"Das schlimmste Weihnachten, das wir je hatten"

Das Land im südlichen Afrika steht seit Jahren am Rande des Kollapses seiner Infrastruktur.

© Tsvangirayi Mukwazhi/AP/dpa

Der Hauptstadt Harare des afrikanischen Krisenstaats Simbabwe geht das Trinkwasser aus. Diese Wassereimer stehen aufgereiht in der Nähe eines Bohrlochs.

"Das schlimmste Weihnachten, das wir je hatten"
In Simbabwe droht eine Hungersnot
In Simbabwe wissen viele Menschen nicht, wie sie über die Feiertage kommen sollen. Strom ist rationiert, Bargeld knapp, und die Preise für Sprit und Lebensmittel sind explodiert. 

In vielen Familien in Simbabwe ist an ein Festessen zu Weihnachten nicht zu denken. Der Regierung und den Vereinten Nationen fehlt das Geld, um die Ernährung für alle Bürger zu sichern. "Wir reden von Millionen Menschen, die vom Hunger betroffen sein werden, wenn wir jetzt nichts tun", sagt Ashley Baxstrom vom Welternährungsprogramm (WFP) in der Hauptstadt Harare dem Evangelischen Pressedienst (epd). Von den benötigten 293 Millionen US-Dollar (263 Millionen Euro) habe die Staatengemeinschaft erst gut ein Drittel zugesagt. 

Im Januar drohe in vielen Gebieten eine Hungerkrise und ab Februar der Notstand, wenn es nicht gelinge, jetzt Lebensmittel ins Land zu schaffen. Die nächste Ernte wird erst im April erwartet. 7,7 Millionen der 14,4 Millionen Simbabwer sind nach WFP-Schätzung infolge von Trockenheit und Armut bedroht, vor allem in ländlichen Regionen. Dem Land fehlen Devisen, um Saatgut oder Dünger zu importieren. In vielen Distrikten breite sich die Armut aus, sagt Baxstrom. Viele Menschen hätten nicht mehr genug zu Essen. 

Die neuen, im November eingeführten Simbabwe-Dollars sind noch kaum verfügbar. Vor Bankschaltern bilden sich Warteschlangen. Wer kann, lebt vom US-Dollar. "Viele hungern jetzt schon", sagt ein Designer in Harare am Telefon, der seinen Namen aus Angst vor Repressionen nicht genannt haben möchte. Er erwartet "das schlimmste Weihnachten, das wir je hatten". 

Kein Mehl für Kuchen

Auch eine 68-jährige Rentnerin findet: "So schlecht war die Lage noch nie." Ihr Weihnachten werde sehr ärmlich ausfallen, denn sie könne sich kein Mehl für Kuchen leisten: "Brot ist heute 19 Mal teurer als im Januar. Aber Renten und Gehälter sind nicht gestiegen." 

Die Preise sind um bis zu 300 Prozent explodiert, die Regierung hat aufgehört, Inflationsraten zu veröffentlichen. Hinzu kommen Stromsperren. Der Designer sagt, er habe in Harare nur nachts zwischen 22 und 5 Uhr morgens Strom. Wer keinen Generator besitze, könne bei Tag keine Geräte oder Maschinen laufen lassen. Produktion und Umsätze seien eingebrochen. 

Aber auch der Sprit - für Generatoren und Fahrzeuge - ist knapp. Vor Tankstellen stauen sich die Autos oft mehrere Hundert Meter lang. Empörte Simbabwer posten davon Fotos in den sozialen Medien. Wer US-Dollars hat, kann auf dem Schwarzmarkt Benzin kaufen, doch das ist illegal. Das Leitungswasser wurde vielerorts in Harare abgestellt, und auf die Müllabfuhr ist kein Verlass mehr. 

Unterstützer des ehemaligen simbabwischen Präsidenten Mugabe stellen sein Porträt neben das des simbabwischen Präsidenten Mnangagwa.

Präsident Emmerson Mnangagwa (77) verspricht seit Monaten Besserung. Er regiert seit Ende 2017, nachdem das Militär den autoritären Langzeitherrscher Robert Mugabe nach 37 Jahren im Amt gestürzt hatte. Bei der Wahl 2018 wurde Mnangagwa mit knapper Mehrheit im Amt bestätigt. Der Wechsel an der Staatsspitze weckte viele Hoffnungen in der einstigen Kornkammer im südlichen Afrika. 

Doch das neue Regime erwies sich Menschenrechtlern zufolge als so brutal wie das alte, lies Demonstranten niederknüppeln, zu Hunderten festnehmen und das Internet sperren. Mindestens 17 Menschen wurden bei Massenprotesten getötet. Ausländische Journalisten bekommen kaum Visa. Und wenn Simbabwer mit ihnen sprechen, müssen sie Repressionen befürchten. 

Die Wirtschaftsleistung ist laut Internationalem Währungsfonds 2019 um fast acht Prozent geschrumpft. Wirksame Reformen sind nicht in Sicht. 

Besonders prekär ist die Lage auch im Gesundheitswesen. Die Ärzte der staatlichen Krankenhäuser befinden sich seit Monaten im Streik. Mit Gehältern von umgerechnet rund 100 US-Dollar (90 Euro) im Monat könnten sie ihre Familien nicht ernähren, kritisieren Ärztevertreter. Außerdem sei die Ausstattung in den Klinken so miserabel, dass sie den Patienten oft nur unzureichend helfen könnten. Wichtige Kliniken sind geschlossen oder nur zu einem Drittel belegt. Andere arbeiten nur im Notbetrieb.