DGB-Chef Hoffmann mahnt gleichwertige Lebensverhältnisse im Osten an

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann während seiner Rede zu Kundgebungsteilnehmern in Leipzig.

© Peter Endig/dpa

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann während seiner Rede zu Kundgebungsteilnehmern in Leipzig.

DGB-Chef Hoffmann mahnt gleichwertige Lebensverhältnisse im Osten an
Bei der zentralen 1.-Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Leipzig hat DGB-Chef Reiner Hoffmann gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West angemahnt. Viele Menschen hätten den Eindruck, "die deutsche Einheit ist auch 30 Jahre nach der friedlichen Revolution noch nicht vollendet", sagte Hoffman am Mittwoch in der sächsischen Messestadt. Wirtschaft und Politik hätten es bislang nicht geschafft, gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Ost und West herzustellen.

Hoffmann kritisierte, dass ostdeutsche Arbeitnehmer bei gleicher Leistung "immer noch länger schuften müssen". Zudem seien nur 44 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland nach Tariflöhnen beschäftigt. Aber auch in den alten Bundesländern seien es mit 57 Prozent der Beschäftigten, die in Unternehmen mit Tarifverträgen arbeiten, zu wenige. Der DGB-Chef forderte, öffentliche Fördergelder und Investitionshilfen nur noch an Firmen zu vergeben, die Tariflöhne zahlen.

Auch bei einer Angleichung der Ost-Renten an das Niveau der West-Renten forderte Hoffmann mehr Anstrengungen. Die erst ab dem Jahr 2014 geplante Angleichung müsse schneller umgesetzt werden. Der DGB-Chef sprach sich auch für die Einführung einer Grundrente aus.


Zugleich rief Hoffmann bei der zentralen Mai-Kundgebung zur Teilnahme an der Europa-Wahl am 26. Mai auf. Nötig sei ein "starkes, solidarisches Europa". Er verwies darauf, dass kein EU-Land in der Lage sei, große Umbrüche und Herausforderungen wie Globalisierung, Migration, Flucht, Digitalisierung und Klimawandel alleine zu bewältigen. Zugleich kritisierte er, dass oft nur Negativschlagzeilen über Europa produziert würden. In der eigenen Stadt und Gemeinde werde häufig nicht wahrgenommen, "wo Europa überall präsent ist und unseren Alltag verbessert", sagte Hoffmann.

In Leipzig erinnerte der DGB-Chef auch an die friedliche Revolution vor 30 Jahren. Die Demonstranten damals hätten den Weg für den Mauerfall und die deutsche Einheit bereitet. Aber auch die Wiedervereinigung sei den europäischen Nachbarn mit zu verdanken. Weiter kritisierte der DGB-Chef, dass der Ruf von 1989 "Wir sind das Volk!" heute von Menschen skandiert werde, die nationale Abschottung und gesellschaftliche Spaltung wollten. Zugleich rief Hoffmann zu mehr demokratischen Engagement auf.

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