Thüringen erforscht Diskriminierung von Christen in der DDR

Forschungsprojekt zur Diskriminierung von Christen in der DDR.

© epd-bild / Bernd Bohm

Wartburg mit dem Leitthema des Kirchentags in Erfurt vom 10.- 12.06.1988 unter dem Motto "Umkehr führt weiter". Zur Aufarbeitung Erforschung der Diskriminierung von Christen in der DDR wird es in Jena ein Forschungsprojekt geben.

Deutschland spricht 2019
Thüringen erforscht Diskriminierung von Christen in der DDR
Die Untersuchung "Bildungswege von Christinnen und Christen in der DDR nach dem Mauerbau - Staatliche Repression und biografische Folgen" soll an der Universität Jena realisiert werden.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKMD) hat erfreut auf die Ankündigung der Landesregierung reagiert, einem Forschungsprojekt zur Erforschung der Diskriminierung von Christen in der DDR eine zweite Chance zu geben. "Wir hoffen, dass die geplante Finanzierung dieses Mal auch wirklich greift", sagte der Beauftragte der Evangelischen Kirche bei Landesregierung und Landtag, Christhard Wagner, am Dientag in Erfurt. Die Landesregierung und die beiden großen Kirchen hatten sich wegen der geplatzten Förderung im vergangenen November einen heftigen öffentlichen Schlagabtausch geliefert.

Im Streit um das Thüringer Forschungsprojekt hatte Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) zuvor eine mögliche Lösung angekündigt. Die ursprünglich an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt geplante Untersuchung "Bildungswege von Christinnen und Christen in der DDR nach dem Mauerbau - Staatliche Repression und biografische Folgen" soll demnach an der Universität Jena realisiert werden. Dem - im Gegensatz zum ersten Anlauf - positiven Bescheid für einen entsprechenden Förderantrag sehe er optimistisch entgegen. Hoff unterstrich, dass allein die Kontroverse das Thema belebt und dem Vorhaben geholfen habe, von der Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Allerdings muss aus Wagners Sicht dafür das Forschungsthema neu designt werden. Eine einfache Widerholung ginge nicht, da die Erfurter Forschungsgruppe daran das Copyright habe, erläuterte der Oberkirchenrat.

Die Thüringer Landesregierung sieht sich indes bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur insgesamt auf einem guten Weg. Das Kabinett nahm am Dienstag in Erfurt den vierten Bericht zum Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur zur Kenntnis. Nun soll das bislang noch nicht veröffentlichte Papier dem Landtag zugeleitet und dort debattiert werden, kündigte Hoff (Linke) nach der Kabinettssitzung an. Seit Gründung der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) im April 2015 habe sich kein anderes Bundesland so um das Thema gekümmert wie das rot-rot-grüne Bündnis in Thüringen, betonte der Linken-Politiker.

Auch wenn man sich auf dem Erreichten nicht ausruhen solle, sei die Gesellschaft bei der Beschäftigung mit den Diktaturerfahrungen "ein gutes Stück vorangekommen", befand Hoff. Dennoch sei die Aufarbeitung des DDR-Unrechts noch lange nicht abgeschlossen. Man habe daher in verschiedenen Handlungsfeldern klare Arbeitsaufgaben für die Zukunft benannt. So sollten beispielsweise die Aktivitäten zu den auf Bundesebene eingeleiteten Gesetzgebungsverfahren - unter anderem zur Verbesserung der sozialen Lage anerkannter politisch Verfolgter durch die Novellierung der SED-Unrechtsbereinigungsgesetze, im Rahmen des Thüringer Vorsitzes in der MPK-Ost fortgesetzt werden. "Die Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen wird von der Landesregierung weiterhin konsequent und ideologiefrei vorangetrieben", versprach Hoff.

Dazu soll auch der Dialog mit zivilgesellschaftlichen Akteuren fortgesetzt werden. Aus der Dialogreihe "Was auf der Seele brennt" habe sich das Forschungs- und Bildungsprojekt DENKOrte entwickelt, sagte Hoff. Als nachhaltige Lern- und Erinnerungsorte sollen diese künftig an Repression, Opposition, widerständiges Verhalten und Zivilcourage in der SED-Diktatur erinnern. Hoff sprach hier von einer wachsenden Nachfrage durch die Schulen des Landes.

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