UNHCR-Flüchtlingshilfswerk warnt vor Abschiebungen nach Afghanistan

Autobombenexplosion in Kabul.

© Rahmat Gul/AP/dpa

Ein sicheres Herkunftsland sieht anders aus: immer wieder erschüttern Explosionen die Hauptstadt kabul, wie hier am 09.05.2019 vor dem Gebäude der internationalen Hilfsorganisation Counterpart International.

UNHCR-Flüchtlingshilfswerk warnt vor Abschiebungen nach Afghanistan
Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR der Vereinten Nationen hat vor umfassenden Abschiebungen nach Afghanistan gewarnt. Die Sicherheitslage in dem Land lasse Rückführungen nur im Ausnahmefall zu, erklärte Dominik Bartsch, Repräsentant des UNHCR in Deutschland, am Sonntag in Berlin: "Die Situation hat sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert." Auch die Hauptstadt Kabul sei inzwischen hochgefährlich.

Früher sei Kabul wegen der relativen Sicherheit als sogenannte interne Fluchtalternative bezeichnet worden, weil gefährdete Afghanen dort Schutz suchen konnten und nicht das Land verlassen mussten, betonte Bartsch: "Diese Zeiten sind längst vorbei." Die Stadt sei völlig überlastet und deutlich gefährlicher als früher und deshalb keine Fluchtalternative mehr.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk lehne zwar Abschiebungen nach Afghanistan nicht grundsätzlich ab, hieß es weiter. Wer solche Entscheidungen treffe, müsse sich jedoch klar sein, in was für ein Land die Menschen gebracht werden. Die Taliban hätten wieder dramatisch an Boden gewonnen, es gebe Terroranschläge und ständige Menschenrechtsverletzungen.


"Was man als Deutscher ganz selbstverständlich erwartet, dass der Staat vor marodierenden Banden schützt, kann der Staat Afghanistan nicht leisten", betonte Bartsch. Jedes Asylgesuch müsse genau geprüft werden, weil nicht nur jede Region in Afghanistan anders sei, sondern sich auch Gefahren für jeden Menschen anders darstellen, je nach Alter, Geschlecht und Herkunft.

Zudem habe sich die Situation in den vergangenen Jahren geändert. "Manche Entscheidungen sind fünf Jahre alt", betonte Bartsch: "Inzwischen ist die Situation eine ganz andere und der Bescheid ist längst von der Wirklichkeit widerlegt." Jeder Asylantrag, egal aus welchem Land der Antragsteller komme, müsse genau geprüft werden. Für kaum ein Land sei dies jedoch wichtiger als für Afghanistan.

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