Deutschpflicht, ja, bitte!

Kommentar

© evangelisch.de/Simone Sass

Deutschpflicht, ja, bitte!
Das Bundesinnenministerium will eine Deutschpflicht für Geistliche aus dem Ausland einführen. Eine gute Idee, sagt chrismon-Redakteurin Claudia Keller.
Deutschland spricht 2019

Wer in Deutschland als Imam, Pfarrer oder Rabbiner predigt, Kinder unterrichtet, Gemeindemitglieder tröstet und ihnen im Alltag hilft, sollte Deutsch können. Eigentlich eine Banalität. Aber in vielen Gemeinden, vor allem in Moscheegemeinden, ist das immer noch eine Zukunftsvision. Das Bundesinnenministerium will das nun ändern und Geistlichen aus dem Ausland nur noch dann eine Einreisegenehmigung erteilen, wenn sie ausreichend Deutsch können. So sagte es eine Ministeriumssprecherin zu Beginn der Woche. Das ist ein vernünftiger Plan, der die Integration in mehrfacher Hinsicht stärken kann.

Imame sind in Moscheegemeinden nicht nur als abgehobene Theologen gefragt, sie sollen den Menschen auch bei alltäglichen Schwierigkeiten helfen, bei Behördengängen, bei Gesprächen mit Vermietern, Lehrerinnen und Erziehern. Geistliche, die weder Deutsch können noch die hiesigen Gepflogenheiten kennen, verstehen oftmals die Probleme gar nicht und können erst recht nicht helfen, Lösungen zu finden - das beklagen gerade die jüngeren Muslime seit Jahren.

Auch katholische Kirchengemeinden freuen sich, wenn der neue Pfarrer aus Afrika schon ein bisschen Deutsch kann. Die Zahl der Priester aus dem Ausland wird weiter zunehmen, da sich in Deutschland immer weniger junge Katholiken für diesen Beruf erwärmen können. Viele katholische Gemeinden laden Priester aus ausländischen Partnergemeinden ein, damit sie die Pfarrer im Sommerurlaub vertreten. Der Aushilfspfarrer lernt dadurch Deutschland kennen, und die deutsche Gemeinde kann die Vielfalt des katholischen Lebens schnuppern. Wenn die Aushilfspriester dafür erst mal ein Deutschdiplom an einem Goethe-Institut ablegen müssen, wird das eine komplizierte Angelegenheit. Deshalb sollte es Ausnahmeregelungen geben.

Über die Sprache vermittelt sich den ausländischen Geistlichen auch deutsche Kultur. Doch die geplante Deutschpflicht ist kein Schutz vor fundamentalistischen Gedanken. Gerade in den salafistischen Moscheegemeinden wird überwiegend Deutsch gesprochen, und ihre bekanntesten Prediger in Deutschland predigen auf Deutsch. Aber so hat es zumindest der Verfassungsschutz einfacher, bei den Gottesdiensten zuzuhören.