Bedford-Strohm: Gefängnis ist richtiger Ort für Weihnachten

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strom.

Foto: epd

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. (Archivbild)

Bedford-Strohm: Gefängnis ist richtiger Ort für Weihnachten
Das Gefängnis ist nach den Worten des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm der richtige Ort, um Weihnachten zu feiern. Denn der an diesem Tag geborene Jesus Christus habe sich selbst mit Gefangenen solidarisiert und stehe an ihrer Seite, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an Heiligabend bei einem Weihnachtsgottesdienst im Jugendgefängnis in Neuburg a. d. Donau.

Neuburg (epd). Mehrere massive Stahltüren musste der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm vor seinem Weihnachtsgottesdienst in dem Jugendgefängnis in Neuburg an der Donau überwinden. Zusammen mit 60 jungen Männern, rund ein Drittel von ihnen Muslime, feierte der Bischof eine Andacht an Heiligabend in der Kapelle der Justizvollzugsanstalt. So ungewöhnlich wie der Anmarschweg, bei dem ein uninformierter Beamter jeden externen Gottesdienstbesucher begleitete, gestaltete sich das Krippenspiel. Denn die Gottesmutter Maria wie auch der Engel wurden von jungen Männern verkörpert. Neben den traditionellen Weihnachtsliedern wiesen zwei junge Gefangene in einem Weihnachts-Rap auf ihre Situation hin: "Wenn es gut läuft, sind wir bald draußen" - und keine Mutter sollte wegen ihrer Kinder weinen müssen.

In seiner Predigt zeigte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bisher immer an Heiligabend eine soziale Einrichtung besucht hat, sichtlich angerührt von den Darbietungen der jungen Gefangenen. Er könne sich ihre Gedanken gut vorstellen - Schuldgefühle, die Sehnsucht, bald wieder in Freiheit zu kommen, oder die Trauer, diesen Tag ohne Freunde und Angehörige begehen zu müssen. Deshalb sei ein Gefängnis genau der richtige Ort, um Weihnachten zu feiern. Denn der an diesem Tag geborene Jesus Christus selbst habe sich mit Gefangenen solidarisiert und stehe an ihrer Seite.

Die Weihnachtsgeschichte, die um die ganze Welt gelaufen sei, sei nicht von Prominenten oder Fernsehmoderatoren verbreitet worden, sondern von armen Hirten, die wie die Gefangenen ausgestoßen gewesen seien und außerhalb der Gesellschaft gelebt hätten. Durch die Weihnachtsgeschichte habe Gott mit seiner "bedingungslosen Liebe" eine Zukunft für alle Menschen eröffnet - egal welche Fehler sie haben. 

Zum Abschluss des Gottesdienstes überreichte Bedford-Strohm jedem Gefangenen ein kleines Holzkreuz. Diese Kreuz sollten sie in die Hand nehmen, wenn es ihnen in der Haft schlechtgehe, um inneren Frieden zu finden und die von Gott gegebene Zukunft und Perspektive für jedes Leben zu spüren. Auf einer von ihm signierten Karte gab der Bischof den jungen Gefangene als Wunsch "Viel Weihnachtskraft für 2020! auf den Weg ins neue Jahr mit.

In der Justizvollzugsanstalt sind 156 junge Männer inhaftiert. Im Vordergrund stehe die Resozialisierung, wie Ernst Meier-Lämmermann, der Leiter der Haftanstalt, erläuterte. Deshalb erhielten die meisten der jungen Gefangenen eine handwerkliche Ausbildung oder würden in einer Schule mit sieben Klassenzimmer unterricht. Für Schule und Ausbildung arbeiteten in der Justizvollzugsanstalt auch 18 Handwerksmeister und fünf Lehrkräfte. Innerhalb der Haftanstalt leben die Jugendlichen in Wohngruppen.

 

Meldungen

Top Meldung
Annette Kurschus, Präses der evangelischen Kirche in Westfalen zum Thema Singen in Gottesdiensten in Corona-Zeiten.
Wegen der Corona-Pandemie sollte in Gottesdiensten derzeit auf das Singen verzichtet werden. Dass das schmerzt, versteht die westfälische Präses Annette Kurschus nur zu gut. Denn Singen und Beten hingen eng miteinander zusammen.