Ausstellung über NS-Vernichtungsstätte in Weißrussland

Vernichtungsort Malyj Trostenez

© Aschroet/Wikimedia Commons

Heute fungiert das Lager Malyj Trostenez als europäischer Gedenkort. Im Mittelpunkt steht „Die Pforte der Erinnerung“ des Bildhauers Konstantin Kostjutschenko.

Ausstellung über NS-Vernichtungsstätte in Weißrussland
Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main zeigt ab Samstag, 26. Januar, die Wanderausstellung "Vernichtungsort Malyj Trostenez: Geschichte und Erinnerung".
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Die Schau thematisiert die Geschichte des nationalsozialistischen Lagers unweit der weißrussischen Hauptstadt Minsk und die verschiedenen Formen der Erinnerung daran in Deutschland und vor Ort, wie das Institut auf seiner Website mitteilt. Erweitert worden sei die Ausstellung im Kreuzgang des Karmeliterklosters um Informationen zu Frankfurter Juden wie Tony Caro und Albert Katzenellenbogen, die in dem Lager ermordet wurden, sowie um den Frankfurter SS-Mann Arthur Harder, der dort eingesetzt war. 

Malyj Trostenez war zwischen 1942 und 1944 die größte nationalsozialistische Vernichtungsstätte auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Opfer waren vor allem weißrussische, österreichische, deutsche und tschechische Juden sowie Zivilisten, Widerstandskämpfer und Partisanen. Die Zahl der Ermordeten schätzen Historiker auf mindestens 60.000, möglicherweise über 200.000 Menschen. Erst im Sommer vergangenen Jahres war dort eine Gedenkstätte eröffnet worden. Dazu waren unter anderen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung angereist. Der Bau der Gedenkstätte wurde aus Deutschland mit einer Million Euro mitfinanziert. Unterstützung kam dabei auch von der hessen-nassauischen Kirche.

Für die Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte, Evelyn Brockhoff, stand außerfrage, "dass wir der Schau in unserem Haus Platz geben", zumal sie um Frankfurter Schicksale erweitert worden sei. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt vom Pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts und des Jüdischen Museums. Nach den Worten der Direktorin des Fritz-Bauer-Instituts, Sybille Steinbacher, ist die Ausstellung notwendig, "weil sie die Fakten über die Verbrechen präsentiert, die in Malyj Trostenez begangen wurden, weil sie an diejenigen erinnert, die dort umgebracht wurden, und weil sie zum Nachdenken darüber anregt, warum dieser Ort so lange beschwiegen worden ist".

Die Wanderausstellung wurde von Historikern aus Weißrussland, Deutschland, Österreich und Tschechien erarbeitet. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2016 in Hamburg wurde sie in 19 Städten gezeigt. Träger der Ausstellung sind das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund, die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte "Johannes Rau" Minsk und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Gefördert wurde sie vom Auswärtigen Amt sowie vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

 

Eröffnet wird die Ausstellung "Vernichtungsort Malyj Trostenez: Geschichte und Erinnerung" am Freitag, 25. Januar, 17 Uhr, mit einem Vortrag der Historikerin Petra Rentrop-Koch. Die Schau ist bis zum 17. März im Kreuzgang des Karmeliterklosters, Münzgasse 9 zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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