Der Typ mit den hellen, wuseligen Haaren, lässigen Klamotten und leicht misstrauischem Blick aus blauen Augen hat etwas ganz Alltägliches - doch dann blitzt plötzlich Humor auf, ein bissiger Kommentar: So prägt Schauspieler Uwe Ochsenknecht seine Rollen. Am 7. Januar wird er 70 Jahre alt.
Seit rund 47 Jahren ist er im Fernsehen, auf der Bühne und im Kino präsent, stand in mehr als 170 Kinofilmen und Fernsehserien vor der Kamera, in "Schtonk!" etwa und in "Männer".
Geboren wurde Ochsenknecht am 7. Dezember 1956 im hessischen Biblis. Die Eltern hatten 1951 der DDR den Rücken gekehrt. Der Vater war Opernsänger, kannte sich also mit Öffentlichkeit aus. Teenager Uwe erprobte sich als Komparse beim Mannheimer Nationaltheater, studierte dann an der Schauspielschule Bochum. In seiner ersten Hauptrolle war er 1978 der Motorradrocker Bulli in der Fernsehserie "Die Straße".
Der Durchbruch kam 1981 als Bootsmann in Wolfgang Petersens dramatischem Kriegsfilm "Das Boot", international bekannt macht ihn seine Rolle als Fälscher in Helmut Dietls Satire "Schtonk!" (1992) über den Skandal gefälschter Hitler-Tagebücher. 1993 wurde "Schtonk!" als bester fremdsprachiger Film für die Oscars und die Golden Globes nominiert.
Freundschaft mit Heiner Lauterbach
In Doris Dörries Komödie "Männer" (1985) zeigt Ochsenknecht seine Fähigkeiten für Witz und Ironie: Er ist ein arbeitsloser Lebenskünstler, der eine Affäre hat mit der Gattin eines Managers, gespielt von Heiner Lauterbach. Mit Lauterbach ist Ochsenknecht seitdem befreundet. "Wir respektieren uns sehr und sind füreinander da. So eine Freundschaft ist selten in unserer Branche", sagte Ochsenknecht vor wenigen Jahren in einem Interview.
Die beiden sind auch in "Willkommen bei den Hartmanns" (2016) gemeinsam zu sehen und in der nachdenklichen Komödie "Ihr letzter Wille kann mich mal" (2019): Zwei Männer lieben dieselbe Frau, haben aber jeweils keine Ahnung von der Existenz des Anderen. Die Frau stirbt, und jeder der beiden Rivalen will die Asche an den Heimatort der Toten bringen. Ein ganz anderer Ochsenknecht war 2003 im Historienfilm Luther zu sehen: Er verkörperte Papst Leo X.
Privatleben in den Medien präsent
Ochsenknechts Privatleben ist so bunt wie manche Filme und in den Medien sehr präsent. 2013 schrieb er eine Autobiografie "Was bisher geschah". Da gab es schon einiges zu erzählen. Aus der Beziehung mit der Künstlerin Rosana della Porta stammt Sohn Rocco, geboren 1986. Von 1993 bis 2012 war Uwe Ochsenknecht mit dem Model Natascha Ochsenknecht verheiratet. Drei Kinder haben die beiden. Die Söhne Wilson Gonzalez,1990, und Jimi Blue, 1991 geboren, sind ebenfalls Schauspieler und oft in den Schlagzeilen. Die Tochter, Cheyenne Savannah, geboren 2000, ist als Model und Influencerin bekannt. Natascha Ochsenknecht und ihre drei Kinder sind sei 2022 Gegenstand der Doku-Soap "Diese Ochsenknechts". Uwe Ochsenknecht heiratete 2017 seine langjährige Lebensgefährtin Kirsten "Kiki" Viebrock. Das Paar lebt in Berlin und auf Mallorca, wo er eine Finca besitzt.
Auszeichnungen für Rolle eines arbeitslosen Fußballfans
Gemeinsam mit seinen - damals noch sehr jungen - Söhnen Jimi Blue und Wilson Gonzalez stand Ochsenknecht ab 2003 für die Verfilmung des Kinderbuchs "Die wilden Fußballkerle" vor der Kamera. Mit sichtlichem Vergnügen verkörperte er in den Michael-Ende-Verfilmungen "Jim Knopf und die wilde 13" und "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" den blondlockigen König Alfons. Ochsenknecht sagte der "Augsburger Allgemeinen" er habe die Theaterstücke der "Augsburger Puppenkiste" als Kind im Fernsehen gesehen. "Da ist es toll, nun im Film mitzuspielen."
In "Fußball ist unser Leben" (1999) ist Uwe Ochsenknecht ausgestattet mit einer Frisur, die in den 80ern Vokuhila hieß (vorne kurz, hinten lang) und dem heutigen Mullet ähnelt. Er spielt einen arbeitslosen Fußballfan, der einen schlappen Fußballer zur Leistungssteigerung motivieren will, was gründlich schiefgeht. Für seine Leistung bekam er 1999 den Bayerischen und 2000 den Deutschen Filmpreis.
Gelassenheit statt Ärger
Mit Musik kennt Ochsenknecht sich ebenfalls aus. Er ist ein erfahrener Sänger, hat mehrere Alben herausgebracht. In dem Musical "Hairspray" glänzte er 2009 in einer Frauenrolle - als übergewichtige Mutter der Hauptfigur Tracy Turnblad (Maite Kelly). Auch seine TV-Rollen sind vielfältig, in der Serie "Charité" spielte er den Chefarzt der Gynäkologie.
Seit 2019 amüsiert er das Publikum in der Serie "Die Drei von der Müllabfuhr" als Müllmann. Der Privatmann Ochsenknecht sagt von sich, er habe noch nie eine Kippe aus dem Autofenster geworfen. Müllmänner würden oft angemeckert, deswegen habe er die Rolle akzeptiert, erklärte er in der ARD: "Damit mal ein Scheinwerferlicht auf dieser Berufsgruppe liegt."
Dem Alltag begegnet Uwe Ochsenknecht mit Gelassenheit, wie er 2020 der "Augsburger Allgemeinen" sagte: "Meine Lebensdevise lautet: Ärgere dich nicht über Dinge, die du nicht ändern kannst."


