Diakonie Sachsen will stärker für Rechtsextremismus sensibilisieren

Diakonie Sachsen will stärker für Rechtsextremismus sensibilisieren
Nach dem Auftritt einer Musikgruppe mit rechtsextremen Verbindungen will das Diakonische Werk Annaberg-Stollberg seine Mitarbeiter zu genauerem Hinsehen bewegen.

"Aufgrund des Vorfalls werden wir alle unsere Einrichtungen sensibilisieren, damit so etwas nicht wieder vorkommt", sagte der Vorstand des evangelischen Hilfswerks im Erzgebirge, Ruben Meyer, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Montag.

Auf Twitter war am Freitag Kritik an einem Auftritt der Gruppe "De heimattreuen Musikanten" in der von der Diakonie betriebenen Senioreneinrichtung "Tagespflege Lugau" laut geworden. Der Vorsitzende des zugehörigen Vereins "Heimattreue Niederdorf" werde vom sächsischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft, hieß es dort.

Dazu erklärte Meyer, dies sei der Leitung der Tagespflege in Lugau nicht klar gewesen. Der Zusammenhang sei erst durch die Reaktion in sozialen Netzwerken erkennbar geworden. Meyer betonte, der Begriff "Heimat" werde im traditionsreichen Erzgebirge, insbesondere in der älteren Bevölkerung, zutiefst positiv assoziiert. "Daher ist das Auftretenlassen der 'Heimattreuen Musikanten' weder ein politisches Statement der Einrichtung noch des Trägers, der Diakonie", sagte er.

Der Verein "Heimattreue Niederdorf" hatte am Donnerstag auf Facebook geschrieben, die Musikgruppe sei am 14. Juni bereits zum dritten Mal in der Lugauer Tagespflege aufgetreten. Im sächsischen Verfassungsschutzbericht 2018 wird der Vorsitzende des Vereins, Thomas Witte, unter dem Punkt "Engagement von Neonationalsozialisten in nichtextremistischen Aktivitäten ("Einsickerungsbemühungen") aufgeführt. Den Verein selbst stuft der Inlandsgeheimdienst dort als "nichtextremistisch" ein.

Zur Einordnung des Begriffs "Einsickerungsbemühungen", heißt es im Bericht, die rechtsextreme Szene habe erkannt, "welche Propaganda- und Aktionsmöglichkeiten ihnen die Strategie der Verlagerung von Themenschwerpunkten auf allgemein politische Fragen wie der Integration, der politischen Unzufriedenheit oder auch der 'Heimatpflege' bietet". Dazu würden entweder eigene Vereine gegründet "oder rechtsextremistische Szeneangehörige engagieren sich in bereits bestehenden 'Heimat-, Traditionspflege- oder sonstigen Vereinen'".

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