Kirchentagspräsident fordert mehr Aufklärung beim Missbrauchsskandal

Hans Leyendecker, Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags

© epd-bild/Markus Springer

Hans Leyendecker, Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags, hat die schleppende Aufklärung des Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche kritisiert.

Kirchentagspräsident fordert mehr Aufklärung beim Missbrauchsskandal
Der Präsident des Evangelischen Kirchentags, Hans Leyendecker, hat eine schleppende Aufklärung des Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche kritisiert. Die "immer noch nicht erfolgte Öffnung der Archive oder die mangelnde Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft ist mir schleierhaft", sagte Leyendecker dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag). "In ökumenischer Solidarität haben wir ein großes Interesse daran, dass die Verbrechen in den Kirchen aufgeklärt werden."

Der Präsident des Evangelischen Kirchentags, Hans Leyendecker, hat eine schleppende Aufklärung des Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche kritisiert. Die "immer noch nicht erfolgte Öffnung der Archive oder die mangelnde Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft ist mir schleierhaft", sagte Leyendecker dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "In ökumenischer Solidarität haben wir ein großes Interesse daran, dass die Verbrechen in den Kirchen aufgeklärt werden."

Die Missbrauchskrise füge den Kirchen großen Schaden zu, warnte der Journalist: "Wir spüren, dass der Mühlstein immer schwerer wird." Einer Kirche, die sich auf Jesus Christus berufe, ziehe Missbrauch den Boden weg. Wenn sich nichts ändere, verstärke das nur die Wahrnehmung, "dass die Kirche zu nichts Gutem mehr taugt." Für die Kirchen gelte: "Wir gewinnen und verlieren nur gemeinsam."

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Missbrauch sei nicht allein ein katholisches Problem, unterstrich der Kirchentagspräsident. Aber den Verlauf und Ausgang des Krisengipfels in Rom habe er als "schon sehr enttäuschend" empfunden: "Wie sich die Bischöfe treffen und die Opfer vor der Tür stehenlassen konnten, ist mir schleierhaft." 

Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Dortmund werde sich dem Thema stellen, kündigte Leyendecker an. Am Montag wird in Dortmund das komplette Programm des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags mit mehr als 2.000 Veranstaltungen vorgestellt. Unter anderem soll es 400 Gottesdienste und 800 Konzerte geben. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 100.000 Dauerteilnehmern. Das Treffen steht unter der Losung "Was für ein Vertrauen".