 Uhr
"25 Jahre und 80 Folgen - und erfolgreich wie nie zuvor": Das ZDF feiert mit der achtzigsten Episode das Jubiläum seines Krimiklassikers "Ein starkes Team", und nur Spielverderber würden anmerken, dass der Auftakt bereits im Frühjahr 1994 ausgestrahlt worden ist.

Der Sender begründet die Verspätung damit, dass die Entscheidung, aus dem Pilotfilm eine Reihe zu machen, erst 1995 gefallen sei. Völlig korrekt ist allerdings der Zusatz, denn dem Ensemble rund um Florian Martens ist ein beachtliches Phänomen geglückt: Während andere etablierte Programmmarken aufgrund des immer größeren Angebots an bewegten Bildern kontinuierlich Zuschauer einbüßen, sind die Zahlen der ZDF-Samstagskrimis ähnlich wie bei "Wilsberg" sogar gestiegen: In den letzten Jahren hatte "Ein starkes Team" im Schnitt gut sieben Millionen Zuschauer, einige Folgen gar über acht Millionen; das ist "Tatort"-Niveau.

Zum Jubiläum haben das ZDF und Produktionsfirma UFA Fiction mit Roland Suso Richter einen vielfach ausgezeichneten Regisseur engagiert, der dank großer Werke wie "Der Tunnel", "Dresden" oder "Mogadischu" für eine besondere Qualität steht. Die hat er auch mit seiner ersten Arbeit für "Ein starkes Team" bewiesen: "Nathalie" (2016) war ein klasse Krimi, mit dem die Reihe gezeigt hat, dass sie selbst nach langer Laufzeit immer noch für Überraschungen gut ist. Das Drehbuch stammte von Jürgen Pomorin alias Leo P. Ard. Das Duo arbeitet bei "Abgetaucht" erneut zusammen, und auch inhaltlich gibt es Parallelen: Damals hat der mittlerweile ausgeschiedene Kommissar Kolberg zufällig eine Jugendliebe bei einem tödlichen Raubüberfall beobachtet, und weil die alten Gefühle neu erwachten, war er prompt hin- und hergerissen.

Diesmal steckt Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) im Dilemma: Eines Tages steht ein alter Schulfreund vor der Tür und bittet um Hilfe. Der Mann ist völlig durch den Wind, und kurz drauf weiß die Polizistin auch, warum: Stefan Kopp (Fabian Busch) gilt als Hauptverdächtiger in einem Mordfall. Die Kommissarin mag das nicht glauben und bekommt prompt Ärger mit ihrem Chef (Arnfried Lerche), weil sie nicht mit dem nötigen Nachdruck nach dem mutmaßlichen Mörder fahnden lässt. Schließlich gesteht sie ihrem Partner Garber (Florian Martens) den Grund für ihre Zurückhaltung: Stefan hat sie als Kind vor dem Ertrinken gerettet. Die Konstellation ist allerdings weder so brisant noch so emotional wie bei "Nathalie"; es hatte damals durchaus seinen Grund, dass die Folge nach Kolbergs Geliebter benannt worden ist. Wachow hingegen hegt für den früheren "Blutsbruder" vor allem Dankbarkeit, Liebe ist nicht im Spiel; "Stefan" wäre als Titel ohnehin nur bedingt sexy. Kopp ist einer jener typischen Filmfiguren, die sich dauernd abstrampeln, aber nie auf einen grünen Zweig kommen. Als sich ihm endlich die Chance bietet, ein ordentliches Stück vom Kuchen abzubekommen, stellt er fest, dass er sich offenbar mit der Mafia angelegt hat.

Das klingt, als hätten Richter und Pomorin für die Jubiläumsepisode am ganz großen Rad gedreht, aber die organisierte Kriminalität mischt erst später mit und bleibt zudem ein Randaspekt. Deutlich stärker steht die Gentrifizierung im Vordergrund: Das Mordopfer, ein Anwalt, arbeitete für einen Immobilienkonzern, der in großem Stil Häuser kauft und die alten Mieter auf die Straße setzt. Kopp war bei diesem Unternehmen angestellt, ist jedoch entlassen worden: Angeblich hat der Anwalt ihn bezichtigt, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Bei seiner Flucht vor den Schergen seines aus Italien stammenden Chefs (Gabriel Raab) wird Kopp von einer alten Frau (Ursula Werner) versteckt, die sich weigert auszuziehen; kurz drauf kommt sie bei einer Gasexplosion ums Leben. Trotzdem ist Garber überzeugt, Wachows Freund habe sich die Mafia-Geschichte nur ausgedacht, um von seiner eigenen Tat abzulenken.

Natürlich ist nachvollziehbar, dass Pomorin und Richter nicht schon wieder eine Liebesgeschichte erzählen wollten. Dadurch fehlt dem Film jedoch jenes gewisse Etwas, das "Nathalie" im Rahmen der Reihe herausragen ließ. Zweifelsfrei jubiläumswürdig ist allerdings die Bildgestaltung durch Andrés Marder. Richter gehört ohnehin zu den bildstärksten Regisseuren im deutschen Fernsehen. In den letzten Jahren hat die Reihe einen eher kühlen Stil mit vielen Blautönen gepflegt. Marder sorgt dagegen gerade in den Kommissariatsszenen für ein warmes Licht. Den unvermeidlichen Reviergesprächen ist ohnehin anzusehen, dass Richter zumindest optisch die gewohnte Routine vermeiden wollte. Selbst die Kapiteltrenner mit ihrem nächtlichen Berlin-Panorama wirken wie Hochglanzfernsehen. Dass Stappenbeck diesmal deutlich mehr Make up trägt als sonst, wird ebenso wenig Zufall sein wie die zweifache Spiegelung Wachows in einem Doppelglasfenster, die sich als Sinnbild für die zwei Herzen in der Brust der Polizistin interpretieren lassen. Weder die aufwändige Bildgestaltung noch bekannte Gastdarstellerinnen wie Julia Hartmann und Julia Richter können allerdings darüber hinwegtäuschen, dass dem Film etwas mehr Spannung nicht geschadet hätte, was allerdings nicht an der sehr präsenten Musik von Chris Bremus liegt. Trotzdem stellt sich echter Nervenkitzel nicht mal zum Finale ein, als Wachow und Kopp in Lebensgefahr schweben.

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