Kirchensteuern: Die fetten Jahre beginnen, vorbei zu sein

Ein Fünf-Euro-Schein in einer Spendenbox

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Rein oder raus mit dem Geld? Die Prognosen sagen: Es geht raus aus der Kirche.

Kirchensteuern: Die fetten Jahre beginnen, vorbei zu sein
Die EKD richtet sich auf sinkende Kirchensteuern ein. 30 Prozent weniger bis 2030 könnten es sein. Wie sie damit umgeht, versucht die EKD-Synode jetzt schon zu klären.

Geld einsparen. Wer diese Worte äußert, wird direkt erfahren, wie sehr alle Menschen in der Kirche schon jetzt am Anschlag des Möglichen arbeiten und wie unverzichtbar ihre Arbeit ist. Kürzen? Unmöglich! Jedenfalls aus Sicht derjenigen, die man bittet, sich selbst verzichtbar zu machen. Und meistens haben sie ja Recht damit. Trotzdem will sich die evangelische Kirche dieser Aufgabe stellen, denn sie schrumpft, Stichwort Freiburger Studie. Die Kirchensteuern werden also sinken, und darauf muss man sich eben vorbereiten.

Das macht für die EKD der "Begleitende Ausschuss", genauer: der "Begleitende Ausschuss ‚Prozess zur Neuorientierung der Finanzstrategie der EKD'", den der Rat der EKD im März 2018 eingesetzt hat. Von der Synode wünschte sich dieser Ausschuss jetzt die Bekräftigung, ans Eingemachte gehen zu dürfen: "Die fetten Jahre beginnen, vorbei zu sein", sagte Andreas Barner bei seinem Bericht über die Ausschussarbeit.

Vier Fragen sieht der Beschlussvorschlag vor, mit denen sich der "Begleitende Ausschuss" befassen soll: Wie können EKD und Landeskirchen bis 2030 inflationsbereinigte 30 Prozent ihrer Ausgaben einsparen? Welche Aufgaben müssen Landeskirchen, was muss die EKD übernehmen? Wie erzählt die Kirche Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche besser vom Glauben und wofür sie eigentlich da ist? Und wie können EKD und Landeskirchen viel besser zusammenarbeiten, um Kirchenmitglieder zu halten und neue zu gewinnen?

Auch mit weniger Geld dem Zeugnis des Evangeliums dienen

In der Sprache der Synodenbeschlüsse klingt diese Aufgabe dann so: "Konkretisierungen für die Neuausrichtung der Finanzstrategie mit Vorschlägen für Einsparungen und Prioritätensetzungen in der Haushalts- und mittelfristigen Finanzplanung für die Arbeit der EKD". Erste Vorschläge soll der Begleitende Ausschuss bis zur Synode 2020 vorlegen.

Da sollen die Synodalen dann erste Weichen stellen, wie das Kirchenbudget in den nächsten elf Jahren erfolgreich schrumpfen kann. Der Begleitende Ausschuss will dabei vor allem den Maßstab anlegen, ob und wie Arbeitsfelder "dem Zeugnis des Evangeliums in Wort und Tat, der Stärkung des Glaubens und der Intensivierung der Mitgliederbindung dienen", insbesondere bei jungen Menschen. Gleichzeitig müsse die EKD mit den Landeskirchen ein gemeinsames Verständnis für ihre Aufgaben entwickeln, denn das gibt es derzeit nicht, wie der Begleitende Ausschuss feststellte.

Außerdem müsse gleichzeitig geklärt werden, welche inhaltlichen Leitlinien den Einsparungen zugrunde liegen sollen. Dafür gibt es die parallele Arbeit des "Z-Teams" der EKD-Synode, das solche Leitlinien finden soll. Der Prozess dazu heißt "Kirche auf gutem Grund", beides gehe "Hand in Hand", sagte Andreas Barner.

Gemeinsame Strategie von EKD und Landeskirchen nötig

Eines hält der Begleitende Ausschuss allerdings für unerlässlich: ein Pilotprojekt "zur Entwicklung einer gemeinsamen Strategie für die Kommunikation von EKD und Landeskirchen", "insbesondere in Hinblick auf attraktive Formen und überzeugende Inhalte" für die Vermittlung von Glaubensthemen. Das kostet aber bei allem Sparen auch wieder Geld, was nur zur Verfügung stehen kann, wenn sich die Kirche auf "ein überzeugendes Sparergebnis" einigt.

In der Vorlage für den parallelen Prozess "Kirche auf gutem Grund" steht der Absatz: "Eine Welt ohne Glauben an Gott, ohne Bekenntnis zu Jesus Christus und ohne Zuversicht im Vertrauen auf den Heiligen Geist wäre trauriger, ängstlicher und einsamer, gnadenloser, hoffnungsloser und orientierungsloser."

Wenn die EKD-Synode am Mittwoch den Vorschlag des Begleitenden Ausschusses beschließt, stehen Andreas Barner und die weiteren Mitglieder vor der Aufgabe, dass auch eine Kirche mit weniger Geld nicht trauriger, ängstlicher und orientierungsloser wird. Der Weg dahin hat gerade erst angefangen.

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