Big-Brother-Awards rügen Überwachung und Spähsoftware

Big-Brother-Awards rügen Überwachung und Spähsoftware
Diese Auszeichnung sind bei den "Preisträgern" alles andere als begehrt. Mit den "Big-Brother-Awards" hat die Datentschützer-Initiative Digitalcourage problematisches Datensammeln von Firmen und Behörden gerügt.

Die diesjährigen Big-Brother-Awards haben problematisches Datensammeln von Softwarefirmen und Behörden angeprangert. Die Datenschützer-Initiative Digitalcourage vergab am Samstagabend in Bielefeld die Negativauszeichnungen in fünf Kategorien. Gerügt wurden Programme, die für die Überwachung Polizeidaten mit Daten von Facebook und WhatsApp verknüpfen oder unbemerkt im Hintergrund Emotionen von Anrufern analysieren. Prominente "Preisträger" waren der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) und das Internetportal "Zeit Online". 

Bei der Aachener Firma Precire wurde moniert, dass ihre Sprachanalyse-Software Emotionen von Anrufern analysiere. Digitalcourage forderte ein Verbot von Sprachanalyse und "künstlicher Intelligenz" zur Charakter-, Emotions- und Motivationserkennung. Die Sprachanalyse könne beim Vorstellungsgespräch mitentscheiden, wer den Job erhalte, warnte die Vorsitzende des Vereins Digitalcourage, Rena Tangens. Bei Anrufern einer Hotline könne die Software Erkenntnisse liefern, ob der Anrufer lüge oder ob er mit einem weiteren Angebot geködert werden könne. 

Die Firma Ancestry.com wurde als Preisträger ausgewählt, weil sie den Angaben zufolge Gendaten an die kommerzielle Phamaforschung verkaufen soll. Die Anbieter missbrauchten die Familienforschung, um einen Genom-Schatz für die kommerzielle Forschung anzuhäufen, hieß es in der Begründung. Das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) erhielt den Preis, weil es über eine neue Verschlüsselungstechnik im Internet Behörden ermöglichen soll, abgehörte Verbindungen zu entschlüsseln. 


Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) bekam die Negativauszeichnung für die Anschaffung von Analyse-Software einer US-Firma, die dem Geheimdienst CIA nahestehen soll. Der Innenminister habe diese hoch umstrittene Überwachungsfirma damit beauftragt, ihre Polizeidatenbanken mit Social Media-Daten und anderen externen Daten zu verknüpfen und zu analysieren. Begründet werde das damit, Bedrohungslagen leichter zu erkennen. Damit gehe jedoch Hessen einen weiteren großen Schritt in Richtung "Kontroll- und Überwachungsstaat", hieß es. Zudem erhielte die US-Firma Zugang zum höchst sensiblen Datennetz der hessischen Polizei. 

Beim Portal "Zeit Online" kritisierte Digitalcourage die Nutzung von Google-Diensten bei dem Online-Diskussionsforum "Deutschland spricht". Damit können nach Einschätzung von Digitalcourage politische Ansichten von Menschen auf Servern der USA gespeichert werden. Kritisiert wird auch, dass ein Nebenprojekt der Diskussionsplattform "Deutschland spricht" von Google finanziert worden sei. Zudem moniert Digitalcourage den Einsatz von Werbetrackern bei "Zeit Online". Damit können die Seitenaufrufe der Besucher registriert werden und den Nutzern speziell auf sie zugeschnittene Werbung präsentiert werden.

Die Chefredaktion von "Zeit Online" hatte in einem öffentlichen Blog die Vorwürfe zum Teil zurückgewiesen. Das Projekt "Deutschland spricht" sei eine Eigenentwicklung mit einem aufwendigen Sicherheits- und Datenschutzkonzept, erklärte die "Zeit Online"-Chefredaktion. Google-Dienste würden dafür nicht genutzt. Lediglich der erste Testlauf im Jahr 2017 habe unter anderen einen Dienst von Google-Apps verwendet, um Daten zu speichern. "Zeit Online" räumte jedoch ein, eine Reihe von Werbetrackern zu nutzen.

Der deutsche Big-Brother-Award wird seit dem Jahr 2000 jährlich vom Verein Digitalcourage gemeinsam mit weiteren Bürgerinitiativen ausgeschrieben. Eine Jury aus Menschenrechtlern, Computerexperten sowie Daten- und Verbraucherschützern wählt die jeweiligen Preisträger aus.

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