Bischof Dröge fordert mehr sozialen Wohnungsbau

Bischof Dröge fordert mehr sozialen Wohnungsbau
Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz fordert den Berliner Senat zu mehr Engagement für den sozialen und genossenschaftlichen Wohnungsbau auf.
16.02.2019
evangelisch.de

"Wir betrachten mit Sorge, dass viele Berliner inzwischen Angst haben, sie könnten ihre Wohnung verlieren", weil sie die Mieten nicht bezahlen können, sagte Bischof Markus Dröge dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Wenn Menschen nicht mehr das Gefühl hätten, dass sie zuhause "einen gewissen Schutz auf Dauer haben", sei dies keine gute Situation, betonte der Bischof: "Deshalb erwarten wir, dass der soziale Wohnungsbau und der genossenschaftliche Wohnungsbau wieder stärker gefördert werden." 

"In Berlin sind leider viele öffentliche Wohnungen verkauft worden", sagte Dröge. Dies könne jedoch nicht einfach rückgängig gemacht werden. Durch einen möglichen Rückkauf dieser Wohnungen entstünden keine neuen Wohnungen. Enteignungen stehe die Kirche zudem "skeptisch bis kritisch gegenüber", sagte der Bischof mit Blick auf das in Berlin geplante Volksbegehren zur Enteignung einer privaten Wohnungsgesellschaft: "Das Grundgesetz schützt das Eigentum." Es sei zu befürchten, "dass das jetzt wieder nur so eine Diskussionsblase wird", sagte Dröge: "Es muss stattdessen darauf gedrängt werden, dass der soziale Wohnungsbau wieder mehr Gewicht bekommt."

Wohnraum ist kein "Spekulationsobjekt" 

Auch die Kirche wolle auf diesem Feld stärker aktiv werden, zum Beispiel mit der kirchlichen Hilfswerksiedlung. Überlegt werde auch, sogenannte nicht-pietätbehaftete Friedhofsflächen der Kirche, die nicht mehr für Bestattungen benötigt werden, für den Wohnungsbau zu nutzen.

Die Verantwortung von Eigentümern für die Allgemeinheit müsse stärker betont werden, forderte der Bischof: "Es kann nicht sein, dass Wohnraum immer mehr nur zum Spekulationsobjekt wird, zum reinen Geldanlageobjekt." Es sei nicht akzeptabel, "dass Investoren das als eine gute Geldanlage sehen, aber die Menschen, die dort leben, gar nicht mehr im Blick haben". Die Freiheit des Marktes und die Freiheit, Eigentum besitzen zu dürfen, seien ein hohes zu schützendes Gut, sagte Dröge: "Aber die Verantwortung, mit dem Eigentum auch so umzugehen, dass es den Menschen dient, die müssen wir wieder neu ins Bewusstsein rücken."