Trauer um Brandenburgs früheren Ministerpräsidenten Stolpe

Portrait von Manfred Stolpe

Foto: epd

Manfred Stolpe

Trauer um Brandenburgs früheren Ministerpräsidenten Stolpe
Politik und Kirchen würdigen verstorbenen SPD-Politiker und Juristen
Er prägte Brandenburg nach der Wiedervereinigung wie kaum ein anderer: Nach Jahren des Kampfes gegen des Krebs ist der frühere Ministerpräsident Manfred Stolpe am Wochenende gestorben. Steinmeier, Merkel und viele andere kondolierten.

Der frühere brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) ist tot. Der einstige DDR-Kirchenjurist und evangelische Konsistorialpräsident sei in der Nacht zum Sonntag nach langer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen, teilte die Staatskanzlei am Montag in Potsdam mit. Stolpe wurde 83 Jahre alt. Vertreter aus Politik und Kirchen würdigten ihn am Montag als bedeutende Persönlichkeit.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte, Stolpe habe den Weg Ostdeutschlands in die Demokratie geprägt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, der SPD-Politiker habe "leidenschaftlich und geradlinig im Einsatz für seine Mitbürger" die Politik im wiedervereinigten Deutschland mitgestaltet. Als engagierter Christ habe er in der DDR "auch unter widrigen Umständen ein lebendiges christliches Leben" geführt.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) würdigte Stolpe als "Mittler zwischen Ost und West", der sich in zwei Systemen hohe Verdienste erwoben habe. Stolpe war von 1990 bis 2002 Ministerpräsident von Brandenburg und danach bis 2005 Bundesverkehrsminister sowie Ostbeauftragter der Bundesregierung.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte am Montag, Stolpe habe dem Land als "Vater des modernen Brandenburgs" nach 1990 "Stimme und Gesicht" und den Menschen Orientierung und Zuversicht gegeben. "Manfred Stolpe war ein großer Glücksfall für unser Land", betonte Woidke. Das märkische Innenministerium ordnete eine landesweite dreitägige Trauerbeflaggung an. Der Ostbeauftragte der SPD und Vorsitzende der Sozialdemokraten in Sachsen, Martin Dulig, sagte, das Land habe "einen herausragenden Politiker, engagierten Sozialdemokraten und einen Menschen mit Herz und Seele" verloren.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, würdigte Stolpe als Brückenbauer zwischen Ost und West. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, betonte, Stolpes Verdienste für die evangelische Kirche seien nicht hoch genug einzuschätzen. Er sei stets "ein Mann der Kirche" gewesen, sagte der Bischof: "Er hat dafür gesorgt, dass die evangelische Kirche auch in der DDR ihren eigenständigen Platz bewahren konnte." Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch bezeichnete Stolpe als "prägende Gestalt des jungen Bundeslandes Brandenburg und überzeugten Christen".

Konsistorialpräsident in Ost-Berlin

Manfred Stolpe wurde am 16. Mai 1936 im heute polnischen Stettin geboren, studierte in der DDR Jura und trat 1959 als Jurist in den Dienst der evangelischen Kirche. 1969 wurde er Leiter des Sekretariats des neu gegründeten DDR-Kirchenbundes, 1982 Konsistorialpräsident in Ost-Berlin. Im Sommer 1990 trat Manfred Stolpe in die SPD ein und wurde im gleichen Jahr Brandenburgs erster Ministerpräsident.

Kontakte zur DDR-Staatssicherheit in seiner Zeit als Kirchenjurist brachten ihm später teils massive Vorwürfe ein. Die Behauptung, Stolpe sei Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi gewesen, wurde vom Bundesverfassungsgericht verboten.

Meldungen

Top Meldung
Annette Kurschus, Präses der evangelischen Kirche in Westfalen zum Thema Singen in Gottesdiensten in Corona-Zeiten.
Wegen der Corona-Pandemie sollte in Gottesdiensten derzeit auf das Singen verzichtet werden. Dass das schmerzt, versteht die westfälische Präses Annette Kurschus nur zu gut. Denn Singen und Beten hingen eng miteinander zusammen.