Experte: Kirchlichen Widerstand gegen Hitler gab es nicht

Büste Dietrich Bonhoeffer

© epd-bild/Wolfgang Noack

Büste des evangelischen Pfarrers und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) in der Kapelle der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

Experte: Kirchlichen Widerstand gegen Hitler gab es nicht
Für die evangelische Kirche ist Dietrich Bonhoeffer die zentrale Erinnerungsfigur für den christlichen Widerstand gegen die Diktatur. Der Pfarrer der Bekennenden Kirche wurde im April 1945 wegen seiner politischen Widerstandsaktivitäten ermordet. Die Erinnerung an ihn verdeutlicht aber auch das Feigenblatt der Kirche im Nationalsozialismus. Denn einen organisierten kirchlichen Widerstand gab es nicht, sagt der Politikwissenschaftler und Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Johannes Tuchel.

Herr Tuchel, gab es einen kirchlichen Widerstand im Dritten Reich?

Johannes Tuchel: Einen organisierten Widerstand der christlichen Kirchen in Deutschland in den Jahren zwischen 1933 und 1945 hat es nicht gegeben. Was es gegeben hat, ist der Widerstand von einzelnen Christen gegen die Hitler-Diktatur. Und diese Einzelnen wurden zumeist von ihren Amtskirchen stark im Stich gelassen. Daher spreche ich vom Widerstand von Christen und nicht von kirchlichem Widerstand oder kirchlicher Opposition.

Was ist mit der Bekennenden Kirche, die sich 1934 auf der Bekenntnissynode in Wuppertal-Barmen gründete und der auch Dietrich Bonhoeffer angehörte?

Tuchel: Die Definition der Bekennenden Kirche als Widerstandsorganisation ist eine Konstruktion aus der Nachkriegszeit. Die Bekennende Kirche war als Gruppe innerhalb der Kirche auch relativ klein, so dass ich nicht von einer Widerstandsgruppe sprechen würde, sondern bestenfalls von einem losen Netzwerk.

Bildergalerie

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)

Dietrich Bonhoeffer Kindheit

Foto: bpk / Staatsbibliothek zu Berlin

Dietrich Bonhoeffer Kindheit

Foto: bpk / Staatsbibliothek zu Berlin

Das Familienleben bei den Bonhoeffers (ab 1912 in Berlin) war zugleich streng und frei: Paula und Karl Bonhoeffer (rechts) erzogen ihre Kinder zu verantwortlichen Menschen, die lernen mussten, Rücksicht auf andere zu nehmen. Zugleich genossen die Geschwister Karl-Friedrich, Walter, Klaus, Ursula, Christine, Dietrich, Sabine und Susanne viel Bewegungsfreiheit und Entfaltungsmöglichkeiten.
Das Foto zeigt die Familie vor ihrem Ferienhaus im schlesischen Wölfelsgrund im Sommer 1911 mit ihrer Erzieherin Maria Horn (Mitte). Dietrich ist der Hellblonde, 4. von rechts, hinter seiner Zwillingsschwester Sabine.

Dietrich Bonhoeffer - Union Theological Seminary New York, 1930/31

Foto: Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh

In seiner Ausbildung war Dietrich Bonhoeffer äußerst fleißig und zielstrebig: Ab 1923 studierte er evangelische Theologie in Tübingen, Rom und Berlin. 1927 promovierte er mit der Arbeit "Sanctorum Communio" und absolvierte anschließend 1928 ein Vikariat in der deutschen Gemeinde in Barcelona. 1930 folgten die Habilitation mit dem Titel "Akt und Sein" sowie das 2. theologische Examen. Anschließend ging er für ein Studienjahr ans Union Theological Seminary in New York (Foto), wo er Kontakte zu den internationalen ökumenischen Bünden knüpfte, den kirchlichen Pazifismus kennenlernte und selbst politischer wurde. Bonhoeffers Traum von einer Reise nach Indien, wo er Mahatma Gandhi treffen wollte, ging nicht in Erfüllung.

Dietrich Bonhoeffer mit Konfirmanden

Foto: Walter Sanders/The LIFE Picture Collection/Getty Images

Als Fünfundzwanzigjähriger nahm Dietrich Bonhoeffer 1931 seine Arbeit als Privatdozent auf. In demselben Jahr wurde er zum Pfarrer der Berlin-Brandenburgischen Kirche ordiniert, die ihm mehrere Aufgaben übertrug - unter anderem, "eine verwilderte Konfirmandenklasse im proletarischen Berliner Wedding zu Konfirmation zu führen" (Eberhard Bethge: Dietrich Bonhoeffer, Reinbek bei Hamburg 2007, S. 47). Bonhoeffer erzählte den Jungen biblische Geschichten, lehrte sie Englisch und Schachspielen und machte mit ihnen Wochenendausflüge (Foto: im Harz, 1932). Die Konfirmandenarbeit weckte in dem jungen Pfarrer das Interesse an Gemeinde- und besonders Jugendarbeit.

Dietrich Bonhoeffer in London

Foto: bpk / Staatsbibliothek zu Berlin

Aus Protest gegen den Arierparagraphen lehnte Dietrich Bonhoeffer 1933 eine ihm angebotene Pfarrstelle im Osten Berlins ab. Er gründete mit Martin Niemöller und anderen den Pfarrernotbund, Vorläufer der Bekennenden Kirche, um Amtsbrüder jüdischer Herkunft zu schützen.
Im Juli 1933 gewannen die Deutschen Christen die Kirchenwahlen, was - neben anderen Misserfolgen der Bekennenden Kirche - Bonhoeffer zum Rückzug bewog.
Er nahm im Oktober eine Stelle in London an, um dort in zwei kleinen deutschen Gemeinden in Sydenham (Foto) und im East End "einfach Pfarrarbeit zu tun, so anspruchslos wir möglich" (Bethge, S. 60). Doch als Ausweichversuch misslang der London-Aufenthalt gründlich, denn Bonhoeffer war ständig mit den Ereignissen in Deutschland befasst. Von seinem Kollegen Karl Barth wurde er heftig kritisiert mit den Worten: "das Haus Ihrer Kirche brennt" und er müsse auf seinen "Posten zurückkehren" (zitiert nach Bethge, S. 61), was Bonhoeffer nach anderthalb Jahren in London 1935 auch tat.

Dietrich Bonhoeffer Friedensrede auf Fanö

Foto: epd-bild / Gütersloher Verlagsh/Gütersloher Verlagshaus

An der berühmten Bekenntnissynode von Barmen im Mai 1934 nahm Dietrich Bonhoeffer nicht teil, weil er zu der Zeit Pfarrer in London war. Umso mehr bemühte er sich anschließend, als Jugendsekretär des ökumenischen Weltbunds für die Freundschaftsarbeit der Kirchen (WFK) bei den Geschwisterkirchen im Ausland um Unterstützung für die Bekennende Kirche zu werben.
Im August 1934 wurde er bei der ökumenischen Jugendkonferenz auf der dänischen Insel Fanö in den Ökumenischen Rat berufen und hielt eine viel beachtete Friedensrede. Das Foto zeigt Bonhoeffer (2.v.re.) mit Inge Karding, Lotte Kühn, Otto Dudzus und einem unbekannten Schweden (v.li.) auf Fanö.

Dietrich Bonhoeffer mit Vikaren in Groß-Schlönwitz

Foto: bpk / Rotraut Forberg

Im Jahr 1935 begann Dietrich Bonhoeffer, im Predigerseminar der Bekennenden Kirche Vikare auszubilden, zunächst auf dem Zingsthof an der Ostsee, ab Juni in Finkenwalde bei Stettin. Im Dezember wurde das Seminar für illegal erklärt, doch erst zwei Jahre später erschien die Gestapo und schloss das Haus.
Danach führte Bonhoeffer die Ausbildung bis 1940 heimlich im so genannten Sammelvikariat (bei Pfarrern "eingesammelte" Bekenntnis-Vikare) in Hinterpommern weiter und etablierte dabei unter den jungen Männern eine besondere Form der geistlichen Gemeinschaft mit täglicher stiller Meditation.
Auf dem Foto: eine Gesprächsrunde in der Ausbildungsstätte in Groß-Schlönwitz in Hinterpommern, 3.v.l. Dietrich Bonhoeffer, 4.v.l. sein Vikar und späterer Biograph Eberhard Bethge.

Kurierausweis von Dietrich Bonhoeffer

Foto: bpk / Staatsbibliothek zu Berlin

Als die politische Lage in Deutschland immer bedrohlicher wurde, geriet Dietrich Bonhoeffer in einen Gewissenskonflikt. Konnte er sich als Theologe und Christ zurückziehen oder musste er aktiv dabei helfen, Hitler zu beseitigen? Durch seinen Schwager Hans von Dohnanyi wurde Bonhoeffer ab 1938 zum Mitwisser von Umsturzplänen. Er nahm das Angebot an, offiziell für die Abwehr, den militärischen Geheimdienst der Wehrmacht, tätig zu werden. In Wirklichkeit gab Bonhoeffer bei seinen Reisen Informationen des Widerstands an Unterstützer im Ausland weiter. Das Foto zeigt seinen Kurierausweis vom Auswärtigen Amt.

Dietrich Bonhoeffer mit Eltern in der Marienburger Allee 43

Foto: bpk / Staatsbibliothek zu Berlin

Wenn er in Berlin war, hielt sich Dietrich oft bei seinen Eltern Karl und Paula Bonhoeffer in deren Haus in der Marienburger Allee 43 auf, wo er ein Arbeitszimmer hatte; seine Schwester Ursula wohnte nebenan. Am 5. April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer hier verhaftet.
Das Elternhaus beherbergt heute eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte mit ständiger Ausstellung (www.bonhoeffer-haus-berlin.de).

Maria von Wedemeyer, Verlobte von Dietrich Bonhoeffer

Foto: epd-bild / Gütersloher Verlagsh/Gütersloher Verlagshaus

Im Januar 1943 hatte sich Dietrich Bonhoeffer mit Maria von Wedemeyer verlobt, die erst 18 Jahre alt war. Während seiner Haft schickte Bonhoeffer seiner Braut Briefe und sie schmuggelte geheime Botschaften für ihn ins Gefängnis, doch treffen konnte sich das Paar nur selten. Im Dezember schrieb Bonhoeffer an seinen Freund Eberhard Bethge: "Nun sind wir fast ein Jahr verlobt und haben uns noch nie 1 Stunde allein gesehen! Ist das nicht ein Wahnsinn?" (Bethge, S. 118)

Gefängniszelle von Dietrich Bonhoeffer in Berlin-Tegel

Foto: epd-bild / Gütersloher Verlagsh/Gütersloher Verlagshaus

Die Tegeler Zelle wurde Bonhoeffer zum Studierzimmer. Hier schrieb er Briefe, Gedichte und theologische Texte, die später in dem Band "Widerstand und Ergebung" veröffentlicht wurden. Wieviel Kraft Bonhoeffer in dieser einsamen Zeit aus seinem Glauben schöpfte, wird besonders deutlich an dem berühmten Gedicht "Von guten Mächten", das er am 19. Dezember 1944 in einen Brief an seine Verlobte einfügte:

1. Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

2. Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.

4. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz.

5. Laß warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so laß uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Mitglied der Bekennenden Kirche

© ullstein bild via Getty Images

Dietrich Bonhoeffers bewegtes Leben ging früh zu Ende, mit 39 Jahren. Der Theologe Wolfgang Huber schreibt über ihn: "Bonhoeffers Leben blieb Fragment. Doch es ist erstaunlich, wie viel in diesem Leben Raum hatte. Die Leidenschaft für die Musik, die Lust am Spiel, die Kunst der Freundschaft und die Sehnsucht nach Liebe gehörten genauso dazu wie das Wirken für Kirche und Theologie, für die Ermutigung junger Menschen und für die Ausbildung künftiger Pfarrer." (Wolfgang Huber: Dietrich Bonhoeffer, Auf dem Weg zur Freiheit, 2019).
Die Porträtaufnahme stammt aus den späten 1930er Jahren.

Bonhoeffer wird heute wie eine Art evangelischer Heiliger verehrt. Wie bewerten Sie sein Wirken im Widerstand?

Tuchel: Bonhoeffers Wirksamkeit hat sich erst nach seinem Tod entfaltet. Bei ihm muss man immer genau ansehen, in welcher Phase seines Wirkens man sich befindet. Er schreibt schon 1933 einen Aufsatz "Die Kirche vor der Judenfrage" und bezieht darin klare Stellung gegen die Nationalsozialisten. Er leitet dann ab 1935 das Predigerseminar in Finkenwalde und Zingst der Bekennenden Kirche, eine Art Kaderschmiede der Bekennenden Kirche. 1939 beginnt die Phase seiner politischen Widerstandsaktivität. Im Amt Ausland/Abwehr knüpft er für den Widerstand Kontakte ins Ausland, etwa nach London. Spätestens da steht er im Zentrum des politischen Widerstands. 1943 wird er verhaftet und schreibt in der Haft seine theologischen Werke, die erst nach dem Krieg rezipiert werden. Erst da entdeckt ihn auch die evangelische Kirche für sich.

Bonhoeffer wird von einigen als Märtyrer bezeichnet. Ist diese Zuschreibung Ihrer Meinung nach zutreffend?

Tuchel: Ich tue mich als evangelischer Christ sehr schwer mit dem Begriff des Märtyrers. Aus meiner Sicht wollte keiner der Widerstandskämpfer ein Martyrium erleiden, und sie wollten auch nicht den Status eines Märtyrers erlangen. Bonhoeffer wurde für seine politischen Widerstandsaktivitäten verhaftet und schließlich ermordet. Er war ein lebensbejahender Mensch, der politisch und theologisch gedacht hat - mit einer seltenen Konsequenz und - wie ich finde - in einer wunderschönen Sprache.

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Geistliche in den Konzentrationslagern der Nazis

Foto von Paul Schneider mit seiner Frau Margarete und ihren gemeinsamen vier Kindern.

© epd-bild / undatiertes Archivfoto

Foto von Paul Schneider mit seiner Frau Margarete und ihren gemeinsamen vier Kindern.

© epd-bild / undatiertes Archivfoto

<p><a href="https://www.evangelisch.de/inhalte/108238/19-07-2014/paul-schneider-unbeugsamer-zwischenrufer">Paul Schneider</a> war ein evangelischer Pfarrer und Mitglied der <a href=" https://www.evangelisch.de/themen/bekennende-kirche"> Bekennenden Kirche </a>. Schon ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gerät Schneider immer wieder mit ihnen in Konflikt und wird daraufhin mehrfach von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in angebliche "Schutzhaft" genommen. Am 27. November 1937 wird Schneider schließlich in Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo er unter anderem im Straßenbau-Kommando schwere Zwangsarbeit verrichten muss. Auch im KZ steht er zu seinen Überzeugungen, die sich auf einen Vers der <a href="https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lutherbibel-2017/bibeltext/bibelstelle/Apg%205%2C29/"> Apostelgeschichte (5,29)</a> gründen. Die SS-Aufseher bestrafen diese Haltung mit öffentlichen Stockschlägen und Einzelhaft im Bunker. Schneiders Geist brechen die schweren Folterungen jedoch nicht: So soll er sich auch am Ostersonntag unter Schmerzen an den Gitterstäben seiner Zelle hochgezogen und den Häftlingen aus dem Appellplatz zugerufen haben: "Kameraden, hört mich. Hier spricht Pfarrer Paul Schneider. Hier wird gefoltert und gemordet. So spricht der Herr: "<a href="https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lutherbibel-2017/bibeltext/bibelstelle/Joh%2011%2C25/"> Ich bin die Auferstehung und das Leben!</a>"" Weiter kommt er nicht, da ihn die SS gewaltsam zum Schweigen bringt.</p>

Am 18. Juli 1939 wird Paul Schneider vom Buchenwalder Lagerarzt durch eine starke Überdosis des Herzmedikaments Strophanthin ermordet. Dietrich Bonhoefer bezeichnet ihn als ersten Märtyrer der bekennenden Kirche. Sein Todestag ist heute laut Evangelischen Namenskalender sein Gedenktag.

Portrait von Jane Haining

© Museum Auschwitz-Birkenau

<p>Jane Haining arbeitet während des Zweiten Weltkriegs als Missionarin der Church of Scotland im ungarischen Budapest. Dort leitet sie eine Mädchenschule ihrer Kirche, die darauf spezialisiert war, Juden zu missionieren. Sowohl nach Ausbruch des Krieges als auch nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Ungarn wird sie aufgefordert, das Land zu verlassen. Sie weigert sich, weil sie ihre Schützlinge nicht im Stich lassen will. Die Deutschen beschuldigen sie, Alliierte und Juden zu unterstützen. Jane Haining wird im April verhaftet und am 14. Mai 1944 unter der Nummer 79467 im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau registriert. Zwei Monate später, am 17. Juli, stirbt sie dort. </p>

Nach dem Krieg wird sie von Yad Vashem als "Gerechte unter den Völkern" geehrt und posthum wird ihr der "British Hero of the Holocaust" Award verliehen.

Portrait von Dietrich Bonhoeffer

© mauritius images/United Archives

<p><a href=" https://www.evangelisch.de/personen/dietrich-bonhoeffer-1906-1945"> Dietrich Bonhoeffer </a> war ein herausragender Theologe, Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten und ein bekannter Vertreter der <a href=" https://www.evangelisch.de/themen/bekennende-kirche"> Bekennenden Kirche </a>. </p>

<p>Eine intensive Auseinandersetzung mit der Bergpredigt lässt den 1906 geborenen Theologen zum Pazifisten werden. Selbst im Falle eines Angriffskrieges plädiert Bonhoeffer für gewaltfreien Widerstand. Die Ermordung der Juden durch die Nazis lässt Bonhoeffer umdenken, in Ausnahmefällen hält er den Tyrannenmord für gerechtfertigt – er billigt das Attentat auf Hitler, denn man müsse "dem Rad in die Speichen greifen", auch wenn man selbst dadurch Schuld auf sich lade. Dietrich Bonhoeffer war nicht direkt an der Planung von Hitlerattentaten (am 13.03.1943, 21.03.1943 und 20.07.1944) beteiligt, sondern diente als Verbindungsmann und übergab auf seinen Reisen ins Ausland geheime Dokumente an die Briten.</p>

Am 5. April 1943 wird Bonhoeffer wegen "Wehrkraftzersetzung" verhaftet. Am 7. Februar 1945 wird er in das KZ Buchenwald verlegt, Anfang April 1945 ins KZ Flossenbürg. Am 5. April 1945 ordnet Adolf Hitler die Hinrichtung aller noch nicht exekutierten "Verschwörer" des 20. Juli 1944 an und damit auch jene Dietrich Bonhoeffers.

Portrait von Edith Stein

© epd-bild / akg-images

Als deutsche Jüdin wird <a href="https://www.evangelisch.de/inhalte/139135/12-10-2016/vor-125-jahren-wurde-edith-stein-geboren">Edith Stein</a> 1891 in Breslau geboren. Sie promoviert mit Auszeichnung in Philosophie, ihre Habilitierung scheitert an der Tatsache, dass sie eine Frau ist. 1922 konvertiert sie zum Christentum und tritt 1933 mit dem Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce als Postulantin in den Karmel Maria vom Frieden in Köln ein. Aufgrund der wachsenden Judenverfolgung im "Dritten Reich" siedelt Stein in den Karmel in Echt (Niederlande) um. Aber auch dort ist sie nicht vor den Nationalsozialisten sicher: Nachdem die katholische Kirche gegen die Judenverfolgung in den besetzen Niederlanden protestiert hatte, werden alle katholischen Geistlichen mit jüdischen Wurzeln inhaftiert. Zwischen der Verhaftung Steins am 2. August 1942 und ihrer Ermordung in den Gaskammern von Birkenau liegt ungefähr eine Woche – das genaue Datum ist unbekannt, vermutlich war es der 9. August. Das ist auch ihr katholischer und evangelischer Gedenktag. In der katholischen Kirche wird sie als Heilige und Märtyrerin verehrt, Teilen der evangelischen Kirche gilt sie als Glaubenszeugen.

Portrait von Grzegore Peradze.

© Museum Auschwitz-Birkenau

Grzegore Peradze gehörte der Georgisch-Orthodoxen Kirche an. Als Hochschulprofessor in Warschau zählten Patrologie (Kirchenvätergeschichte) und die Geschichte georgischer Mönchsorden zu seinen Spezialgebieten. Peradze wurde am 5. Mai 1942 in Warschau verhaftet, im Pawiak-Gefägnis inhaftiert und schließlich nach Auschwitz deportiert, wo er am 6. Dezember des gleichen Jahres im Alter von 43 Jahren starb. Grzegore Peradze gehört sowohl zu den Heiligen der Georgisch- als auch Polnisch-Orthodoxen Kirche.

Portrait Martin Niemöller

© epd-bild / akg-images/akg-images GmbH

<p>Als der, "der mit Benzin löscht" wurde <a href="https://www.evangelisch.de/personen/martin-niemoller">Martin Niemöller</a> vom Magazin der "Spiegel" bezeichnet. Und die Poca-Indianer, die ihn in ihren Stamm aufnahmen, gaben ihm den Namen "Der auf dem rechten Weg wandelt". Beides trifft besonders auf Niemöllers Wirken während der Zeit des Nationalsozialismus zu: Der evangelische Pfarrer, der im Ersten Weltkrieg noch ein U-Boot kommandierte, wird im September 1933 zum Vorsitzenden des <a href="https://de.evangelischer-widerstand.de/html/view.php?type=dokument&id=48"> Pfarrernotbundes </a> und später zu einem führenden Vertreter der <a href=" https://www.evangelisch.de/themen/bekennende-kirche"> Bekennenden Kirche </a>.</p>

<p>Weil Niemöller Adolf Hitler auch direkt widerspricht, wird er schließlich dessen persönlicher Gefangener. Er soll als Staatsfeind verurteilt werden, womit man auch eine Kriminalisierung der ganzen Bekennenden Kirche erreichen sollte. Der Prozess endet in der Verurteilung zu sieben Monaten Haft, die Niemöller aber schon durch die Untersuchungshaft verbüßt hat. Statt jedoch freigelassen zu werden, wird er ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Bei Kriegsausbruch 1939 bitte Martin Niemöller Hitler, erneut ein U-Boot kommandieren zu dürfen. Er sieht es als seine lutherische Pflicht an, für sein deutsches Vaterland zu kämpfen. Sein Widerstand gegen die Nationalsozialisten sei nämlich in erster Linie religionstheoretisch motiviert gewesen. 1941 wird Niemöller ins KZ Dachau überstellt, wo er zusammen mit einigen anderen prominenten katholischen Theologen im "Ehrenbunker" gefangen gehalten wird. Insgesamt neun Jahre sitzt der Theologe im Gefängnis, acht davon im KZ.</p>

Nach dem Krieg gestaltet er unter anderem den Aufbau der hessisch-nassauischen Kirche mit, arbeitet am Stuttgarter Schuldbekenntnis mit und wird Präsident des Ökumenischen Rates der Kirchen. Er stirbt am 6. März 1984.

Portrait von Maximilian Kolbe

© Museum Auschwitz-Birkenau

<p><a href=" https://www.evangelisch.de/inhalte/136980/14-08-2016/freiwillig-den-todesbunker-vor-75-jahren-starb-pater-maximilian-kolbe-im-kz-auschwitz "> Maximilian Kolbe </a> wird 1894 als Rajmund Kolbe in Zduńska Wola (Generalgouvernement Warschau, Russisches Kaiserreich) in eine deutschstämmige Arbeiterfamilie hineingeboren. Nach einer Marienerscheinung tritt er 1910 in den Orden der Minderen Brüder ein, wo er den Ordensnamen Maximilian Maria annimmt.</p>

<p>Kolbe ist nicht nur überzeugter Katholik und betätigt sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, sondern ist auch ein erklärter Antikommunist sowie Gegner des Zionismus und der Freimaurer. Drei Monate nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wird Kolbe zusammen mit 40 Ordensbrüdern von der Geheimen Staatspolizei verhaftet, kurze Zeit später aber wieder freigelassen. So viel Glück hat er am 14. Februar 1941 nicht: Wegen der Aufnahme von 2.300 Juden und dazu noch anderen polnischen und ukrainischen sowie griechisch-katholischen Flüchtlingen in seinem Missionszentrums wird er erneut verhaftet. Vom Warschauer Zentralgefängnis in Pawiak wird er im Mai 1941 in Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort bietet er seinen Mithäftlingen als Priester und Seelsorger Trost und Zuspruch, während er den Kies für die Krematoriumsmauer herankarren, Baumstämme schlagen, Leichen auf Schubkarren laden und zu den Verbrennungsöfen fahren muss. Als im Sommer einem Häftling aus seinem Kommando die Flucht gelingt, sollen zur Strafe zehn andere in den "Todesbunker". Das ist eine nur wenige Quadratmeter große Zelle mit einem winzigen Luftloch, in dem die Insassen solange eingesperrt werden, bis sie qualvoll verhungert und verdurstet sind. Maximilian Kolbe meldet sich freiwillig für dieses Schicksal, um es einem verzweifelten Familienvater zu ersparen. Vom 31. Juli bis zum 14. August ist Kolbe im "Todesbunker" eingesperrt. Als er und drei weitere Verurteilte nach dieser Zeit immer noch nicht verhungert und verdurstet sind, werden sie mit einer Phenolinjektion ins Herz getötet.</p>

Pater Maximilian Kolbe wurde von der katholischen Kirche selig und als Märtyrer heiliggesprochen. Sein liturgischer Gedenktag ist am 14. August.

Neben Bonhoeffer gab es noch viele weitere gläubige Christen unter den Widerstandskämpfern, beispielsweise im Kreisauer Kreis, der Gruppe um Helmuth James Graf von Moltke. Welche Rolle spielte der Glaube für die Kreisauer?

Tuchel: Der Anteil der Christen im Kreisauer Kreis war groß. Da waren prominente Vertreter der Protestanten und der Katholiken dabei, darunter die Jesuitenpatres Augustin Rösch, Lothar König und Alfred Delp und von protestantischer Seite Eugen Gerstenmeier und Harald Poelchau. Die christliche Motivation hat für den Kreisauer Kreis eine ganz große Rolle gespielt. Moltke selbst war ein zutiefst religiöser Mensch. Aber noch mal: Für den einzelnen war die christliche Motivation bedeutsam und ist auch nachweisbar in vielen Briefen. Doch der Kreisauer Kreis war deswegen keine kirchliche Widerstandsgruppe.

Eugen Gerstenmeier überlebte die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Er trat der CDU bei und wurde 1954 Bundestagspräsident. Hat das Vermächtnis des Widerstands die junge Bundesrepublik beeinflusst?

Tuchel: Der gesamte Widerstand gegen Hitler war in der Nachkriegszeit lange keine besondere Erinnerung wert. Die Verschwörer galten als Verräter, auch in der jungen Bundesrepublik. Einige wenige Widerstandskämpfer wurden in der Nachkriegszeit hervorgehoben und vereinnahmt, um die anti-nationalsozialistische Haltung der Kirchen zu belegen. Erst in den 80er Jahren ist der politische Widerstand in den Blick genauerer historischer Forschungen gerückt und damit wandelte sich auch die Erinnerungskultur. Natürlich gab es immer wieder auch Versuche der Vereinnahmung. Aber ich denke, der Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist so sperrig, dass er sich einer Vereinnahmung entzieht.