Leser:innen und Jury küren "Schwebende Lasten"

Annett Gröschner
Susanne Schleyer / autorenarch/Susanne Schleyer
Evangelischer Buchpreis
Leser:innen und Jury küren "Schwebende Lasten"
In dem Roman von Annett Gröschner geht es um eine Magdeburger Arbeiterin und mit ihr um fast ein Jahrhundert deutsche Geschichte. Damit gewinnt die Autorin den mit 10.000 Euro dotierten Evangelischen Buchpreis 2026.

Wie der Vorsitzende des Evangelischen Literaturportals, Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, in einer Pressemeldung bekanntgab, ist der mit 10.000 Euro dotierte Leser:innenpreis an die Autorin Annette Gröschner vergeben worden. Die feierliche Verleihung findet am 20. Mai in Nürnberg statt.

In "Schwebende Lasten" erzählt Gröschner fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte am Beispiel von Hanna Krause, einer Magdeburger Arbeiterin. Eine Frau, die im Roman zwei Revolutionen, zwei Weltkriege, zwei Diktaturen und zwei Demokratien erlebt.

Der Jury-Vorsitzende Stefanie Drüsedau betonte, dass Hanna Krause als "stille Heldin" weder Widerstandskämpferin noch Opportunistin sei. Vielmehr balanciere sie zwischen Auflehnung und Anpassung und entscheide sich nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus Menschlichkeit und Anstand. Darin liege die politische Kraft des Romans, da er zeige, "dass Geschichte nicht nur von Parolen, Systemen und Machtverhältnissen geprägt wird, sondern von vielen unsichtbaren Entscheidungen gewöhnlicher Menschen." Hanna Krause stehe damit stellvertretend für viele Frauen, "die keine Stimme erhalten."

Gröschner erzählt in "Schwebende Lasten" deutsche Geschichte am Leben einer Frau aus Magdeburg.

Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt seit 1983 als Schriftstellerin in Berlin. Sie wurde bekannt durch Romane wie "Moskauer Eis" (2000) und "Walpurgistag" (2011). Zuletzt erschien 2024 ihr gemeinsam mit Peggy Mädler und Wenke Seemann verfasster Bestseller "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat" bei Hanser. "Schwebende Lasten" wurde 2025 im Verlag C. H. Beck veröffentlicht und war im selben Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert. 

Der Evangelische Buchpreis, ein Leser:innenpreis, wird seit 1979 vom Evangelischen Literaturportal der EKD vergeben. Gesucht werden Werke, die dazu anregen, über das eigene Leben, das Miteinander und den Glauben neu nachzudenken.

Die Nominierungen erfolgen allein durch Lesende aus ganz Deutschland. Neben "Schwebende Lasten" standen 12 weitere Titel auf der Shortlist - darunter auch Kinder- und Sachbücher. Die Jury setzt sich aus Bibliothekar:innen, Pädagog:innen, Theolog:innen und einer Redakteurin des Evangelischen Literaturportals zusammen.